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Sesselrücken auf dem Küniglberg

Es dürfte sich einiges ändern im ORF; im Bild zu sehen das Dach des ORF-Zentrums Küniglberg.
Es dürfte sich einiges ändern im ORF; im Bild zu sehen das Dach des ORF-Zentrums Küniglberg.(c) Clemens Fabry
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ÖVP und FPÖ planen ein neues ORF-Gesetz. Diesem könnte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz nun zuvorkommen, indem er demnächst das Direktorium umbaut. Personalgerüchte im ORF sorgen für Gesprächsstoff.

Wären ÖVP und FPÖ im August 2016 am Ruder gewesen, Alexander Wrabetz hätte sich seine Wiederkandidatur als ORF-General wohl sparen können. Jetzt verwaltet ein in der SPÖ sozialisierter Manager das mächtigste Medienhaus eines Landes, das unter türkis-blauer Flagge segelt. Was das bedeutet, wissen die ORFler, diverse Gerüchte über einen Umbau der Führungsetage und personelle Veränderungen sind Gesprächsstoff. Bisher hat noch jede Regierung versucht, im ORF Einfluss auf personelle und journalistische Entscheidungen zu nehmen. Was also könnte sich ändern?


Die Chefetage. FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger hat für seine Partei ein neues ORF-Gesetz entworfen, über das nach der Medienenquete im Frühling entschieden werden soll. Er wünscht sich einen Vorstand statt eines ORF-Alleingeschäftsführers. Derzeit ist das Alexander Wrabetz. Er will dem Vernehmen nach das Direktorium noch heuer umbauen und damit dem neuen Gesetz zuvor- und der neuen Regierung entgegenkommen. Kolportiert werden folgende Ideen: Der rote Technikdirektor, Michael Götzhaber, und Finanzdirektor Andreas Nadler (ein Fachexperte angeblich ohne politische Hausmacht) sollen weichen, ihre Ressorts zu einer Direktion verschmolzen werden. Legt Wrabetz die zwei Ressorts zusammen, kann er einen Informationsdirektor installieren (die Zahl der Direktoren ist gesetzlich beschränkt). Es kursieren auch schon Namen: Der in der ÖVP sehr gut vernetzte ORF-Programmentwickler Roland Weissmann könnte Finanzen und Technik übernehmen. Noch heikler ist aber die Infodirektion: Christoph Takacs, der 2017 auf Wunsch von ÖVP-Landeshauptmann Wilfried Haslauer den SPÖ-nahen Roland Brunhofer als Chef des Salzburger Landesstudios ablöste, könnte hier zum Zug kommen.

Fernsehdirektorin Kathrin Zechner dürfte das politische Sesselrücken nicht überstehen – „sie hat keine Befürworter in der neuen Regierung“, sagen Insider. Als mögliche Nachfolgerin wird Elisabeth Totzauer genannt. Der Info-Chefin von ORF eins werden beste Kontakte zu ÖVP-Medienminister Gernot Blümel nachgesagt. Freilich müsste Wrabetz auch der FPÖ entgegenkommen (was generell nicht einfach ist, weil sich im ORF nur wenige zur FPÖ bekennen). ORF-Online-Chef Thomas Prantner, seit jeher ORF-Verbindungsmann zur FPÖ, könnte Radiodirektorin Monika Eigensperger ablösen, die bei der FPÖ in Ungnade gefallen ist.

Mit dem Abgang Michael Häupls als Wiener Bürgermeister gilt Landesdirektorin Brigitte Wolf als angezählt. Ihr Posten soll seit längerem dem Wiener Chefredakteur Paul Tesarek versprochen sein. Der Wiener SPÖ fehlt es derzeit aber an Kraft. Und wenn Kathrin Zechner abgelöst wird, braucht man auch für sie einen neuen Job – die Wien-Direktion wird als Möglichkeit ventiliert. Noch ein Name fällt, wenn es um Landesdirektionen (in dem Fall Wien oder Niederösterreich) geht: Robert Ziegler, Chefredakteur im NÖ-Landesstudio, kommt der ÖVP als Personalreserve zupass.

Wie gut Wrabetz das politische Spiel versteht, zeigt auch die seit über einem Jahr überfällige Ausschreibung der Channel-Manager, die er bis nach der Wahl aufgeschoben hat. Sein Favorit für ORF2, Brunhofer, passt jetzt farblich nicht mehr ins Bild. Stattdessen hört man nun den Namen von „Seitenblicke“-Chef Alexander Hofer. Für ORF eins wurde stets Totzauer gehandelt, sie könnte nun aber weiter aufsteigen.


Die Redaktion. Auf der Abschussliste der FPÖ steht angeblich auch TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher. Manche meinen, er könnte den in Pension gehenden Robert Wiesner als „Report“-Chef beerben – doch auch dort hätte er Politikthemen zu verantworten, wenn auch nicht tagesaktuelle. Wahrscheinlich wird sich „Report“-Moderatorin Susanne Schnabl bewerben – sie gilt als kompetent und unabhängig. Und wer könnte Dittlbacher als TV-Chefredakteur nachfolgen? „ZiB“-Innenpolitiker Wolfgang Geier ständen die guten politischen Kontakte zur Tiroler ÖVP jedenfalls nicht im Weg . . .

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2018)