IT-Gehälter

Wer absahnen will, muss wechseln

pexels

Zum Vorjahr hat sich die Vergütung aller IT-Professionen nur parallel zum Kollektivvertrag entwickelt. Ein paar Schlupflöcher gibt es doch. Und eine falsche Hoffnung.

Der Notstand beim Recruiting von IT-Kräften spiegelt sich nicht in deren Vergütung wider. Diese stieg zum Vorjahr nur mit der KV-Anpassung, weiß Alfred Berger, Leiter Compensation & Performance bei Kienbaum. Allerdings: Wer wechselt, kann kräftig absahnen.

Jetzt Hals über Kopf zu kündigen, hält Berger dennoch für keine gute Idee: „Die Frage ist, ob man beim neuen Arbeitgeber das Umfeld findet, in dem man sich wohlfühlt.“ Das ist gerade IT-Fachkräften besonders wichtig. „Stimmt das Team, ist das der beste Klebstoff“, weiß IT-Berater und Azamico-Chef Martin Zamrazil. Stimmt es nicht, genügen schon hundert Euro mehr.

Berger beobachtet, dass nun mehr projektbezogene Prämien bezahlt werden als früher, vorausgesetzt, die Leistungskennzahlen wurden erreicht. Allerdings nur an die Verantwortungsträger, Projektmanager etwa oder Scrum Master. „Ein Coder programmiert so oder so seine paar Hundert Zeilen am Tag. Das wird nicht mit Prämien bedankt.“ Da aber Leistungs- und Zeitdruck schwanken, sollte das auch hier angedacht werden.

Kienbaum

Zwei Trends fallen auf. Erstens, die IT rückt immer näher an die Betriebswirtschaft. Längst hat sie die Support-Ecke verlassen und gilt nun als wesentlicher Teil des Geschäftsmodells. CIO und Leiter des IT-Projektmanagements müssen BWL-Kenntnisse haben.

Scrum macht Stress

Zweitens, dem Scrum Master hängt das Unternehmen oft eine versteckte Agenda um, die er nicht erfüllen kann: Die agilen Prozesse sollen Zeit, Geld und Personal sparen. Irrtum, führt Zamrazil aus: „Scrum verringert nicht die Arbeitslast. Es stimmt etwa nicht, dass die Dokumentation wegfällt. Und es steigt der Kommunikationsaufwand, weil die Leute mehr miteinander reden müssen.“

Berger hat noch ein Argument: „Bei Scrum ist die Deadline unverrückbar. Da staucht sich der Stress am Projektende.“ Für den Zwölf-Stunden-Tag sei nun so mancher dankbar. Beim klassischen Projektmanagement hätte man wohl versucht, die Frist zu verschieben. Berger: „So wie beim Brexit.“


[PDW44]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2019)