Viele schaffen Matura erst im Herbst

Es schaffen nun weniger Schüler den Weg bis zur Matura.
Es schaffen nun weniger Schüler den Weg bis zur Matura.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Einführung der Zentralmatura hat interessante Nebeneffekte: Es dürfen weniger Schüler in die Abschlussklasse aufsteigen, und es bestehen weniger im Haupttermin.

Wien. Seit der Einführung der Zentralmatura blicken Schüler, Lehrer und Eltern jedes Jahr gebannt auf die Maturanoten. In der Öffentlichkeit wird über die Zahl der Fünfer, die Durchfallsquote, debattiert. Daran wird der Erfolg gemessen. Das ist, wie sich nun zeigt, zu kurz gegriffen. Die standardisierte Zentralmatura wirkt sich nämlich schon viel früher aus. Es schaffen nun weniger Schüler den Weg bis zur Matura. Andere verschieben die Matura – vom Sommer in den Herbst oder Winter. Das zeigen neue Zahlen der Statistik Austria.

Es scheint, als würden die Lehrer die schwachen Schüler, denen bei der Matura ein Fünfer droht, nun lieber schon früher „aussortieren“. In den Jahren vor der Einführung der Zentralmatura ist die Zahl der Schüler, die nicht berechtigt waren, von der vorletzten Klasse in die Maturaklasse aufzusteigen, kontinuierlich gesunken. Sowohl in den allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) als auch in den berufsbildenden höheren Schulen (BHS).

Mit (beziehungsweise kurz vor) der Einführung der Zentralmatura änderte sich das (siehe Grafik). Seither steigt der Anteil der Schüler, die nicht in die Abschlussklasse aufsteigen dürfen, sie bleiben sitzen oder beenden die Schule. Auch der Prozentsatz jener Schüler, die in der Maturaklasse selbst durchfielen und deshalb nicht zur Reifeprüfung antreten durften, ist merklich gestiegen.

Das könnte sich natürlich auf die Durchfallsquote bei der Matura, auf die alle Augen gerichtet sind, auswirken. Die Zahl der Fünfer könnte dadurch geringer sein. Das lässt sich freilich nicht mit Sicherheit sagen. Überhaupt müssen die Zahlen noch mit Vorsicht genossen werden. „Ob sich bei der Aufstiegsberechtigung vor der Matura eine Trendumkehr abzeichnet oder ob das ein Kurzzeiteffekt ist, werden wir erst in den nächsten Jahren sehen können“, sagt Regina Radinger von der Statistik Austria bei der Präsentation am Dienstag.

 

Auswirkungen an Hochschulen

Die Einführung der Zentralmatura bringt aber auch einen anderen Effekt mit sich. Es bestehen weniger Schüler die Matura im Haupttermin. Statt im Sommer maturieren sie im Herbst oder Winter. Konkret schafften an den AHS früher 86 bis 88 Prozent der Schüler einer Abschlussklasse die komplette Reifeprüfung beim Haupttermin. Bei der Matura im Vorjahr waren es hingegen lediglich 77 Prozent. Die übrigen 23 Prozent der Schüler absolvieren die Reifeprüfung später, also im Herbst oder Winter, oder gar nicht. Die endgültigen Zahlen liegen noch nicht vor.

Viele Schüler scheinen die Matura (oder zumindest Teile davon) ganz bewusst nach hinten zu verschieben. Sie treten entweder in einzelnen Fächern nicht zur schriftlichen oder mündlichen Prüfung an oder geben die vorwissenschaftliche Arbeit, die ebenso Teil der Matura ist, nicht rechtzeitig ab. An den AHS traf das im Vorjahr auf 380 Schüler zu. An den BHS fehlten die Diplomarbeiten von 142 Schülern. Sie können zu den Nebenterminen nachgereicht werden.

Die sinkenden Erfolgsquoten zum Haupttermin der Matura wirken sich auch auf die Universitäten und Fachhochschulen aus. Wer die Matura nicht in der Tasche hat, der kann auch nicht inskribieren. Der Anteil der Personen, die bereits im ersten Semester nach der Matura inskribierten, sank mit der Einführung der Zentralmatura bei Frauen um rund fünf Prozent (sowohl an AHS als auch an BHS) und bei Männern um 2,2 Prozent.

 

Es scheitern mehr Maturanten

Es kommt durch die Einführung der Zentralmatura, die an den AHS im Schuljahr 2014/15 und an den BHS ein Jahr später erfolgte, aber nicht nur zu zeitlichen Verzögerungen. Es schließen auch unter Berücksichtigung der Nebentermine weniger Schüler die Matura positiv ab.

In den Jahren vor der neuen standardisierten Reifeprüfung scheiterten insgesamt rund fünf bis sechs Prozent der Schüler einer AHS-Abschlussklasse an der Matura (an den BHS waren es vier bis fünf Prozent). Nun sind es sieben bis neun Prozent (an den BHS sieben bis acht).

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