Ballett-Skandal für beschuldigte Lehrerin "aufgebauscht"

Archivbild
ArchivbildAPA/DPA/FRISO GENTSCH

"Ich habe sicher Fehler gemacht", sagt jene Lehrerin, die im Zentrum der Vorwürfe gegen die Ballettakademie der Wiener Staatsoper steht. Primär vermutet sie hinter dem Skandal aber „Kämpfe um Posten und Einfluss“.

Eine Lehrerin steht seit zehn Tagen im Zentrum der vom "Falter" aufgedeckten Vorwürfe gegen die Ballettakademie der Wiener Staatsoper. Nun geht die 65-jährige Russin, der von Schülerinnen physische und psychische Übergriffigkeit vorgeworfen wurde, in die Offensive. Im Interview mit dem italienischen Tanzmedium "Giornale della Danza" sieht sie die Causa primär politisch motiviert.

"Die ganze Sache wird aufgebauscht", so die Lehrerin, gegen die die Staatsanwaltschaft neben zwei weiteren Personen diese Woche offiziell ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat: "Ich glaube, dass dahinter Kämpfe um Posten und Einfluss stehen. Das ist etwas Politisches, da geht es ums Geld." Man versuche offensichtlich, unliebsame Beteiligte loszuwerden: "Da werden politische Spielchen gespielt."

"Ich habe sich Fehler gemacht"

Zugleich zeigte sich die mittlerweile von der Staatsoper entlassene Ballettlehrerin auch selbstkritisch: "Ich habe sich Fehler gemacht - das bestreite ich nicht. Mir ging es aber immer um das Ziel. [...] Es stimmt leider, dass ich mich manchmal aufrege, dass ich meinen Schülern viel Disziplin abverlange." So habe sie verlangt, dass diese 15 Minuten früher zur Stunde erschienen und sich aufwärmten. Zugleich stellte sie gewalttätiges Verhalten in Abrede: "Meine Hände setze ich nur dazu ein, um Bewegungen zu demonstrieren."

Sie haben im Zuge der Vorwürfe jedenfalls extrem positive Rückmeldungen von ehemaligen Schülern und Mitarbeitern der Oper bekommen. Aber nur die wenigsten würden sich an die Öffentlichkeit trauen. Sie liebe ihren Beruf: "Eine Tanzlehrerin zu sein bedeutet, dich ganz unserer Profession hinzugeben. Man muss aber auch verstehen, was der Begriff 'Demut' bedeutet - wir sind die Diener des Publikums. [...] Unser Beruf ist eine eigene Welt."

Berichte über Gewalt und Drill

Vergangene Woche waren schwere Vorwürfe gegen die Ballettakademie der Staatsoper laut geworden. So ist die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft bereits seit Monaten im Haus tätig. Die Schüler seien dort teils gedemütigt worden, Gewalt und Drill sowie einem ungesunden Körperbild ausgesetzt gewesen. Die Lehrerin war im Zuge der Vorwürfe bereits von der Staatsoper entlassen worden. Auch der Vorwurf eines sexuellen Übergriffs durch einen Lehrer steht im Raum. Mitte der Woche gab die Staatsanwaltschaft bekannt, gegen die namentlich nicht genannte Lehrein, den Lehrer und eine weitere Kollegin Ermittlungen eingeleitet zu haben.

>> Zum Interview im "Giornale della Danza"

(APA)