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Tierschützer kritisieren neues "Kampfhunde"-Gesetz

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APA/HERBERT NEUBAUER
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Für Vier Pfoten und der Wiener Tierschutzverein halten wenig von dem neuen Regeln für Listenhundehalter. Statt Verboten solle mehr aufgeklärt werden, heißt es.

Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" kritisiert das neue "Kampfhunde"-Maßnahmenpaket der Stadt Wien: Es handle sich genau um jene Art von Anlassgesetzgebung, vor der man gewarnt habe, hieß es in einer Aussendung. "Hier wurde leider das Pferd von hinten aufgezäumt", befand Kampagnenleiterin Martina Pluda.

Bezweifelt wird, ob strengere Regeln und höhere Strafen für Halter von Listenhunden tatsächlich sinnvoll sind. Vor allem die Strafen würden das Problem nicht lösen. Viel zu kurz sei das Thema Aufklärung gekommen, wird beklagt. Auch dass nur Listenhunde im Fokus stehen, sorgt für Unmut: "Der Rassetyp bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund gefährlich ist. Wir sehen das gerade aktuell am Fall des Dackels, der ein kleines Kind gebissen hat."

Oft hätten derartige Vorfälle mehr mit dem Besitzer und seinem Mangel an Verantwortung für das Tier zu tun: "Das Problem sitzt eigentlich immer am anderen Ende der Leine." "Vier Pfoten" spricht sich für einen verpflichtenden Hundeführschein für alle Halter aus. Zugleich solle es Schulungen und Aufklärungskampagnen zum Thema Umgang mit dem Hund im öffentlichen Raum geben, hieß es. Die Bevölkerung wisse "einfach zu wenig über Hunde".

Positiv sieht "Vier Pfoten", dass die Prüfung zum verpflichtenden Hundeführschein für Listenhund-Besitzer verschärft und der Praxisteil ausgeweitet wird. Auch die Polizei bekomme bessere Möglichkeiten, die mangelnde Vertrauenswürdigkeit eines Tierhalters rascher festzustellen, wurde betont.

Tierschutzverein: Gesetz "verschlimmbessert"

Auch der Wiener Tierschutzverein kann den neuen Regeln für Halter sogenannter Listenhunde wenig abgewinnen. Das Tierhaltegesetz sei ein weiteres Mal "verschlimmbessert" worden, befand WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic am Mittwoch in einer Aussendung. Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) verweigere sich konsequent dem sachlichen Diskurs mit Tierschutzvereinen, hieß es.

Die Stadträtin rühme sich damit, "streng" durchgreifen zu wollen. Wie dies in der Praxis aussehen solle, sei aber höchst fraglich, sagte Petrovic: "Wenn Wien eigentlich die Haltung von Hunden in der Stadt immer mehr erschweren oder gar unmöglich machen will und gleichzeitig eine sinnvolle österreichweite sichere Regelung boykottiert, so scheint das eher mit einer gewissen Trotzhaltung und dem Streben nach einer weiteren Polarisierung zu tun zu haben als mit echten Bemühungen in Richtung einer rücksichtsvollen und sicheren Mensch-Tier-Beziehung."

Tragische Zwischenfälle sollten echte Präventivmaßnahmen nach sich ziehen, erklärte die WTV-Chefin. Vorschläge habe man dazu bereits unterbreitet, verwies man auf eine kürzlich veröffentlichte Liste. Gefordert hatte man unter anderem, mehr Zeit und Kapazitäten für Amtstierärzte zu schaffen, damit diese nach Meldungen über verantwortungslose Halter rascher Kontrollen durchführen können.

"Sippenhaft"

Für den österreichischen Hundehalterverband ist vor allem die Maulkorb- und Leinenpflicht für Kampfhunde problematisch. Kleinere Hundezonen - nur in diesen gilt die Pflicht nicht - würden für einen artgerechten Auslauf nicht ausreichen, hieß es in einem Offenen Brief an Sima. Generell werden "Rasselisten" als wenig nützlich erachtet. Auch Rottweiler seien seit acht Jahren auf der Liste, trotzdem sei ein Kind gebissen worden.

Man sei auch nicht damit einverstanden, dass tausende Halter für das Versagen einer stark alkoholisierten Person einstehen müssten. "Gibt es in ihren Augen eine Art 'Sippenhaft für Hundehalter' oder gar eine 'hunderassistische Gesinnung'?", erkundigt sich der Verband bei der Ressortchefin.

(APA)