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Pflege: Vorbereitungskurse für Migranten in Oberösterreich

Zivildienstleistender mit einer Seniorin in einem Altersheim
Zivildienstleistender mit Seniorin (Archivbild)imago images / wolterfoto
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In Oberösterreich startet eine Pflegeoffensive des Landes - es brauche „Österreicher wie Migranten“, meinen die Landesräte Anschober und Gerstorfer. Der Fokus liegt auf den Deutschkenntnissen.

Mit einer Informations- und Ausbildungsoffensive will das Land Oberösterreich Migranten ermutigen, Ausbildungen in Sozialberufen zu absolvieren. Das kündigten Integrationslandesrat Rudi Anschober (Grüne) und Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer (SPÖ) am Mittwoch in Linz an.

Konkret geht es um die Berufe Heimhelfer, Fachsozialbetreuer Behindertenarbeit und Fachsozialbetreuer Altenarbeit. So Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung fehlen, können diese ab Herbst in speziellen Vorbereitungslehrgängen erworben werden, die zwei Semester dauern. Ein positiver Abschluss dieser Lehrgänge ermöglicht dann eine Aufnahme in die Ausbildungslehrgänge - ohne weitere Aufnahmeprüfung.

Zielgruppe der Offensive sind EU-Bürger, Asylberechtigte, subsidiär Schutzberechtigte, Drittstaatsangehörige und Asylwerber „mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit“, wie Anschober und Gerstofer mitteilten. Getragen wird die Initiative von der Altenpflegeschule des Landes Oberösterreich sowie von der Caritas und der Diakonie.

„Im Interesse unserer Gesellschaft“ 

Damit wolle man einen Gewinn für die Gesellschaft insgesamt schaffen: „Der Fachkräftemangel im Pflegebereich wird immer größer - Oberösterreich sucht dringend Pflegekräfte - Migrantinnen und Migranten suchen einen Job“, erklärte Anschober. In Oberösterreich würden bereits jetzt einzelne Betten in Pflegeeinrichtungen wegen fehlenden Personals nicht belegt werden können, obwohl die Nachfrage bestehe. Der Landesrat meinte, er wolle deshalb „möglichst viele Migrantinnen und Migranten ermutigen, den Schritt in Richtung Ausbildung für diese wichtige Tätigkeit zu überlegen und diesen Weg im Interesse unserer Gesellschaft zu gehen“. Die Tür für die Pflegeausbildung stehe offen, sagte Anschober. „Es braucht Asylwerbende genauso wie Asylberechtigte, es braucht Österreicherinnen und Österreicher genauso wie Migrantinnen und Migranten.“

Bei der Caritas gab man sich ob der Pläne erfreut. „Wir haben in der Vergangenheit leider immer wieder Bewerberinnen und Bewerber für die Ausbildung in Sozialbetreuungsberufen ablehnen müssen, weil ihre Deutschkenntnisse zu gering waren. Das wird sich mit dem neuen Vorbereitungslehrgang ändern“, sagte Heike Wöckinger von der Caritas für Betreuung und Pflege in Oberösterreich bei der Präsentation. Man habe schon in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit Migranten gemacht.

Susanne Kunze, Leiterin der Schule für Sozialbetreuungsberufe Altenarbeit beim Diakoniewerk Oberösterreich, verwies am Mittwoch auf den ohnehin bereits hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund in ihrer Institution. Auch sie teilte die Beobachtung, dass sich dort zunehmend Personen bewerben würden, „welche grundsätzlich für einen Sozialbetreuungsberuf geeignet sind und in der Praxis auch dringend benötigt werden“ - aber wegen mangelhafter Deutschkenntnisse nicht aufgenommen werden könnten. Auch der Dialekt sei eine Herausforderung, sagte Kunze. Deswegen würde man in den Vorbereitungslehrgängen mehr als 140 Deutschstunden abhalten.

2025 werden 1600 Pflegekräfte gesucht

In fünfeinhalb Jahren werden in Oberösterreich 1600 Fachleute in der Altenpflege gebraucht. Das Land startete deshalb eine Pflegeoffensive, um das System abzusichern: So werden beispielsweise alle Ausbildungen in der Altenarbeit ab 2019 kostenlos angeboten, die Kosten werden vom Sozialressort des Landes getragen. 1,6 Millionen Euro hat man dafür budgetiert. Zudem schuf man einen Lehrgang, der einen Ausbildungsbeginn direkt nach der Pflichtschule ermöglicht, sowie Anreizmodelle wie „Ausbildung plus Anstellung“. Die neuen Vorbereitungslehrgänge für Migranten gehören ebenfalls zu dem Paket.

Soziallandesrätin Gerstorfer argumentierte, man wolle mit der Kampagne „ein Maximum an kompetenten und engagierten Frauen und Männern“ ansprechen und sie für einen Pflegeberuf gewinnen. Als Vorbild dafür hatten Gerstorfer und Anschober Ruth Makiese Nzola aus Wels eingeladen, die aus dem Kongo stammt und seit zwei Jahren im Welser Seniorenheim arbeitet. Parallel dazu absolviert Makiese Nzola eine Ausbildung zur Pflegehelferin, die sie im Sommer abschließen werde; die Prüfung habe sie bereits mit Auszeichnung bestanden. Ihre Geschichte „wird ein Vorbild für andere sein und wird den Zusammenhalt in Oberösterreich noch weiter stärken“, erklärte Anschober.

V. l.: Birgit Gerstorfer, Ruth Makiese Nzola, Susanne Kunze, Heike Wöckinger, Rudi Anschober (Aufnahme des Landes)Land OÖ/Denise Stinglmayr