Testessen: Wer auch immer Johann Frank ist

Johann Frank, Neuer Markt 8, 1010 Wien
Johann Frank, Neuer Markt 8, 1010 Wien(c) die Presse (Carolina Frank)

Die Küche des Johann Frank am Neuen Markt ist besser, als in einem solch diffusen und touristischen Lokal zu erwarten wäre. Burger und Steaks gibt es trotzdem.

Wer Johann Frank sei? „Ja, das fragen viele. Ich weiß es leider nicht genau", sagt der Kellner, der an diesem Abend nicht viel zu tun hat. Den Touristen, die es alle schnurstracks ins Obergeschoß an die Bar zieht, wird eher egal sein, wer dieser Mann ist, dessen Konterfei das Logo des Lokals am Neuen Markt ziert. Drei Stockwerke (im ersten Stock die Bar, ebenerdig das Restaurant, im Keller der Club) umfasst das im November eröffnete Hybridgastroprojekt Johann Frank. Davor war hier das Medusa einer slowakischen Betreiberkette zu finden. Der Neue Markt ist derzeit quasi Fußgängersperrgebiet, auch der Donnerbrunnen wurde im Zuge der Riesenbaustelle entfernt; in den kommenden Wochen soll zumindest der Platz für den Schanigarten vor dem Lokal wieder freigegeben werden.

(c) die Presse (Carolina Frank)

Frühstück und Mittagessen strich man inzwischen wieder, geöffnet ist nun ab 17 Uhr. Auf der Speisekarte stehen – wohl dem höheren innerstädtischen Spontanbesucheraufkommen geschuldet – Steaks, Pasta und Burger, aber auch ein paar offensichtlich ambitionierte Gerichte. Für die kleinteilige Vorspeise mit behutsam gebeiztem Lachs, dieser auch als Einlage einer mangoldummantelten Terrine, kann sich das Küchenteam unter Jürgen Ederer dank des mäßigen Andrangs im Restaurantgeschoß ausreichend Zeit nehmen. Dementsprechend sorgfältig und detailreich präsentiert sich der Teller (15  Euro). Auch das Rote-Rüben-Carpaccio, in der einfachen Version ein ewiger Gewinnspannen-Liebling der Gastronomie, gelingt hier interessanter als anderswo: die dünnen Scheiben gekonnt mariniert und exakt aufgefächert, mit Kräuterhummus-Tupfen und einer Krenmousse passend ergänzt (14 Euro). Die Ricotta-Ravioli werden im Rohzustand von der Pasteria in der Servitengasse geliefert und in der Küche des Johann Frank mit Unterstützung von jungem Mangold, Butter und Grana befördert (14 Euro). Auch die knusprig-saftige Hühner-Suprême mit gar nicht derbem Bärlauchrisotto und Ofenparadeisern zeigt, dass hier jemand zu kochen weiß, was man in diesem gastronomisch etwas diffusen Lokal nicht unbedingt erwarten würde, (und sich wohl auch ein etwas anderes Publikum wünscht). Und in Zeiten, in denen selbst die Spitzengastronomie händeringend gutes Servicepersonal sucht, ist das hochprofessionelle und den Gästen zugewandte Auftreten der Kellner noch bemerkenswerter und – siehe voriger Satz – überraschender.

Info

Johann Frank, Neuer Markt 8, 1010 Wien, Tel.: +43/(0)699/11 78 28 60. Täglich ab 17 Uhr,
Küche bis 23, Sa und So bis 24 Uhr. johannfrank.at