Brände in Brasilien: Macron ruft "Krise" aus – Brasilien wittert "Kolonialismus"

Die Feuer im Amazonas-Gebiet aus der Luft.NASA/NOAA via REUTERS

Der französische Präsident will die beispiellosen Brände zum Thema beim G7-Gipfel machen. Brasiliens Präsident Bolsonaro kritisiert den Schritt als Einmischung in innere Angelegenheiten. Auch Präsident Alexander van der Bellen warnt vor den Bränden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will die massiven Waldbrände in der Amazonasregion auf die Agenda des G-7-Gipfels in Biarritz setzen. "Unser Haus brennt. Wortwörtlich", schrieb Macron am Donnerstagabend auf Twitter zu einem Foto des brennenden Regenwalds. Die Brände stellten eine internationale Krise dar, so Macron. Er rief die Regierungschefs der sieben großen Industrienationen auf, "diesen Notfall" als ersten Punkt beim Gipfeltreffen ab Samstag zu besprechen.

Brasiliens Staatsführung reagierte scharf auf die Reaktionen aus dem Ausland: "Die brasilianische Regierung ist weiterhin offen für einen Dialog, der auf objektiven Daten und gegenseitigem Respekt beruht", schrieb Präsident Jair Bolsonaro am Donnerstag auf Twitter. "Der Vorschlag des französischen Präsidenten, die Probleme des Amazonas auf dem G-7-Gipfel zu diskutieren, ohne die Länder der Region zu beteiligen, lässt aber auf eine kolonialistische Denkweise schließen", wetterte Bolsonaro.

"Ich bedaure, dass Präsident Macron versucht, eine interne Angelegenheit Brasiliens und anderer Länder der Amazonasregion zum eigenen politischen Vorteil zu instrumentalisieren", schrieb Bolsonaro weiter. "Der sensationsgierige Ton, mit dem er sich auf den Amazonas bezieht, löst das Problem nicht."

Auch UNO besorgt über Lage in Brasilien

Zudem warf er Macron vor, für seinen Tweet ein falsches Bild verwendet zu haben. Tatsächlich zeigt das Foto nicht die aktuellen Brände und ist schon Jahre alt. Es stammt vom US-Fotografen Loren McIntyre, der bereits 2003 starb. In einem Facebook-Live-Video sagte Bolsonaro, dass jene Länder, die für die Erhaltung des Regenwaldes spendeten, das nicht aus "Wohltätigkeit" tun würden, sondern um in die Souveränität Brasiliens einzugreifen.

Auch die Vereinten Nationen betonten die Bedeutung intakter Wälder. "Der Erhalt des Waldes ist für unseren Kampf gegen den Klimawandel von entscheidender Bedeutung", sagte der Sprecher von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres, Stephane Dujarric. Die Vereinten Nationen seien besorgt über die Lage in dem Gebiet und die bereits verursachten Schäden.

Zusätzlich rief die Zerstörung auch internationale Superstars auf den Plan. Prominente wie Madonna und Leonardo DiCaprio rufen in sozialen Netzwerken und mit Hashtags wie #prayforamazonia oder #amazonfires Politiker weltweit auf, Maßnahmen zu setzen. Auch Präsident Alexander van der Bellen äußerte sich auf Twitter:

Bauern könnten für Brände verantwortlich sein

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Jänner nahmen die Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu, wie die Zeitung "Folha de S. Paulo" berichtete. Insgesamt wurden demnach 72.843 Brände registriert. In den meisten Fällen waren Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in Naturschutzgebieten und indigenen Ländereien brechen immer wieder Feuer aus.

Präsident Bolsonaro hatte zuletzt nahe gelegt, Umweltschützer hätten die Brände gelegt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und seine Regierung in ein schlechtes Licht zu rücken. "Jeder" könne hinter den Waldbränden stecken, "aber die Hauptverdächtigen kommen von den NGOs", setzte der Präsident hinzu. Naturschützer hingegen gehen davon aus, dass Farmer mit den Feuern neue Weideflächen erschließen. Sie könnten sich von Bolsonaro ermutigt fühlen, der sich für den Regenwald vor allem wegen dessen ungenutzten wirtschaftlichen Potenzials interessiert.

In diese Richtung ermittelt nun auch die Justiz: Im Bundesstaat Pará solle geprüft werden, warum der von Bauern angekündigte "Tag des Feuers" vor einer Woche nicht verhindert wurde, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Medienberichten zufolge hatten Farmer im Südwesten von Pará zuletzt in einer koordinierten Aktion große Flächen entlang einer Landstraße in Brand gesteckt, um Platz für neue Weideflächen zu schaffen.

Die Staatsanwaltschaft will die Verantwortlichen zur Verantwortung ziehen. "Für die Bundesstaatsanwaltschaft ist die Bekämpfung der illegalen Entwaldung Staatsräson und keine spezifische Regierungspolitik", hieß es in der Mitteilung der Ermittler. "Der Kampf gegen Abholzung und Brandrodung ist keine Handlungsoption der öffentlichen Hand. Es ist ihre Pflicht."