Anspieltipp

Song der Woche: Poppy - „Choke“

Poppy: „Choke“.
Poppy: „Choke“.(c) Beigestellt

Der Sauerstoff geht aus!

Wie maschinell kann, darf Pop werden? Sind wir dem in den 1970er-Jahren von der deutschen Gruppe Kraftwerk postulierten „Wir sind die Roboter“-Ideal nähergekommen? Nicht wirklich. Aber es macht Spaß, damit zu spielen, gerade in Zeiten des Artificial-Intelligence-Geschwätzes. Auch der Frau, die sich Poppy nennt und sehr artifiziell abbilden lässt. Umso gewitzter ist dieser Track, der ein höchst bioorganisches Gefühl behandelt, das man Robotern nicht zutraut: die Angst vor dem Ersticken. „There's liquid in my breathing“, skandiert Poppy, „I think I'm sinking, the oxygen is leaking“. Einmal schreit sie ganz menschlich auf, mit weit offenem Vokal: „Choke!“ Die Maschinen kümmert das nicht, sie rattern und zischen weiter, dazu klimpert ein Klavier. Dann treten ein Engel und ein Dämon auf und stellen Poppy auf die Probe, der Engel gewinnt. Am Ende steht ein Countdown, das Ergebnis bleibt offen, die Schreie werden immer leiser. Erstickt?

Moriah Rose Pereira, geboren 1995 in Massachusetts, gibt Poppy, die Japan-Pop und Cyndi Lauper liebt und nicht über ihr Alter spricht. Bald kommt ihre Graphic Novel „Genesis“.

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Christoph Sepin (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 und 21 Uhr auf FM4. Weitere Infos auf www.diepresse.com/songderwoche und fm4.ORF.at.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2019)