Hausgeschichte

Neusiedl am See: Eine Kaserne als Wohnschloss

Innenhof der ehemaligen Kaserne.
Innenhof der ehemaligen Kaserne.(c) Stefan Zamisch

Ein historisches Kavalleriegebäude sattelt um: Die ehemalige Berger-Kaserne im Burgenland ist jetzt eine exklusive Wohnanlage – und wurde auch zum Schloss erklärt.

Wo einst k. u. k. Husaren mit ihren Rossen strammstanden, wippen heute rote Spielplatzpferde: Der 4800 m2 große kahle Exerzierplatz der einstigen Berger-Kaserne in Neusiedl am See wurde zur Gartenlandschaft. Am Rand, bei den Arkadenbögen, befinden sich Eigengärten. Dahinter, wo Pferdeställe und Soldatenbetten standen, entstanden 106 Wohnungen (34–141 m2) mit Tischlerküchen, Holzparkett und Raumhöhen ab 3,9 Metern. Steinerne Säulen und Gewölbe, ausladende Rundbögen und Loggien in den Arkadengängen bringen Geschichte in den Wohnalltag.
Nach der militärischen Nutzung stand das unter Kaiser Franz Joseph als Kavalleriekaserne errichtete monumentale Gebäude ab 2006 leer. „Es war ziemlich heruntergekommen“, berichtet Ernst Unterluggauer. Gemeinsam mit seinen Partnern, Djordje Milosevic und Zaid Al Khafaji von U.M.A. Architektur, plante er die Umgestaltung des denkmalgeschützten Bauwerks in eine Wohnhausanlage. Anfang 2019 wurde das Projekt fertig gestellt, etwa ein Drittel der Wohnungen sind bereits vergeben.


Originalgetreu saniert


Der 1853 bis 1856 von Baumeister Jakob Prandtauer errichtete Vierkanter an der Hauptstraße wurde in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt generalsaniert und umgebaut. Die tragende Struktur blieb erhalten, ebenso der Großteil des Dachs mit den Original „Wiener Taschen“ in Doppeldeckung. Neukonstruktionen ging eine gedankliche Zeitreise in die Vergangenheit voraus. „Wir haben uns gefragt: Wie hätte man es damals, Mitte des 19. Jahrhunderts, gemacht?“, erklärt Unterluggauer. Folglich wurden, wie anno dazumal, eigens angemischte Kalkschlämmen mittels Bürstenstrich auf die historischen Bestandsmauern aufgetragen. Außenfenster stellte eine Tischlerei nach historischem Vorbild als Kastenfenster mit Leinölanstrich und Fitschenbändern her. An den Türzargen: Messingnummernschilder.


In den Stiegenhäusern geht man über gesprenkelte Terrazzoböden aus den 1930er-Jahren – mit allen Ecken und Kanten, die ihnen Tausende Soldatenstiefel im Lauf der Jahrzehnte verpasst haben. Wo aus Erschließungsgründen neue Platten verlegt werden mussten, findet sich handgekanteter Kelheimer Naturstein. „Weil man laut Bundesdenkmalamt genau das 1853 verlegt hätte“, sagt Unterluggauer. „Einiges haben wir aber auch mit Bekenntnis zum Neuen gemacht, um die Geschichte des Gebäudes lebendig zu halten.“ So sind neu eingebaute Trennwände mit mineralischer Farbe gespritzt – wer genau hinschaut, erkennt den Unterschied zu den Bestandswänden. Die in die bestehenden Stiegenhäuser eingebauten Aufzüge fahren hinter unverkleideten Stahlbetonwänden. Eine gläserne Variante sei auch zur Diskussion gestanden, „aber Transparenz passte nicht zum mauerwerkslastigen Bestand“, sagt Unterluggauer. Die Erschließung war eine der größten Herausforderungen: Da die einst erschließenden Gänge als Loggien in die Wohneinheiten integriert sind, musste ein Weg in jene Wohnungen im Obergeschoß und im Dachgeschoß gefunden werden, die nicht direkt am Stiegenhaus liegen. Die Lösung: vorgestellte Stahl-Laubengänge.


Eine Kaserne als Schloss?


Finanziert wurde die aufwendige Revitalisierung als IFA-Bauherrenmodell. Als Tochterunternehmen der Soravia Group veranlagt die IFA AG seit über 40 Jahren Mittel von privaten und institutionellen Anlegern, zum Teil in Prime-Immobilien. Die Investition in das Projekt „Schloss Neusiedl“ beträgt 23,5 Mio. Euro. Das „Schloss“-Label für die ehemalige Kaserne sorgt vor allem bei Einheimischen auf den ersten Blick für Verwunderung – ein Marketing-Gag? „Natürlich vermarktet sich ein Schloss besser als eine Kaserne“, weiß Unterluggauer, verweist aber auch auf den historischen Background. „Viele ungarische Husaren waren Adelige, und man hatte mit Jakob Prandtauer einen auf Schlösser spezialisierten Baumeister engagiert, der eine Kaserne mit der Anmutung eines Schlosses errichtete.“

Zum Objekt, zum Ort

Die Berger-Kaserne in Neusiedl am See wurde 1853–56 im klassizistischen Stil erbaut, bis 2006 militärisch genutzt und nach Leerstand umgebaut. 2019 wurden 106 Wohneinheiten fertiggestellt. Neue Eigentumswohnungen kosten im Bezirk Neusiedl am See 1470 bis 2725 Euro/m2, gebrauchte 729 bis 1974,2 Euro/m2.

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