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Ethereum: Der wahre Motor des Krypto-Booms

Ethereum hat sich als Nummer zwei hinter Bitcoin etabliert.(c) Reuters (Dado Ruvic)
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Mit 19 Jahren erfindet Vitalik Buterin Ethereum. Der kleine Bruder von Bitcoin ist der Grundstein für eine dezentrale Welt. Beliebt bei Staaten, Konzernen und Betrügern.

Die Zeit der großen Gewinne mit Kryptowährungen ist vorerst zu Ende. Inzwischen hat jeder durchschnittlich gebildete Mensch zumindest einmal von der Blockchain gehört. „Die Chance, dass sich die Preise noch einmal vertausendfachen, ist damit endgültig dahin. Der Plafond ist schon in Sichtweite“. Diese nüchterne Sicht auf die gehypte Anlageklasse stammt nicht von einem der vielen Krypto-Berufsskeptiker, sondern von Vitalik Buterin, einem der bekanntesten Gesichter in der Szene. Der Kanadier mit russischen Wurzeln gilt als Erfinder von Ethereum, einer Blockchain-Plattform, die sich als Nummer zwei hinter dem Pionier Bitcoin etablieren konnte. Mit seinem Projekt hat der 24-Jährige den Höhenflug des Vorjahres voll mitgemacht. Der Preis für ein Ether (die Währung in der Ethereum-Welt) stieg auf 1396,42 Dollar – verlor seither aber fast neun Zehntel seines Wertes. Doch während manche Kryptoanleger deshalb stöhnen, scheint das den Erfinder selbst nicht im Geringsten zu stören. „Ganz ehrlich, ich halte nicht viel von alledem“, sagte er kürzlich. „Wenn Kryptowährungen letztlich nicht mehr sind, als ein weiteres Ding, das sich Millionäre gegenseitig verkaufen, was haben wir dann wirklich erreicht?“

Um Geld ist es dem schlaksig-scheuen Star der Branche nie gegangen. Er arbeitet lieber daran, unsere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung auf neue, dezentrale Pfeiler zu stellen. Von seinem Vater Dimitry, selbst Informatiker, hat er nicht nur die Liebe zu Computern, sondern auch sein Misstrauen gegen staatliche Institutionen geerbt. Mit drei Jahren drückt ihm sein Vater den ersten Computer in die Hand, mit elf programmiert das Mathematiktalent seine ersten Computerspiele. Russland hat die Familie zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren verlassen. Mit der Jahrtausendwende wandern die Eltern auf der Suche nach besseren beruflichen Aussichten nach Kanada aus. Wie Millionen andere Jugendliche versinkt Vitalik Buterin dort in der virtuellen Welt des Onlinespiels „World of Warcraft“. Bis ihm mit 19 die Idee seines jungen Lebens kam.