Europa

Luuk van Middelaar: „Europa ist eine historische Ausnahme“

Belagerte Demokratie: Die Eurokrise rückte nicht nur das griechische Parlament ins Visier des Volkszorns.
Belagerte Demokratie: Die Eurokrise rückte nicht nur das griechische Parlament ins Visier des Volkszorns.(c) EPA (ORESTIS PANAGIOTOU)

Der Historiker Luuk van Middelaar hat im Kabinett von EU-Ratspräsident Van Rompuy die Krisen der vergangenen zehn Jahre hautnah miterlebt. Sie legten einen Baufehler der EU offen, sagt er im Gespräch mit der „Presse“.

Die Presse: Die EU war ein halbes Jahrhundert lang erfolgreich darin, einen regelbasierten Binnenmarkt und so enormen Wohlstand zu schaffen. Seit zehn Jahren kommt diese „Méthode bruxelloise“ mit großen Krisen nicht mehr zurande: Euro, Brexit, Ukraine, Migration. Wieso?

Luuk van Middelaar: Wir können seit 2008 beobachten, dass sich die Weltordnung, in der sich Europa entwickeln konnte, unter einem Schirm amerikanischen Schutzes und in einem System internationaler Institutionen, aufzulösen beginnt. 2008 war natürlich das Jahr der Bankenkrise, aber auch das Vorspiel zum Krieg in der Ukraine, nämlich mit dem Augustkrieg zwischen Georgien und Russland. Europa ist schon vorher durch viele Krisen gegangen. Aber kaum eine davon erforderte unmittelbare, weitreichende und sehr kontroversielle Entscheidungen. Die Brüsseler Regelfabrik ist nicht dafür gerüstet, mit plötzlichen Änderungen und Krisen zurande zu kommen.

Woran liegt das?