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Es geht auch ohne Fremdschämen: Die besten Reality-Serien auf Netflix und Amazon

Zwischen dem „Dschungelcamp“ und „Germany's Next Topmodel“ ist Zeit für anspruchsvollere (wenn auch dennoch voyeuristische) Unterhaltung: Mit einem fürsorglichen Rapper, Dragqueens und feigen Starköchen.

Coach Snoop

Der Kiffer-Rapper als Vaterfigur
Zu sehen auf Netflix

Was macht Reality-Shows so beliebt? Vermutlich, dass man in ihnen aus sicherem Abstand beobachten kann, wie (angeblich) echte Menschen mit Extremsituationen umgehen: Sei es häusliches Chaos (das Aufräumfee Marie Kondo in ihrer Sendung gerne behebt), der Geschmack von Kamel-Anus (ein Dschungelcamp ging gerade wieder zu Ende) oder professionelle Erniedrigung („Germany's Next Topmodel“ startet am 7. 2.). Nicht mit Fremdschämpotenzial, dafür mit viel Liebe und unbekümmert ordinärer Sprache lockt „Coach Snoop“: 2005 gründete der wohl auch dank ausgiebigen Marihuana-Konsums dauerentspannte Rapper Snoop Dogg eine Jugend-Footballliga, mit der er Problemkinder von der schiefen Bahn fernhalten will. Die Buben, die in ihm weniger ein Rap-Idol als eine Vaterfigur sehen, finden hier eine Gemeinschaft, Trost, Perspektiven: Etwa J-Roc, der seine tote Mutter am Spielfeldrand jubeln hört, wenn er einen Punkt macht, oder Aaron, dessen Vater in einer Kriminalitätsspirale steckt, in die er seinen Sohn nicht schlittern sehen will. Die Resilienz der Kinder ist erstaunlich. Für Drama sorgen vor allem die ständig fluchenden Betreuer, die es mit ihrer hitzigen Art schon mal schaffen, dass ihr ganzes Team aus dem Flugzeug fliegt. (kanu)

 


Queer Eye

Feelgood-Makeover-Serie
Zu sehen auf Netflix

In „Queer Eye“ rücken fünf schwule Männer aus, um das Leben eines (meistens) Heteros optisch und ganz allgemein zu verbessern. Kleidung und Interieur, Haare und Körperpflege, Essen und Selbstbewusstsein – für jeden Bereich ist einer Experte. Dass damit nicht nur Klischees bedient werden, liegt an der Besetzung: Die „Fab Five“ wühlen sich sympathisch und humorvoll durch Kleiderkästen und Leben anderer und haben keine Scheu davor, ihre eigenen Ängste und Schwächen zu zeigen. Die wichtigste Botschaft der Feelgood-Serie ist die Selbstliebe; wer sich an der Überschwänglichkeit nicht stört, kann damit einen netten Abend verbringen. (rovi)

 

Wer zuletzt kocht . . .

Kulinarische Weltreise
Zu sehen auf Netflix

„The Final Table“ – so der Originaltitel dieser US-Kochshow – ist mehr als ein Wettkampf stolzer Chefköche. Es ist eine kulinarische Weltreise. Auch dass Moderator Andrew Knowlton in einem Nebensatz das Schnitzel versehentlich den Deutschen zuschreibt, kann dem polyglotten Flair der Sendung nichts anhaben. Man erfährt viel über Zutaten, Koch- und Essgewohnheiten der jeweiligen Länder. In Folge eins geht's nach Mexiko, es gibt Tacos mit Seeigel, knusprige Heuschrecken mit Blattgold, jede Menge Nopales (Kakteen) und natürlich Chili-Schoten (nur der Brite traut sich nicht – und landet in der Knock-out-Runde). Faszinierend, welche Kreationen da entstehen – und welche Geschichten die Spitzenköche mitbringen: Etwa eine Karriere vom Arbeitslosen über den Tacobuden-Besitzer zum Sternekoch. Das macht nicht nur Lust aufs Kochen und reisen, es macht auch Mut. Schön anzusehen sind diese vergänglichen Kunstwerke außerdem. (i.w.)

 

RuPaul's Drag Race

Dragqueen-Contest
Zu sehen auf Netflix

Zehn Jahre alt ist die schrille und lustige Suche nach „America's Next Drag Superstar“. Der Namensgeber der Show, RuPaul Andre Charles, lässt auch in der soeben angelaufenen zehnten Staffel extravagante Kandidatinnen auf dem Laufsteg antreten und allerlei Aufgaben erledigen. Eine Parallelwelt mit viel ondulierten Haaren, Tüll, Glitzer und ordentlich Make-up tut sich auf. Spannend, wie sich die Männer in ihre Drag-Persönlichkeiten verwandeln und wie ernst sie den Bewerb nehmen. Unbedingt im Original ansehen. (awa)

 

Unreal

Drama hinter den Kulissen
Zu sehen auf Amazon

Und, wie realistisch ist so eine Reality-Show? Sequin Raze ist Produzentin von „The Bachelor“ – und hat ihre Erfahrungen der Schreiberin und Regisseurin Marti Noxon („Dietland“, „Sharp Objects“) zur Verfügung gestellt, die daraus eine Drama-Serie gemacht hat: Im Mittelpunkt steht Rachel, Producerin einer Single-Show, die ihren Job hasst. Dabei ist sie sehr gut darin: Wenn keiner es schafft, dass die jungen Frauen, die vor den Kameras um einen reichen Erben buhlen, sich telegen anzicken – sie findet einen Weg. Sie streut Falschinformationen. Besorgt mehr Champagner. Oder verwickelt den Kandidaten in intime Gespräche.

Aber manchmal beißt auch sie sich die Zähne aus: Da hat sie nach allen Regeln manipulativer Kunst einer Kandidatin eingeredet, dass sie ihre Konkurrentin zur Rede stellen muss: Diese hätte den Bachelor angeblich oral befriedigt (in der Serie heißt es natürlich anders). Rachel wartet hoffnungsvoll auf einen ordentlichen Cat-Fight auf der Tanzfläche. Doch: Nichts. Statt „Du Bitch“ sagt die Schöne nur: „Du tanzt wunderbar“. Warum? Sie habe es sich anders überlegt. Sie werde als Feministin eine andere Frau doch nicht als Schlampe beschimpfen! Unterhaltsam. (best)

 

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