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Aussicht auf den Mast, der nicht mehr da ist

Der Donauturm tritt die Nachfolge als höchstes Gebäude des Landes an – mit Aussicht auf den Bisamberg.

Wien. Plötzlich war er weg. Der Sendemast auf dem Bisamberg, Österreichs höchstes Bauwerk, wurde gestern gesprengt (siehe Artikel oben). Doch obwohl es seit mehr als 50 Jahren die Konturen des Wiener Umlands prägte, scheint es nach seiner Sprengung doch niemandem zu fehlen.

Das mag auch daran liegen, dass der Mast von den Wienern nicht als „Bauwerk“ wahrgenommen wurde: „Seine Lage war nicht zentral im Stadtgebiet“, sagt Architekt Martin Zechner – im Gegensatz zu markanten Orientierungspunkten wie dem Stephansdom oder dem Riesenrad. Außerdem habe der Sender zwar eine besondere Höhe gehabt, sei aber eben „nur ein Sender“ gewesen.

Dieselbe Meinung hört man auch beim Heurigen „Weingut Schilling“ in Strebersdorf. Von hier aus hat man einen klaren Blick auf den Bisamberg. „Wir haben früher geöffnet“, sagt eine Mitarbeiterin, „damit die Gäste der Sprengung zuschauen können.“ Und wenn in Zukunft Heurigengäste keinen Mast mehr im Blickfeld haben, werde das auch niemanden stören, heißt es hier.

Vom letzten Stock des „Floridotower“ in Floridsdorf kann man ebenfalls auf den Bisamberg schauen. Hier befinden sich Konferenzräume, die vermietet werden. Obwohl gerade der Panoramablick geschätzt werde, „wird es den Mietern ziemlich egal sein, ob da ein Mast nicht mehr steht“, so eine Sprecherin.

 

Donauturm höchstes Gebäude

Seit gestern Nachmittag ist nun der Donauturm mit 252 Metern das höchste Bauwerk Österreichs. Als eine „gottgegebene Ehre“ bezeichnet der Geschäftsführer der Donauturm Gesellschaft, Robert Podebradsky, diese neue Rolle. „Ich hoffe, das bleibt lange so.“ Allerdings – sehr viel ändern wird sich am Donauturm deswegen nicht, denn der Mast war nie eine Konkurrenz: Dort konnte man nämlich weder bungeejumpen noch in 170 Meter Höhe Abendessen. „Wir waren immer schon begehbar“, sagt Podebradsky, „während der Mast nicht publikumswirksam war.“

Der Donauturm hatte seit seiner Eröffnung 1964 rund 20 Millionen Besucher. „Wir haben immer viele Attraktionen gehabt.“ Die werde es auch weiterhin geben. Zurzeit finden am Donauturm Renovierungsarbeiten statt. „Wir sanieren gerade unsere Lifte“, sagt der Geschäftsführer, „aber das war grundsätzlich geplant.“ Mit dem neuen Status als höchstem Gebäude habe das nichts zu tun.

Lediglich bei der Vermarktung eines neuen Zusatzangebots (voraussichtlich ab Mai) könne man den Status als „höchstes Bauwerk“ in die Werbung miteinbeziehen: ein Abendessen im Restaurant mit Musikbegleitung.

Wer dann aus dem Fenster sieht, wird einen Bisamberg erblicken, auf dem kein Sender mehr steht. Und das vermutlich nicht einmal bemerken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2010)