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Kurz und Strache freuen sich mit Niki Lauda

Niki Lauda bekommt "seine" Airline zurück
Niki Lauda bekommt "seine" Airline zurückAPA/BARBARA GINDL
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Kanzler, Vizekanzler, der Verkehrs- und der Finanzministser begrüßen die Sicherung der Arbeitsplätze bei der Airline Niki. Deutschlands Wirtschaftsministerin spricht sich für eine zügige Kaufabwicklung aus.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zeigte sich am Dienstag erfreut über den Zuschlag der Airline Niki an deren ursprünglichen Gründer Niki Lauda. Er sei froh darüber, dass es eine Entscheidung gegeben habe und die Fluglinie wieder in österreichischer Hand sein werde, dass die Arbeitsplätze gesichert seien und es eine Kooperation mit dem Betriebsrat gebe, sagte Kurz in Graz.

Auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) zeigte sich erfreut darüber, dass Arbeitsplätze gesichert seien und man wieder eine österreichische Fluglinie habe. Er hoffe auf Investitionen in den Standort Wien, Stichwort 3. Piste, so Strache bei einem gemeinsamen Besuch mit Kurz in einer Grazer Volksschule.

Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) hat den Zuschlag der insolventen Airline Niki an den Airlinegründer Niki Lauda ebenfalls begrüßt. Jede Entscheidung, die ein Fortbestehen von Niki zur Folge habe, sei "eine gute Entscheidung", sagte Löger am Dienstag vor einem EU-Finanzministerrat in Brüssel.

Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ), selbst einst Flugzeugtechniker bei Lauda Air, hat den Zuschlag an Niki Lauda begrüßt. Sein Ministerium habe sichergestellt, dass Nikis Luftverkehrsbetreiberzeugnisses (AOC) trotz Insolvenz aufrecht bleibt. Es sei gut für den Standort, dass die Fluglinie in österreichische Hände kommt, sagte Hofer am Dienstag im Ö1-Mittagsjournal.

"Es wird nach allen Informationen, die wir jetzt haben, keine rechtlichen Probleme geben. Das ist fast völlig ausgeschlossen. Und die Flugzeuge - ich habe vorhin mit Niki Lauda telefoniert - stehen zur Verfügung", sagte Hofer.

Auch Lauda selbst sagte in der Sendung, dass die Verhandlungen mit der AUA-Mutter Lufthansa über die 15 Flieger mittlerweile abgeschlossen seien. Der Frage nach dem Kollektivvertrag wich Lauda aus, für den morgigen Mittwoch kündigte er eine Mitarbeiterversammlung am Flughafen Wien an. Die Marke Niki wurde offenbar nicht gekauft und dürfte verschwinden: "Die geht ja mit der Niki in Konkurs, damit habe ich keinen Zugriff. Und das Ganze heißt ab jetzt Laudamotion", so Lauda.

Infrastrukturminister Hofer sagte, Lauda habe ihm bereits vor dem Zuschlag seine Pläne vorgestellt und man sei auch in Kontakt geblieben. Interventionen im Bieterprozess habe es aber nicht gegeben. Hofer lobte Lauda als eine der großartigsten Persönlichkeiten des Landes und auch als guten Arbeitgeber, Lauda habe als Chef einen gewissen Spirit hineingebracht. Hofer ist überzeugt, dass fast alle Mitarbeiter bleiben werden. Eine Lehre für die Zukunft müsse sein, dass Firmen in heimischer Hand bleiben.

Bei den Piloten trifft Lauda aber auf deutliche Skepsis. "Lauda war in der Vergangenheit alles andere als ein Traumarbeitgeber", sagte am Dienstag ein Sprecher der deutschen Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) in Frankfurt laut dpa. Es gebe erhebliches Misstrauen, ob Lauda wie versprochen bei der von ihm im Insolvenzverfahren erworbenen Gesellschaft Niki tatsächlich Kollektivverträge abschließen werde. In früheren Zeiten seien die Piloten bei Personaldienstleistern angestellt und an die Airline verliehen worden.

Bei einer Übernahme aus einer Insolvenz sei zu befürchten, dass die ohnehin schon bescheidenen Arbeitsbedingungen für das fliegende Personal der Niki noch weiter verschlechtert würden, sagte der VC-Sprecher. Der Niki-Betriebsrat habe daher zu Recht darauf hingewiesen, dass es für viele Piloten berufliche Alternativen gebe. Sie müssten jetzt im Einzelfall prüfen, ob sie nicht besser bei anderen Fluggesellschaften anheuerten. Derzeit sucht insbesondere die Lufthansa-Tochter Eurowings Piloten für ihre Airbus-A320-Flotte. Diesen Typ hat auch die Niki bis zu ihrem Grounding geflogen.

Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), sieht es als gutes Signal für den Wirtschaftsstandort Österreich, dass Lauda das Rennen um die Fluglinie gemacht hat: "Jetzt ist zu hoffen, dass die notwendigen Formalitäten zügig erledigt werden können und der Flugbetrieb rasch wieder aufgenommen werden kann.“ Damit würden Arbeitsplätze in Österreich gesichert und die Verkehrs-, aber auch die Tourismuswirtschaft gestärkt.

Deutschlands Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat sich für eine zügige Kaufabwicklung der insolventen Fluggesellschaft Niki im Sinne der Beschäftigten ausgesprochen. "Das Unternehmen steht vor großen Herausforderungen und die Beschäftigten brauchen endlich Gewissheit über ihre Zukunft", sagte die SPD-Ministerin am Dienstag.

In der Nacht auf Dienstag hatte der Gläubigerausschuss in Wien entschieden, den Zuschlag für die österreichische Airline dem einstigen Gründer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda zu erteilen. "Auch für die Passagiere und den Wettbewerb ist es eine gute Nachricht, wenn es nach einem vorübergehenden Aus der Niki nun bald wieder mehr Angebot im Luftverkehr gibt", sagte Zypries.

Zur Höhe der Rückerstattung des Kredits, den die deutsche Bundesregierung einst der Niki-Mutter Air Berlin nach deren Insolvenz gewährt hatte, könne weiterhin keine Aussage getroffen werden. Über die staatliche KfW-Bank waren 150 Millionen Euro an Air Berlin geflossen, um den Flugbetrieb nach dem Insolvenzantrag aufrecht zu halten.

 

Thomas Cook will bei Lauda buchen

Der deutsch-britische Touristik-Konzern Thomas Cook will bei einem Neustart der Fluggesellschaft Niki dort größere Sitzkontingente buchen. Zugleich gebe es eine Anfrage der neuen Gesellschaft Laudamotion, sie beim Flugbetrieb mit verschiedenen operativen Dienstleistungen zu unterstützen, sagte ein Sprecher am Dienstag in Frankfurt. Thomas Cook sei auf baldige Gespräche zu diesem Thema vorbereitet.

Das Unternehmen betreibt unter anderem die eigene Airline Condor. In der Vergangenheit hatte die inzwischen insolvente Air Berlin viele Bereiche ihrer Tochter Niki gemanagt. Nach dem Zuschlag im Insolvenzverfahren für den einstigen Gründer Niki Lauda könnte Condor nun Crew-Planung, Wartung und die Überwachung des Flugbetriebs übernehmen. Am letztlich erfolgreichen Angebot Laudas für die insolvente Fluggesellschaft war Thomas Cook nach eigenen Angaben nicht beteiligt.

(APA/dpa)