Schnellauswahl

Hochspannung im Kampf um Niki

Niki soll im März wieder abheben – den Plan haben sowohl Niki Lauda als auch Vueling.
Niki soll im März wieder abheben – den Plan haben sowohl Niki Lauda als auch Vueling.(c) BilderBox
  • Drucken
  • Kommentieren

Niki Lauda und die IAG-Tochter Vueling lieferten sich bis zuletzt ein Match um die insolvente Airline und warben bei der Belegschaft mit neuen Jobs .Der Gläubigerausschuss verhandelte bis spät in die Nacht.

Wien. So spannend war ein Insolvenzverfahren schon lang nicht: Vor allem – wann musste ein Pleiteunternehmen zwei Mal verkauft werden? Das ist bei Niki der Fall. Die Airline ist nach der Pleite ihrer Mutter, Air Berlin, und dem gescheiterten Verkauf an die Lufthansa selbst Mitte Dezember 2017 in die Insolvenz geschlittert.

Am Montagnachmittag war es so weit. Da beriet der Gläubigerausschuss über die von Masseverwalterin Ulla Reisch geprüften Angebote – und sollte entscheiden. Aber Geduld, ein rascher Zuschlag wurde nicht erwartet, obwohl die Zahl der Interessenten äußerst überschaubar war. „Das wird bis nach Mitternacht dauern“, lautete der lakonische Kommentar von Niki Lauda. Und er sollte Recht behalten. Auch nach acht Stunden gab es noch kein Ergebnis - und die Köpfe rauchten.

Die Frage, über die seit Tagen spekuliert wurde: Schafft es der dreifache Formel-1-Weltmeister und zweifache Airline-Unternehmer (Lauda Air und Niki), seine Fluglinie zurückzubekommen? Oder erhält die spanisch-britische Holding IAG, die unter ihrem Dach British Airways, Air Lingus, Iberia, Vueling und Level vereint, zum zweiten Mal den Zuschlag?

 

Juristisches Tauziehen

Zuletzt hat auch noch Ryanair Interesse an Teilen angemeldet. Offen war bis zum Bieterschluss am Freitag, ob die Privat-Air noch einmal in den Ring steigt.

Die IAG bzw. deren Billigtochter Vueling hat bereits Ende Dezember vom vorläufigen deutschen Insolvenzverwalter Lucas Flöther den Zuschlag erhalten. Dann begann allerdings – ausgelöst von einer Klage und einem Konkursantrag des Fahrgastrechteportals Fairplane – ein juristisches Tauziehen, wo das Insolvenzverfahren ablaufen solle. Das Landgericht Berlin hatte als erste Instanz befunden, die Niki-Pleite müsse in Österreich abgehandelt werden. Worauf Flöther am Landesgericht Korneuburg ein Sekundärverfahren beantragte.

Die Niederösterreicher entschieden jedoch, das Hauptverfahren nach Österreich zu holen. Ergo musste Masseverwalterin Reisch den Verkauf neu aufrollen. Sie und Flöther, die Kooperation gelobten, drückten nicht ohne Grund aufs Tempo: Der Flugbetrieb von Niki ist eingestellt, das Infrastrukturministerium hat aber die Fluglizenz (AOC) und die daran gekoppelten Betriebsgenehmigung bis Ende März verlängert. Damit gehen auch die wertvollen Start- und Landerechte (Slots) nicht verloren. Gleichzeitig muss der Geschäftsbetrieb aufrechterhalten und müssen die Gehälter für die 1000 Mitarbeiter gezahlt werden.

Dazu hat die IAG – zusätzlich zum Kaufpreis von 20 Mio. Euro – einen Massekredit über 16,5 Mio. Euro zur Verfügung gestellt, wovon drei Mio. Euro schon geflossen sind. Die IAG hat aber im ursprünglichen Kaufvertrag ein Rücktrittsrecht, wenn bis 28. Februar keine Entscheidung fällt.

Sowohl Lauda, der Niki 2003 aus der insolventen Aero Lloyd gegründet und schrittweise Air Berlin – bis zur Komplettübernahme – beteiligt hat, als auch die IAG haben kräftig die Werbetrommel gerührt. Lauda ging wieder gemeinsam mit dem Reisekonzern Thomas Cook und dessen Flugtochter Condor ins Rennen. In Verhandlungen mit der Lufthansa habe er sich bereits 15 Flugzeuge gesichert, sagte er. Mit ebenso vielen Flugzeugen soll Niki unter dem Dach der Vueling wieder abheben. IAG-Boss Willie Walsh sprach im „Presse“-Gespräch von einem Potenzial von mindestens 30 Fliegern und stellte auch die Übernahme aller Beschäftigten in Aussicht.

 

Mitarbeiter wollen Vueling

Ginge es nach ihnen, müsste der Gläubigerausschuss nicht so lang überlegen. Viele haben nämlich die Petition, die Betriebsratsobmann Stefan Tankovits nach einer Betriebsversammlung am vergangenen Dienstag aufgelegt hat, unterschrieben: für Vueling. Vor allem die Piloten sollen dem Vernehmen nach Lauda gegenüber kritisch eingestellt sein. Dieser reagierte darauf mit einem offenen Brief an die Belegschaft. Auch er stellte allen Jobs in Aussicht.

Auf einen Blick

Der Gläubigerausschuss hat am Montag über den Verkauf der insolventen Fluglinie Niki beraten. Eine Entscheidung wurde erst in den Nachtstunden erwartet. Airline-Gründer Niki Lauda und die IAG-Holding mit ihrer Billigtochter Vueling lieferten sich ein spannendes Match und lockten mit Jobs für alle 1000 Mitarbeiter. Diese sprachen sich in einer Petition für Vueling aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2018)