Trump ist „heiß“ auf Grönland

Das arktische Grönland ist die größte Insel der Welt, hat etwa die 26-fache Fläche Österreichs, viele noch unangetastete Ressourcen – und natürlich Eisbären.
Das arktische Grönland ist die größte Insel der Welt, hat etwa die 26-fache Fläche Österreichs, viele noch unangetastete Ressourcen – und natürlich Eisbären.(c) Getty Images/National Geographic (Andy Mann)

Der US-Präsident würde die strategisch wichtige dänische Arktis-Insel angeblich nicht ungern kaufen.

Nuuk/Kopenhagen/Washington. An sich ist es ein in der diplomatischen Staatengeschichte nicht unüblicher Vorgang. Aber was US-Präsident Donald Trump Insidern zufolge bei Gesprächen mit Beratern mehrfach aufs Tapet gebracht haben soll, wirkt angesichts der aktuellen Realität doch recht schräg: Demnach erwog Trump, Dänemark dessen riesige arktische Insel Grönland abzukaufen, um die USA zu vergrößern, schreibt das „Wall Street Journal“.

Die Zeitung räumt zwar ein, dass Trump die Überlegungen „in unterschiedlichen Graden von Ernsthaftigkeit“ getätigt habe. Allerdings hätten einige Zuhörer hinter den Bemerkungen Trumps, der immerhin aus dem Immobiliengeschäft stammt, mehr als nur einen Scherz vermutet. Über genau einen solchen spotten am Freitag dänische Politiker: „Es muss ein Aprilscherz sein“, sagte der frühere Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen. „Wenn er das echt erwägt, ist das der letzte Beweis, dass er verrückt geworden ist“, ätzte der außenpolitische Sprecher der Dänischen Volkspartei, Søren Espersen. Das Königreich werde die weltgrößte Insel (mit rund 2,17 Millionen Quadratkilometern etwa die 26-fache Fläche Österreich) mit ihren nur etwa 55.000 Einwohnern gewiss nicht den USA verkaufen.

 

Große strategische Bedeutung

Auch in Grönland, das nach Jahrhunderten dänischer und norwegischer Vorherrschaft seit 1979 ein autonomer Staat im dänischen Reich ist, zeigt man sich kühl: „Wir sind offen für Geschäfte, aber nicht zu verkaufen“, so Außenministerin Ane Lone Bagger. Aaja Chemnitz Larsen, Abgeordnete der zweitgrößten Partei Inuit Ataqatigiit („Gemeinschaft der Inuit“ bzw. der „Menschen“), meinte, die meisten Grönländer fänden es langfristig besser, eine Beziehung zu Dänemark zu haben als zu den USA.

Das strategische Interesse der USA an der weitgehend vergletscherten Insel ist indes nicht irrational. Nach der deutschen Besetzung Dänemarks 1940 richteten die USA dort Basen ein, in Absprache mit Dänemarks Botschafter in den USA, aber gegen den Protest der dänischen Regierung, die deutschfreundlich zu sein hatte. Der Vertrag wurde nach dem Krieg von Kopenhagen ratifiziert.

1951 entstand vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs der große US-Luftwaffenstützpunkt Thule in Nordgrönland. Schon 1946 wollte Präsident Harry S. Truman (1945–1953) 100 Millionen Dollar für die Insel zahlen. Auch angesichts einer eisfreier werdenden Arktis, jüngsten Avancen Russlands und sogar Chinas dort sowie der Bodenschätze, die unter dem Eis Grönlands lagern dürften, erweist sich dessen Bedeutung.

Für die USA sowie Dänemark waren zwischenstaatliche Gebietsgeschäfte öfters bedeutsam. Der „Louisiana Purchase“ 1803 etwa, als die USA die französische Kolonie Louisiana kauften, ist der bis heute größte Immobiliendeal. Sie umfasste den ganzen Zentralraum der heutigen USA, vom gleichnamigen Bundesstaat bis hinauf nach Montana, war fast so groß wie Grönland und kostete 15 Mio. Dollar; das entsprach nach einer Kaufkraftberechnung für 2018 läppischen ca. 250 Millionen Dollar.

 

Liechtensteins Chance: Alaska!

Nicht schlecht war auch das Geschäft, als die USA 1867 dem klammen Russland 7,2 Millionen Dollar für Alaska gaben. 2018 wurde übrigens offiziell bestätigt, dass Zar Alexander II. es wegen guter persönlicher Beziehungen zuerst dem Fürstenhaus von Liechtenstein unter Johann II. angeboten hatte; dort aber empfand man die Sache als eine Nummer zu groß, sagte Fürst Hans-Adam II. im November.

Dänemark indes hat zahlreiche kleine Kolonialgebiete verkauft, im heutigen Ghana, in Indien und Bangladesch, meist an die Briten. Die USA erwarben 1917 Dänisch-Westindien, eine im Kern seit 1666 bestehende Kolonie in der Karibik östlich von Puerto Rico, die seither als United States Virgin Islands bekannt ist. Preis: 25 Millionen Dollar (entsprach 2018 etwa 490 Mio. $).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2019)