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Trump rächt sich für Grönland-Nein

Donald Trump ist nicht erfreut.
Donald Trump ist nicht erfreut.APA/AFP/NICHOLAS KAMM

Weil Kopenhagen mit dem US-Präsidenten nicht über einen Verkauf der Insel verhandeln will, hat Trump seinen Dänemark-Besuch kurzfristig abgesagt.

Kopenhagen. Die plötzliche Absage seines Besuchs kommunizierte der US-Präsident über sein Lieblingsmedium Twitter. „Dänemark ist ein sehr spezielles Land mit tollen Leuten, aber basierend auf Premierministerin Mette Frederiksens Kommentaren, denen zufolge sie kein Interesse daran hat, den Grönland-Verkauf zu diskutieren, verschiebe ich unser Treffen in zwei Wochen auf einen anderen Zeitpunkt“, schrieb Donald Trump. Er sei froh darüber, dass man sich viel Geld und Zeit für den Besuch erspare, setzte er hinzu.

Dänische Außenpolitik-Experten sprachen am Mittwoch von einer noch nie dagewesenen diplomatischen Krise zwischen den beiden befreundeten Ländern. Regierungschefin Frederiksen sagte, sie habe die Nachricht „mit Bedauern und Überraschung“ aufgenommen, es gebe jedoch keine Krise zwischen Dänemark und den USA. Die sozialdemokratische Ex-Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt erklärte: „Soll das ein Witz sein? Das ist zutiefst beleidigend für die Menschen in Grönland und in Dänemark.“

Eigentlich hätte Trump vom 2. bis 3. September Dänemark besuchen sollen. Doch der Ärger über die Grönland-Abfuhr nahm der US-Präsident dem skandinavischen Nato-Land offenbar doch übler als erwartet. In der Tat witzelt derzeit ganz Dänemark – zu dem auch Grönland zählt – über Trumps „großes Immobiliengeschäft“, wie der Ex-Baumagnat den Kaufwunsch beschrieben hatte.

 

„Kein Trump-Tower“

Zunächst schien Trump die Unkenrufe, von denen viele auch aus den USA selbst kamen, nicht ernst zu nehmen. Der Grönland-Kauf habe nicht oberste Priorität, versuchte er zu beschwichtigen. Auch einen Trump Tower werde er Grönland nicht zumuten. Doch laut dem öffentlich-rechtlichen dänischen Rundfunks DR wurden ihm die Kommentare dänischer Spitzenpolitiker, die daraus freilich auch bequem innenpolitisches Kapital schlugen, dann doch zu viel für einen unmittelbaren Besuch.

Entweder sei es Trump doch ernster mit Grönland gewesen als erwartet oder er habe schlicht einen Wutanfall gehabt, meinten dänische Kommentatoren. Auch neige er dazu, mit solch oberflächlichen Aktionen von innenpolitischen Problemen abzulenken.

Nachdem der Kaufwunsch bekannt geworden war, hatte Frederiksen gesagt, sie hoffe „inständig“, dass Trump das „nicht ernst gemeint“ habe. „Die Zeiten, in denen man andere Länder kauft, sind glücklicherweise vorbei“, sagte sie bei einem Grönland-Besuch am Wochenende. Ex-Premier Lars Lökke Rasmussen sprach von einem „verspäteten Aprilscherz“.

Grönland gehört zwar zu Dänemark und ist von Kopenhagen auch finanziell abhängig, es hat 2009 aber eine Teilunabhängigkeit erlangt, mit der die Grönländer selbst über ihre Bodenschätze verfügen dürfen. Auch der Vorsitzende von Grönlands Autonomierat, Kim Kierlsen, äußerte sich: „Grönland steht nicht zum Verkauf“, sagte er. „Aber Grönland ist offen für die Zusammenarbeit mit anderen Ländern, inklusive den USA.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2019)