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Little Simz: Frauen mit großen Egos

(c) John Phillips
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„Rap Experimental“ nennt Simbiatu Ajikawo vulgo Little Simz, geb. 1994 in London als Tochter nigerianischer Einwanderer, ihren Stil. Am 1. März erscheint ihr drittes Album, „Grey Area“.

Little Simz: „Selfish“. Das wohl klischeehafteste Hip-Hop-Szenario: Eine Frau – keine Bitch! – singt schwärmerisch mit viel Soul in der Stimme, bis der Mann – oft ein Gangsta – hereinplatzt, die Daumen in den Gürtelschlaufen oder in der Luft, und – „Yo!“ – rappend erklärt, wie die raue Welt wirklich ist . . . Diese kleine Doppelconférence von Little Simz mit der Singer/Songwriterin Cleo Sol folgt im Prinzip diesem Muster, mit dem Unterschied, dass sie kein Mann ist und nicht ganz so dick aufträgt. Immerhin: Ihr Sermon endet mit dem straßenweisen Satz „But life isn't fair.“ Davor geht es um ein klassisches Hip-Hop-Thema: Wie egoistisch darf man sein? Schon ziemlich, sagt der ätherische Gesang von Cleo Sol. Mit rauem Organ fährt Little Simz drein. „I got a very big ego“, sagt sie, „need my nigga fresh in a tuxedo.“ Andernfalls: „I impeach you.“ So leicht geht das, die Beats rollen locker, das Klavier perlt lässig, so ist das Leben. 

 

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Christoph Sepin (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4. Weitere Infos auf www.diepresse.com/songderwoche und fm4.ORF.at.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2019)