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N26: Trotz Kritik wird expandiert

Die von der deutschen Finanzaufsicht kritisierte Bank N26 will in Wien ein Zentrum mit bis zu 300 Mitarbeitern eröffnen. Bislang gibt es zwei Beschwerden von Kunden aus Österreich.

Wien. 83 Prozent der Österreicher nutzen Internet-Vergleichsportale, um einen besonders günstigen Anbieter zu finden. Im Bankenbereich landet die Smartphone-Bank N26 bei solchen Vergleichsportalen meist auf den vorderen Plätzen. Vor allem bei jungen Selbstständigen und Freiberuflern ist N26 beliebt, wie Einträge in entsprechenden Facebook-Gruppen zeigen. Während viele österreichische Großbanken bei Geschäftskonten relativ hohe Gebühren verlangen, bietet N26 auch ein kostenloses Business-Konto an.

Doch mittlerweile häuft sich die Kritik am lange Zeit gefeierten Start-up N26. Die deutsche Aufsichtsbehörde stellte bei einer Sonderprüfung Mängel fest. In der Vorwoche wurde bekannt, dass Kriminelle in Hunderten Fällen Konten bei N26 eröffnet haben, um dort Geld zu waschen.

Die Bank mit Sitz in Berlin wurde von den Österreichern Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gegründet. Beide sind angetreten, um die Finanzbranche zu revolutionieren. Mit einer Bewertung von zuletzt über zwei Milliarden Dollar gehört N26 zu den teuersten Start-ups in Deutschland. N26 ist stark gewachsen und verfügt in 24 europäischen Märkten über 2,5 Millionen Kunden. Der nächste Schritt ist die Gründung eines Technologie- und Innovationszentrums in Wien. „In den nächsten zwölf bis 18 Monaten wollen wir in Wien 100 Mitarbeiter haben“, sagt Stalf zur „Presse“. Mittel- bis langfristig sollen es bis zu 300 Mitarbeiter sein.

 

Gesucht werden IT-Fachkräfte

Wien soll neben Berlin, Barcelona und New York zu den größten Büros von N26 gehören. Gesucht werden Software-Entwickler und IT-Fachkräfte. Trotz Fachkräftemangels ist Stalf überzeugt, geeignetes Personal zu finden. Denn Wien verfüge mit der Technischen Universität über eine gute Ausbildungsstätte. Auch die guten Bewertungen der Lebensqualität in Wien werden laut Stalf dazu führen, dass Mitarbeiter aus dem Ausland nach Wien kommen.

Wie die „Presse“ erfahren hat, sind beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) in Wien bislang zwei Beschwerden zu N26 eingelangt. In einem Fall kam es im Zeitraum vom 5. bis 7. Dezember 2018 zu genau 32 unautorisierten Abbuchungen eines unbekannten Dritten in der Gesamthöhe von über 1000 Euro vom Konto eines Kunden.

Als der Kontoinhaber dies am 7. Dezember bemerkte, meldete er sich bei N26. Er musste dann eineinhalb Stunden im Chat warten – Kontaktaufnahmen per Telefon oder Mail waren nicht möglich. Schließlich musste er 32 Formulare ausfüllen (für jede Abbuchung gab es ein eigenes Formular). Er musste auch eine eidesstattliche Erklärung abgeben und eine Anzeige bei der Polizei erstatten. Trotzdem erfolgte keine zeitnahe Rückerstattung. Im Jänner 2019 meldete er sich beim EVZ in Wien. Nach langem Hin und Her wurde dem Verbraucher der abgebuchte Betrag gutgeschrieben. „Das Problem ist die Kommunikation mit N26. Hier kann es zu langen Wartezeiten kommen“, sagt Maria Semrad vom Europäischen Verbraucherzentrum in Wien.

Weil N26 eine deutsche Bank ist, ist die dortige Finanzaufsicht Bafin zuständig. Wie das „Handelsblatt“ berichtete, hat die Bafin bei N26 weitreichende Mängel festgestellt und Nachbesserungen gefordert. Bei einer Sonderprüfung im Vorjahr habe die Bafin unter anderem Missstände bei der Personalausstattung sowie beim Management von ausgelagerten Aufgaben und bei der Technik kritisiert. Die Behörde habe N26 aufgefordert, die Schwächen schnellstmöglich abzustellen. Andernfalls stehe die Drohung einer Deckelung des Einlagengeschäfts im Raum.

Stalf sagte der „Presse“, er könne aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht auf spezifische Fälle von Kunden eingehen. „Doch zwei Beschwerden beim europäischen Verbraucherzentrum in Wien sind wenig im Vergleich zur Gesamtanzahl unserer Kunden in Österreich“, so Stalf. Wie viele Kunden die Bank in Österreich hat, sagt er nicht. Ihm sei es wichtig, dass die in den vergangenen Wochen aufgetauchten Fälle nicht überbewertet werden. „Wir bearbeiten 50.000 Kundenanfragen pro Woche“, so Stalf. Die Bank habe viel Geld in das Kundenservice investiert. Derzeit dauere es durchschnittlich 30 Sekunden, bis ein Kunde einen Mitarbeiter erreiche.

Kunden aus Österreich bekommen derzeit eine deutsche IBAN. Daher zögern Interessierte mit der Eröffnung eines Kontos. Mittelfristig will N26 auch eine österreichische IBAN anbieten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2019)