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Jazz-Musiker bricht Konzert in Wien ab: Arena entschuldigt sich

Kamasi Washington(c) Getty Images (Kevin Winter)
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Der Vater des Jazz-Saxophonisten Kamasi Washington soll von Securities in der Wiener Arena diskriminiert worden sein. Der Künstler brach daraufhin sein Konzert nach einem Lied ab. Die Situation habe sich hochgeschaukelt, hieß es von der Arena.

Das Konzert des Jazz-Saxophonisten Kamasi Washington am Montag nahm ein Ende, bevor es richtig begonnen hatte: Der US-amerikanische Musiker brach die Vorstellung in der Wiener Arena schon nach einem Lied ab - aus Protest gegen einen offenbar rassistischen Vorfall. Sein Vater Rickey Washington soll von einem Security-Mitarbeiter des Veranstalters diskriminiert und zu Boden gestoßen worden sein. Die Arena Wien entschuldigte sich für den Vorfall - und nahm den Security gleichzeitig in Schutz.

„Ein Security-Mitarbeiter hat meinen Vater angegriffen“, sagte Washington zu den Fans gleich zu Beginn des Konzerts. Er schilderte, wie er den Security konfrontiert habe und dieser gelacht habe und gemeint hätte, sein Vater hätte sich schlecht benommen. Washington spielte in der Rede darauf an, dass das Verhalten des Securitys rassistisch motiviert gewesen sei. Danach spielte er das Lied „Truth“ und verließ die Bühne. Sein Drummer Tony Austin hielt seine Rede per Video fest:

Nach der Konzertabsage entschuldigte sich die Arena Wien am Dienstagnachmittag in einem Statement und schilderte die Vorfälle aus ihrer Sicht: Der Vater habe die Halle kurz nach 19 Uhr über den Publikumszugang betreten wollen, wobei ihm der Securitymitarbeiter den Einlass verwehrte, da er keinen Pass, Ausweis oder eine Zutrittsberechtigung vorweisen konnte. "Darauf hat dieser sehr aufbrausend reagiert und den Mitarbeiter an der Tür angeschrien und mit Beschimpfungen a la 'stupid punk ass bitch' betitelt", wie es seitens der Arena heißt. Ein Security könne nicht jeden Musiker und jedes Tourmitglied erkennen, hieß es weiter.  Daher gebe es im Vorfeld angefertigte Berechtigungskarten, die der Vater jedoch nicht habe vorweisen können.

Situation „hochgeschaukelt"

"Die Situation hat sich bedauerlicherweise hochgeschaukelt und beide Parteien sind unnötig laut geworden", so die Arena. Am Ende sei es "zu einem gegenseitigen Anrempeln zwischen Kamasi Washingtons Vater und einem Arena-Security-Mitarbeiter" gekommen. Dabei hält man fest, dass keine Personen geschlagen oder verletzt wurden und niemand gestürzt sei.

In Gesprächen danach habe der Vater gemeint, dass er eine Entschuldigung seitens des Securitys erwarte und dass er bei dieser bereit wäre, den Vorfall abzuhaken. Kamasi Washington habe zudem verlangt, dass der betreffende Security-Mitarbeiter des Geländes verwiesen werden solle. "Es folgte eine Entschuldigung des Security-Mitarbeiters und nach einer kurzen Dienstbesprechung hat der Mitarbeiter das Gelände verlassen", so die Arena. Dennoch brach der Künstler das Konzert nach einem Lied hab.

Zum Thema Rassismus hält die Arena fest: "Struktureller Rassismus ist ein Problem. In unserer auch erst kürzeren Vergangenheit haben wir uns immer gegen Rassismus, Sexismus und Faschismus gestellt", heißt es. Die Arena habe sich einen Ruf als Location erarbeitet, "der als klar antifaschistisch" gelte. "Dennoch sind natürlich auch wir nicht gegen Vorwürfe, mit rassistischen Motiven zu agieren, gefeit." Die Vorfälle seien bedauerlich und würden, vor allem intern, aufgearbeitet werden.

Kosten werden erstattet

Auf der Facebook-Seite des Jazz-Festivals „Nova Jazz & Blues Nights", im Rahmen dessen das Konzert veranstaltet wurde, entschuldigten sich die Veranstalter bei den Fans: „Wie auch immer es zu den erwähnten Vorkommnissen kam, wir stehen für ein friedliches und respektvolles Miteinander“, lautete das Statement. Man wolle auch die Kosten für die Konzertkarten zurückerstatten. Neben der Rückerstattung der Ticketgelder werde die Arena Wien zudem den gesamten Barumsatz des gestrigen Abends an eine wohltätige Organisation spenden. 

Rapper sagte Auftritt im Zillertal ab

Es ist nicht das erste Mal in Österreich, das Künstler gegen rassistische Vorfälle protestieren. So hatte der britische Rapper Stormzy erst im April kurzfristig seinen Auftritt beim Snowbombing Festival in Mayrhofen im Tiroler Zillertal abgesagt. Der Rapper hatte mehreren Security-Mitarbeitern Rassismus und "Racial Profiling" vorgeworfen, weil diese seinen Manager und Freunde nach Waffen durchsucht hatten - laut Stormzys Meinung aufgrund ihrer Hautfarbe.