Strache spricht von "Bevölkerungsaustausch"

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Hofer (l.) und Strache (Archivbild)APA/ROLAND SCHLAGER

FPÖ-Chef Strache bediente sich in einem Interview rechtsextremen Vokabulars: Der „Bevölkerungsaustausch“ sei „ein Begriff der Realität“. Lob gab es dafür von Identitären-Chef Sellner. Minister Hofer prophezeite indes eine Mehrheit von muslimischen Österreichern.

Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) hat in einem Interview mit der "Kronen-Zeitung" den von den Identitären verwendeten Begriff des "Bevölkerungsaustauschs" gebraucht: Die FPÖ gehe "den Weg für unser Heimatland Österreich, den Kampf gegen den Bevölkerungsaustausch, konsequent weiter, wie es die Menschen von uns auch erwarten", sagte Strache.

Auf den Einwand, dass "Bevölkerungsaustausch" ein Begriff der rechtsextremen Szene sei, entgegnet der FPÖ-Obmann: "Das ist ein Begriff der Realität. Wir wollen nicht zur Minderheit in der eigenen Heimat werden. Das ist legitim, und redlich und zutiefst demokratisch. Nur dort, wo jemand versucht, seine politischen Ziele mit Gewalt durchzusetzen, handelt es sich um Rechtsextremismus, der selbstverständlich in einer Demokratie nichts verloren hat."

Der Begriff bezeichnet eine Verschwörungstheorie und, dass die Bevölkerung Europas durch Zuwanderer ausgetauscht werden soll - auch der Begriff des „Großen Austauschs“ wird diesbezüglich verwendet. Auch der Attentäter von Christchurch verwendete den Terminus - sogar als Titel seines Manifests.

Sellner lobt Strache

Identitären-Chef Martin Sellner sprang Strache am Sonntag mit einem Youtube-Video zur Seite, betitelt „Gegen den Bevölkerungsaustausch! - Strache bleibt Stabil“ (sic). Sellner lobte Straches Wortwahl. Solange die FPÖ noch vom „Bevölkerungsaustausch“ spreche, sei sie keine „Systempartei“, meinte der Chef der rechtsextremen Splittergruppe. „Solange sich die FPÖ nicht distanziert von ihrer Heimat und ihrer indentitären Frage“, sagte Sellner, sehe er keinen Grund, warum etwa eine weitere rechte Partei notwendig werden würde.
Seine Befürchtung sei gewesen, nachdem sich die FPÖ „schon hat vorschreiben lassen von wem sie sich distanzieren muss, was als rechtsextrem zu gelten hat“, dass die Partei sich auch vorschreiben lassen würde, "worüber sie sprechen darf und worüber nicht. Ich hatte schon Angst, dass kein FPÖ-Politiker mehr wagen wird, vom Bevölkerungsaustausch zu sprechen“, meinte Sellner, und „kleine Funktionäre“ deswegen aus der Partei fliegen würden. „Nun spricht nicht ein kleiner Funktionär vom Bevölkerungsaustausch, sondern der Parteichef schlechthin.“

Hofer spricht von künftiger „muslimischer Mehrheit“ in Österreich

Sabine Schatz, SPÖ-Sprecherin für Gedenkkultur, fragte dazu auf Twitter Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), wie viel die Distanzierung der FPÖ von den Identitären wert sei, wenn Strache "im Identitären-Sprech antwortet". SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda erinnerte in einer Aussendung an einen schon bekannten Auftritt des steirischen FPÖ-Abgeordenten Wolfgang Zanger bei einer Kundgebungen der Identitären in Judenburg im Februar 2016.

FPÖ-Regierungskoordinator und Verkehrsminister Norbert Hofer erklärt unterdessen im "Profil" zu den in letzter Zeit in gehäufter Zahl aufgetretenen "Einzelfällen" in der FPÖ: "Wir haben andere Sorgen als Ausrutscher: dass sich Österreich durch übermäßige Zuwanderung zu einem Land mit muslimischer Mehrheit entwickelt.“ In Österreich lebten 2017 700.000 Muslime. Den stärksten Zuwachs hatte die Gruppe der Konfessionslosen.

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