Schnellauswahl

Galicien: Salzige Sünden auf dem Jakobsweg

Auf den Cíes-Inseln.
Auf den Cíes-Inseln.Katrin Nussmayr

Der nordwestlichste Zipfel Spaniens lässt sich auch ohne Trekkingschuhe und Funktionswäsche erkunden. Hunger sollte man aber mitbringen: Galicien ist ein Meeresfrüchteparadies!

Sie gilt nicht nur als die hässlichste Delikatesse der Welt, sondern auch als eine, die den Menschen gefährliche Strapazen abverlangt: Die Entenmuschel, die eigentlich keine Muschel ist, sondern ein Krebstier, sieht aus wie der knöcherne Finger einer scheußlichen Bestie, mit schwarzer ledriger Haut und spitzen Krallen. Wer ihr salziges, saftiges Fleisch genießen will, riskiert nur, angespritzt zu werden, wenn er sie aufknackt. Wer sie sammelt, riskiert dabei sein Leben: Costa da Morte, Todesküste, heißt der Abschnitt in Galicien, der nordwestlichsten Region Spaniens, wo die Percebes – so heißen die Entenmuscheln hier – wachsen. Auf scharfkantigen Felsen, die vom Atlantik mit gewaltiger Kraft umspült werden und nur bei tiefster Ebbe aus dem Wasser ragen. Dann meißeln die Percebeiros, an Seilen hängend und mit Gischt und Wellen kämpfend, ihre Beute vom Stein. Je wilder das Meer, desto besser gedeihen die Muscheln, lautet eine Grundregel. Immer wieder sterben Percebeiros beim Versuch, die teure Delikatesse – zu Spitzenzeiten, vor allem zu Weihnachten, liegt der Kilopreis im dreistelligen Bereich – zu ernten.