Der Vorstand, ein Männerzirkel

Frauen. Während der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder weiter absackt, beginnt die Quote im Aufsichtsrat zu greifen – wenn auch zögerlich.

Neun von 186 sind nicht viel. So wenige Frauen (4,8 Prozent) waren zum Stichtag 1. Jänner 2019 im Vorstand börsenotierter heimischer Unternehmen. Vor einem Jahr waren es elf Frauen oder sechs Prozent.

Ein Rückschlag also. Trotz des gesetzlichen Auftrags, im Corporate-Governance-Code Maßnahmen zur Frauenförderung anzugeben, findet sich nur in sieben von 58 börsenotierten Unternehmen – also knapp jedem achten – ein weibliches Vorstandsmitglied.

Die Vienna Insurance Group sticht dabei mit drei Vorständinnen positiv hervor. Hier ist Elisabeth Stadler eine von drei Österreicherinnen im CEO-Rang börsengelisteter Unternehmen. Die anderen sind Herta Stockbauer bei der BKS-Bank und Karin Trimmel beim Kräuterlikörhersteller Gurktaler.

Am höchsten ist der Frauenanteil in der Konsumgüterbranche, wo jedes siebte Vorstandsmitglied weiblich ist. Auf den Rängen zwei und drei folgen die IT- und die Finanzbranche mit jedem neunten bzw. zehnten Vorstandsmitglied. Keine einzige Vorständin gibt es in Automobil-, Energie-, Immobilien-, Rohstoff-, Telekommunikation- und Transportbranche. Zum Vergleich: In Deutschland kletterte der Anteil im selben Zeitraum von 7,3 auf 8,6 Prozent.

Diese und weitere wenig erfreuliche Zahlen finden sich im aktuellen Mixed Leadership Barometer der Unternehmensberatung EY. Ein potenzielles Problem für die heimische Wirtschaft, warnt Helen Pelzmann, Partnerin EY Law und Verantwortliche der „Woman. Fast Forward“-Initiative. Zwar möge es zunächst anstrengender sein, in gemischten, heterogenen Teams zu arbeiten, „aber das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Sichtweisen, Ideen und Fähigkeiten führt zu neuen Lösungen und mehr Innovationskraft – und ist ein wichtiger Faktor für den Unternehmenserfolg.“ Zudem würden Unternehmen ohne Frauen in Führungspositionen für andere Frauen unattraktiver und so den Kampf um die besten Köpfe verlieren.

Schwacher Trost

Besser, wenn auch nicht freiwillig, entwickeln sich Österreichs Aufsichtsräte. Mit 2018 trat eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent in Kraft. Die ist lang nicht erreicht. Von den derzeit 544 Aufsichtsratsmitgliedern börsenotierter Unternehmen sind 126 Frauen. Damit stieg ihr Anteil zum dritten Mal in Folge, von 18,8 Prozent bei Einführung der Quote auf 23,2 Prozent im Jänner. In drei von fünf Unternehmen gibt es mindestens zwei Aufsichtsrätinnen.

Den höchsten Anteil hält hier die Telekommunikationsbranche mit 33 Prozent. In dieser ist allerdings nur ein Unternehmen, die Telekom Austria, an der Wiener Börse gelistet. Knapp dahinter folgen Finanz- und Energiebranche, die es auf einen Anteil von 30 bzw. 28 Prozent bringen. Jedes vierte Unternehmen, nämlich sieben von 25, erfüllt die Quote nicht.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2019)