Mit dem Rucksack durch Afrika: Tipps für angehende Backpacker

Henrike Brandstötter hat ihre Begeisterung für Afrika in ein Buch verpackt.
Henrike Brandstötter hat ihre Begeisterung für Afrika in ein Buch verpackt.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Afrika gilt für Individualreisende als schwieriges Terrain. Zu Unrecht, sagt Henrike Brandstötter. Und hat ihre Erfahrungen in ein witziges Buch gepackt.

Was ist Afrika? Aus europäischer Sicht sind das auf der einen Seite hungernde Kinder, Menschen in Lehmhütten oder Helfer, die sich bei einer Seuche wie Ebola um Menschen kümmern. Und auf der anderen Seite Frauen in bunten Kleidern, ein einsamer Löwe in der Steppe oder eine Elefantenherde am Wasserloch.

Ja, all das gibt es auch. Doch Afrika ist mehr als das, was durch die medialen Filter nach außen dringt. Und es kann vor allem auch ein Reiseziel sein – nicht nur für Pauschaltouristen auf Safari, sondern auch für Individualtouristen, die eines oder mehrere der 54 Länder mit dem Rucksack bereisen wollen. „Ich wusste auch lang nicht, dass das in Afrika geht“, sagt Henrike Brandstötter.“

Als Backpackerin war sie schon öfter unterwegs gewesen, etwa in Südostasien. Dann kam die beiläufige Bemerkung einer Freundin, dass man ja auch einmal auf den Kilimandscharo steigen könnte – und schon war der Trip nach Tansania gebucht. Das erste Mal mit dem Rucksack in Subsahara-Afrika. „Und da habe ich gemerkt, es ist einfacher als gedacht.“

Zehn Jahre ist das her, seither war sie immer wieder für mehrere Wochen in afrikanischen Ländern unterwegs, lernte Kontinent und Bewohner kennen. Und erzählte in den sozialen Medien immer wieder über ihre Erlebnisse. Bis sie beschloss, aus dem gesammelten Wissen ein Buch zu machen.

„Backpacking in Afrika“ ist eine Sammlung von immer wieder auch amüsant zu lesenden Tipps und Tricks, die das Reisen leichter machen sollen: Antimückenspray, zum Beispiel, müsse man nicht unbedingt mitnehmen, ihn gebe es überall zu kaufen, Sonnencreme dagegen sei nicht so einfach zu bekommen – „und wenn, dann kann die schon auch mal 25 Dollar kosten. Klar, der weiße Tourist braucht sie, der afrikanische Verkäufer nicht, das ist Markt.“ Gleichzeitig will sie Klischeebildern des Kontinents etwas entgegensetzen und Menschen ermutigen, auf eigene Faust durch Afrika zu reisen.

„Es ist kein Reiseführer“, sagt Brandstötter. Das sei in diesem Format nicht möglich, zu groß sei der Kontinent, zu unterschiedlich die Länder und Regionen. Doch es gebe Tipps, wie man sich als Backpacker leichter durchschlagen kann.

 

Südostasien geht leichter

Das beginnt schon bei der Auswahl der Länder – zu Beginn sortiert die Autorin sie nach „leicht“, „mittel“ und „schwer“. Kriterien sind etwa die Sprache, mit der man durchkommt, aber auch, wie leicht es ist, ein Visum zu bekommen, oder, ob es im jeweiligen Land für Reisende beschwerlich oder sogar gefährlich ist. Für den Einstieg rät Brandstötter etwa zu Uganda – das Land sei leicht bereisbar, nicht teuer, es gebe eine gute Infrastruktur und man komme mit Englisch durch. Nach Somalia oder in den Südsudan dagegen würde sie derzeit selbst nicht reisen.

„Entweder“, erzählt sie aus ihrer Erfahrung, „ist man abgestoßen, oder man ist dem Kontinent verfallen.“ Für sie war der Fall klar – sie fühlte sich sofort mit ihm vertraut. Es sei eben etwas anstrengender als etwa in Südostasien, man müsse offener sein, sich durchfragen: „Wir sind gewohnt, dass alles funktioniert. Und wenn nicht, dass sich jemand darum kümmert. Das ist in Afrika eben nicht immer der Fall“ – vor allem, sobald man die größeren Städte verlasse. Aber genau das mache auch den Reiz aus. Und ja, natürlich seien das zum Teil scherenschnittartige Verallgemeinerungen, die von Land zu Land verschieden ausgeprägt sind.

Dass sie so viel und auch lang durch Afrika reisen kann, hat auch mit ihrem Job zu tun. Als Leiterin des Wiener Marketings und Aktionschefin der Neos arbeite sie – etwa rund um Wahlen – zeitweise monatelang durch, auch an Wochenenden, und sei immer erreichbar. Dafür sei es dann aber auch möglich, wenn nicht so viel los ist, Urlaub und Überstunden geblockt abzubauen.

Sie selbst zieht es Mitte Dezember wieder nach Afrika – für fünf Wochen nach Togo, Benin und Ghana. Um ein weiteres Kapitel aufzuschlagen – und auch, um dann noch mehr darüber erzählen zu können. Denn auch das gehört für sie dazu: wahrhaftig zu bleiben, alle Seiten zu beleuchten, auch die weniger schönen – und trotzdem andere für eine Reise nach Afrika zu begeistern. „Dieser wunderbare, vielfältige, aufregende Kontinent“, meint sie, „hat es verdient.“

BUCHTIPP

„Backpacking in Afrika“ von Henrike Brandstötter, Indiekator Verlag; 13,90 Euro

Präsentation: Das Buch wird am Mi., 5. Dezember, 18.30 Uhr im Hold (Josefstädter Straße 50, 1080 Wien) vorgestellt.