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Harte Frauen: Die besten Sportfilme auf Netflix, Amazon & Co.

Erbaulicher Publikumshit aus Großbritannien: „Kick It Like Beckham“ mit Keira Knightley in einer frühen Rolle.Bend It Films

Zum Start der Fußball-WM: Während Frauensport zunehmend publikumswirksam abgefeiert wird, haben auch Filme die Spannung darin entdeckt. Fünf sehenswerte Partien am Rasen, am Eis und im Ring.

Kick It Like Beckham

Von Gurinder Chadha, 2002
Zu sehen auf Netflix

Die Wertschätzung, die Frauensport entgegengebracht wird, steigt stetig. Auch auf traditionell testosteronschwangeren Gebieten wie dem Fußballfeld wird weibliche Präsenz nicht mehr bloß hingenommen, sondern zusehends öffentlichkeitswirksam abgefeiert. Das Kino hat das emanzipatorische Potenzial, das diesem Paradigmenwechsel innewohnt, schon früh erkannt – und dramaturgisch ausgeschöpft. Frauen, die das runde Leder schupfen, dienten dort zunächst als Symbolfiguren für männliche Selbstüberschätzung – etwa in der schottischen Coming-of-Age-Komödie „Gregory's Girl“ (1980). Dort verdreht eine forsche Mittelstürmerin einem linkischen Teenager den Kopf. Doch bald wechselten mehr und mehr Filme in die Sportlerinnenperspektive. Ein Markstein dieser Entwicklung: Der Publikumshit „Kick It Like Beckham“. Jess (Parminder Nagra) lebt in London und träumt davon, Fußballerin zu werden. Dabei muss sie nicht nur Alltagschauvinismus ausspielen, sondern auch ihre konservative Sikh-Familie, die ihre Tochter schnellstmöglich unter die Haube bringen will. Leichtfüßig und humorvoll dribbelt sich der Film durch allerlei Irrungen und Wirrungen zu einem erbaulichen Finale. Mit dabei: Keira Knightley in einer frühen Rolle.

 

I, Tonya

Von Craig Gillespie, 2017
Zu sehen auf Amazon

Oft gilt die Regel: Je müheloser etwas aussieht, desto mehr Arbeit steckt dahinter. Eiskunstlaufen wäre hierfür ein Extrembeispiel. Der Preis für jede grazile Gegenwende ist jahrelanges Training und knallharter Konkurrenzkampf. Doch die Fassade einer preziösen Körperkunstform will gewahrt sein. Daher war die Öffentlichkeit lange nicht gut auf Tonya Harding zu sprechen – einer talentierten Eisprinzessin aus Portland, Oregon, die mutmaßlich einen Knüppel-Anschlag auf ihre Rivalin Nancy Kerrigan mitverantwortet hat. In der Underdog-Satire „I, Tonya“ setzt ihr die aufstrebende australische Schauspielerin Margot Robbie ein ungebärdiges Denkmal. Auch super: Allison Janney als kettenrauchende Tigermutter.

 

Battle of the Sexes

Von Valerie Faris u. J. Dayton, 2017
Zu sehen auf Sky

Kein Match in der Tennisgeschichte haben so viele Menschen live gesehen wie das zwischen Billie Jean King und Bobby Riggs. 1973 traten der selbsterklärte Chauvinist und die resolute Feministin in einem zum Duell der Geschlechter hochstilisierten Schaukampf gegeneinander an, der bereits in der Vorberichterstattung die groteske Misogynie vieler Männer und das Emanzipationsstreben mancher Frauen in der damaligen US-Gesellschaft zutage treten ließ. Steve Carrell und Emma Stone spielen diese Tennisprofis, die einander bekämpfen und doch voneinander profitieren. Und das zum Nutzen aller, indem sie den Geschlechterkonflikt im performativen und sportlichen Wettkampf miteinander austragen.

 

Dangal

Von Nitesh Tiwari, 2016
Zu sehen auf Netflix

In „Dangal“ wird der strenge Vater zum Helden verklärt, während seine beiden Töchter immer dann auf die schiefe Bahn geraten, wenn sie sich von ihm zu emanzipieren versuchen. Mit dem Ziel, sie zu ruhmreichen Profi-Ringerinnen abzurichten, malträtiert er sie bereits in ihrer Kindheit mit Training bis zur totalen Erschöpfung, schneidet ihnen die Haare ab, verbietet ihnen jede Ablenkung. Dass ihr Leidensweg immer gerechtfertigt scheint, weil Papa nie irrt, wirft die Frage auf, ob man es mit väterlicher Propaganda oder dem satirischen Porträt eines pathologischen Narzissten zu tun hat. Dass man in dem international erfolgreichsten Bollywood-Film aller Zeiten beides sehen kann, macht ihn ausgesprochen sehenswert!

 

Girlfight

Von Karyn Kusama, 2000
Zu sehen auf Amazon

In der Filmgeschichte beschwört das Boxen zuverlässig den Mythos vom amerikanischen Traum herauf: Nicht vom Tellerwäscher zum Millionär verläuft der Aufstieg, sondern vom mittellosen Haudrauf zum gefeierten Profiboxer. Auch „Girlfight“ weicht von diesem seit „Rocky“ etablierten Schema nicht ab – außer dass die Hauptfigur weiblich ist und ihre Erfolgsgeschichte im Rahmen eines intimen Coming-of-Age-Dramas bleibt, statt in Pathos auszuarten. Diana (Michelle Rodriguez in ihrer ersten Hauptrolle) ist eine jugendliche Latina aus einem Armenviertel in Brooklyn. Ihre Gewaltausbrüche kriegt die bärbeißige Einzelgängerin erst in den Griff, als sie im Boxklub ihre Leidenschaft für den konzentrierten Faustkampf entdeckt – es folgen Siege in weiblicher Selbstbehauptung und eine brisante Romanze mit einem Kontrahenten. Regisseurin Karyn Kusama – eine ehemalige Boxerin – verzichtet auf plakative Frauenpower-Posen und verlässt sich stattdessen ganz auf die Präsenz von Rodriguez, die in Auftreten und Gestik abgehärtet, aber nie abgebrüht wirkt. Zugleich erfährt der Boxsport eine soziale Aufwertung: Er ist hier die Voraussetzung für Körperkontakt, Konfliktbewältigung und Emanzipation.

 

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