Die Neuen des „Jedermann“

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Tobias Moretti (l.) mit Valery Tscheplanowa und seinem Bruder Gregor Bloéb.(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Im Team vom „Jedermann“ wurde umgerührt: Nicht nur Valery Tscheplanowa steht erstmals vor dem Dom, acht Rollen wurden neu besetzt.

Tobias Moretti hat einen Wunsch: Heuer will er die Premiere des „Jedermann“ auf dem Domplatz spielen – nicht wie in den Jahren zuvor im Großen Festspielhaus. Ob das Wetter mitspielt, wird sich weisen. Aber auch so wird der heurige Sommer spannend für den Schauspieler, der zum dritten Mal in der Inszenierung von Michael Sturminger auf der Bühne steht.

Nach zwei Jahren mit Stefanie Reinsperger an seiner Seite hat er mit Valery Tscheplanowa – im Vorjahr für ihre Rolle des Geists des alten Perserkönigs Dareios bei den „Persern“ auf der Halleiner Pernerinsel gefeiert – eine neue Buhlschaft bekommen. Ein neues Glück, die Beziehung steht wieder am Start.

Routine ist dem Team, das gerade am „Jedermann“ arbeitet, aber ohnehin ein Graus. „Mich begleitet die ständige Angst vor der Wiederholung“, verriet Sturminger. Besonders gut kennen einander Moretti und seine neue Gespielin noch nicht. Bei der Vorstellung des neuen Teams – Sturminger hat acht Rollen neu besetzt – verhaspelte sich Moretti noch und nannte seine Buhlschaft versehentlich Veronika statt Valery. Sie nahm's gelassen und lachte über den Versprecher. Die neue Buhlschaft und ihr Jedermann nähern sich einander gerade an. „Es ist spannend, den beiden zuzusehen, wie sie sich von Tag zu Tag mehr in ein Liebespaar verwandeln“, erzählte Sturminger von den Probenarbeiten.

Einfach nur buhlen

Dass sie nur ein paar Sätze zu sagen hat, stört Valery Tscheplanowa nicht. Sie mag diese knappe Sprache. Schließlich gehe es um sehr private Szenen, die sich da zwischen Jedermann und der Buhlschaft abspielen, emanzipatorische Fragen will sie dabei nicht verhandeln. Sie genieße es, in dieser Rolle einfach nur „buhlen“ zu dürfen. Schließlich habe sie in der letzten Zeit sehr viele ernste Rollen der großen Literatur gespielt.

Drei Tage hat das Team schon im Schüttkasten geprobt. Vor dem Domplatz – wo es nächste Woche hingeht – haben alle großen Respekt. Nicht nur wegen der Hitze, sondern auch deshalb, weil damit Traditionen und Erwartungen verbunden sind. „Wir zerschneiden und zerstückeln das Stück gerade und bauen es neu auf“, beschreibt Tscheplanowa die Probenarbeit. „Wir fangen nicht einfach dort an, wo wir vergangenes Jahr aufgehört haben“, sagt auch Moretti: „Das Faszinierende ist, dass die Inszenierung sich wirklich vertieft.“ Ein Stück müsse sich an jedem Abend weiterentwickeln können, ist Regisseur Sturminger überzeugt. Und: Es sei „ein Blumenstrauß an großartigen Theaterfarben, die da auf die Bühne kommen“, sagt er über die Proben mit dem veränderten Team.

Das heurige Ensemble hat er selbst ausgesucht, es sind Menschen, von denen er sich viel für die jeweiligen Rollen erwartet. Falk Rockstroh – er gehört zum Ensemble des Burgtheaters – interpretiert den Glauben. „Ich habe viel Respekt vor dieser kurzen Aufgabe“, sagte er. Die Rolle sei eigentlich unspielbar. Helmut Mooshammer spielt den armen Nachbarn, Michael Masula den Schuldknecht, Markus Kofler den Koch. Björn Meyer und Tino Hillebrand treten als dicker und dünner Vetter auf.

Die meisten Kollegen kennt Jedermann Moretti von früher, einen besonders lang: Gregor Bloéb, er spielt Teufel und guten Gesell. Die beiden viel beschäftigten Brüder sind ewig nicht gemeinsam auf der Bühne gestanden. Zuletzt in Innsbruck, da war Bloéb 16 Jahre alt. Moretti war damals ein „rostiger Ritter“, er selbst das „blinde Arschloch“, erzählte der Schauspieler.

Es sei eine besondere Intimität zwischen den beiden spürbar, beschreibt Sturminger das Familientreffen. Die beiden gingen auf der Bühne sehr vorsichtig miteinander um. Auch diese besondere Beziehung wird dem Stück auf dem Domplatz neue Impulse geben. „Wohin es geht, wissen wir noch nicht“, so Sturminger über die Weiterentwicklung: „Aber ich bin zuversichtlich, dass wir gut landen.“

AUF EINEN BLICK

Der „Jedermann“ hat heuer im Rahmen der Ouverture spirituelle der Salzburger Festspiele am 20. Juli Premiere. Für die dritte Auflage seiner Inszenierung hat Regisseur Michael Sturminger mehr als die Hälfte des Teams ausgewechselt. Die neue Buhlschaft heißt Valery Tscheplanowa. Neu im Team ist auch Gregor Bloéb, der Bruder von Jedermann Tobias Moretti – als guter Gesell und Teufel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2019)