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Evgeny Kissin rennt Beethoven davon

(c) SF/Marco Borrelli
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KritikFlott, frech, unpersönlich: Ein Parforceritt durch Beethoven-Klavierwerke in Salzburg.

Seit Karajans Tagen gilt Evgeny Kissin als Garant hochkarätiger Pianistik, weniger als raffinierter Programmgestalter. Nun wollte er es im Großen Festspielhaus genau wissen: Alles Beethoven! Im Idealfall hätte das ein längst fälliges Aufmischen der rezenten Beethoven-Szene bedeuten können: zwischen Buchbinders Nonchalance und Barenboims Formschwankungen sollte doch genügend Platz sein. Das goldene Zeitalter von Serkin und Gulda liegt ja bereits sehr weit zurück.

Kissins Parforceritt beschert den jüngeren Beethoven-Sonaten (von 1797 bis 1804) flottes Aussehen, frechen Zuschnitt und unpersönliche Distanz. Gewiss, ein Drahtseilakt folgt auf den anderen, Kraftreserven beeindrucken, Geschwindigkeitsrekorde werden gebrochen. Kissin hat es immer eilig – wem muss er davonrennen? Poesie erjagt er sich damit nicht, der Emotionspegel ist niedrig gehalten.