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Österreich

Ist Gazprom noch zu retten?

File photo of an employee walking up the stairs at the Gazprom Neft oil refinery in Moscow
REUTERS
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Er ist der Konzern, der Russland seit Jahrzehnten finanzierte. Heute ist er in Bedrängnis wie nie zuvor. Und das nicht nur in Europa, das ihm in der Vorwoche wieder einen Schlag versetzt hat. Warum ist der Koloss so angefeindet? Warum explodieren seine Schulden? Und was wird aus dem weltweit größten Gaskonzern werden?

Orden hatte Russland schon immer gerne verliehen. Und selbst Geschäftsleute, die im Unterschied zu Politikern deutlich weniger davon abbekamen, hatten ab und an einen solchen erhalten. Rex Tillerson etwa, der jetzige US-Außenminister und vorherige Chef des Ölkonzerns Exxon, wurde vor Jahren in Moskau mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet. Alles nichts freilich im Vergleich zu dem, womit der Kreml Mitte November den Chef des Gasriesen Gazprom, Alexej Miller, auszeichnete. Den „Orden für Verdienste um die Heimat“ und zwar erster Stufe heftete Staatspräsident Wladimir Putin seinem Weggefährten an die Brust. So hoch war noch nie ein Vertreter der Wirtschaft in Russland geehrt worden.

Man muss das Ganze als Wertschätzung für Millers Leistung lesen, ist Gazprom doch der größte Steuerzahler des Landes. Man kann es freilich auch als demonstrative Schützenhilfe für ihn und seinen Konzern, den immerhin größten seiner Art weltweit, deuten. So unantast- und unverwundbar hoch wie in den besten Zeiten steht er nämlich längst nicht mehr. Und daran ist bei weitem nicht nur der Westen, Gazproms Cash Cow, schuld, wie das häufig so kolportiert wird.

Rauer russischer Wind

In Russland selbst weht dem Riesen, der auf 17 Prozent der globalen Gasvorkommen sitzt und mit seinen 467.400 Mitarbeitern (Stand 2016) über ein Pipelinenetz von 171.200 Kilometern 30 Länder mit Gas versorgt, ein immer rauerer Wind entgegen. Gazprom selbst hat seine Investoren vor Kurzem davor gewarnt. Im jüngsten Prospekt zur Emission einer Unternehmensanleihe hat der Konzern nicht nur abermals darauf verwiesen, dass es keine Gewissheit mehr darüber gibt, ob man das Monopol zum Export von Gas über den Pipelineweg langfristig bewahren könne. Zum ersten Mal werden die Investoren auch auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, dass der Koloss, der derzeit von der Förderung über den Transport bis hin zum Verkauf alles in einem Haus integriert, umorganisiert, sprich in Einzelteile zerschlagen wird.

Die Idee selbst ist nicht ganz neu. Seit mindestens zehn Jahren steht die Frage im Raum, ob der intransparente Gigant sich nicht am Ölsektor ein Beispiel nehmen sollte, der nach dem Zerfall der Sowjetunion in miteinander konkurrierende Unternehmen aufgesplittert wurde. (Wohlgemerkt, ehe diese zuletzt zum Teil wieder dem staatlichen Branchenprimus Rosneft einverleibt wurden).