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Es brennt nicht nur der Regenwald

In den Savannen vieler afikanischer Länder (hier ein Bild aus Kenia aus dem Jahr 2014) sind Brände in regelmäßigen Abständen Teil des Lebenszyklus' der Natur - wenn auch nicht ungefährlich für die Menschen, die das Land nutzen und bewohnen.
In den Savannen vieler afikanischer Länder (hier ein Bild aus Kenia aus dem Jahr 2014) sind Brände in regelmäßigen Abständen Teil des Lebenszyklus' der Natur - wenn auch nicht ungefährlich für die Menschen, die das Land nutzen und bewohnen.(c) imago/blickwinkel (imago stock&people)
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Während die Waldbrände im Regenwald eine Katastrophe in mehrerlei Hinsicht darstellen, haben die Brände in den Savannen Afrikas eine wichtige Aufgabe.

Die Bilder des Nasa-Satelliten FIRMS (Fire Information für Resource Managemens System) zeigen deutlich: Es brennt nicht nur im Amazonas-Regenwald. Jeder rote Punkt auf dem Satellitenbild stellt ein Feuer dar. Die Darstellung ist insofern allerdings leicht verfälscht, weil etwa nicht ganz Mosambik und Malawi in Brand stehen. Dieser Eindruck entsteht durch das Herauszoomen aus dem Bild. Doch die Branddichte in den Savannenlandschaften südlich der Sahara ist besonders hoch.

Warum wird also über den Regenwald-Brand derart Wirbel gemacht, während über die Buschbrände in Afrika kaum jemand spricht? Die Antwort ist einfach: In den Savannen sind die Brände ein Teil des Lebenszyklus' der Natur und lebenswichtig für viele Organismen. Die Sorge ist hier eher, dass die Brände immer mehr vom Menschen gestoppt werden.

Ein Punkt, ein Feuer - auch wenn die Darstellung durch den Zoom etwas verzerrt ist. Es brennt nicht flächendeckend in südlichen Afrika..
Ein Punkt, ein Feuer - auch wenn die Darstellung durch den Zoom etwas verzerrt ist. Es brennt nicht überall in südlichen Afrika..(c) Nasa/FIRMS/Screenshot

In den Graslandschaften ist es derart trocken, dass abgestorbene Pflanzen kaum verrotten. Sie vertrocknen und bedecken den Boden - und hindern so neue Gräser und Buschwerk daran, zu wachsen. Da kommen die Feuer ins Spiel. Alle verdorrten Pflanzen werden so beseitigt, es entsteht Asche, die dem Boden wieder wichtige Nährstoffe zuführt. Die Natur kann sich so regelmäßig erneuern. Nach wenigen Monaten ist das System wieder im Gleichgewicht. Gras und Buschland ist rasch nachgewachsen - im Gegensatz zu Wald.

Gras wächst schneller als Bäume

Denn der Regenwald benötigt mindestens hundert Jahre, um wieder so auszusehen wie vor einem Brand. Was außerdem einen Unterschied aus Umweltschutzsicht macht: Im Grasland ist viel weniger CO2 gespeichert als im Wald. Das bedeutet: Brände verursachen in der Savanne von Afrika weniger Luftverschmutzung und es geht nicht derart viel CO2-Speicherkapazität verloren wie bei einem Waldbrand.

So sind die Brände im südlichen Afrika Teil eines natürlichen Kreislaufs, der allerdings immer mehr in Gefahr gerät. Ein Studie der University of Califonira in Irvine (UCI) aus dem Jahr 2017 zeigt: „Die Menschen unterbrechen den uralten natürlichen Zyklus von Bränden und Erholungsphasen in diesen Gebieten“. Es gebe außerdem weniger Bemühungen diese Graslandschaften und deren Feuerkreislauf zu erhalten, schreibt der „Spiegel“.

Mit Sorge sieht der südafrikanische Wissenschaftler Harold Annegarneine neue Entwicklung in Teilen Nigerias oder des Kongos, bei der für die Jagd ganze Wälder in Brand gesteckt werden, um dann das fliehende Wild auf einfache Weise zu erlegen. Auch die Brandrodung für Landwirtschaftszwecke sei ein zunehmendes Problem - wenn auch bei weitem nicht so ausgeprägt wie etwa in Brasilien, wo der kommerzielle Druck durch die Rinderzucht höher ist.

Am Dienstag hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace Maßnahmen zum Schutz der von Bränden bedrohten Wälder im Kongobecken gefordert. Langfristig müsse jegliche industrielle Aktivität in dem Regenwaldgebiet eingestellt werden, erklärte Greenpeace. Die Wälder, die sich über die Demokratische Republik Kongo sowie Teile Gabuns, der Republik Kongo, Kameruns und Angolas erstrecken, gelten als zweitwichtigste "grüne Lunge" der Erde nach den Regenwäldern am Amazonas.

>> Kommentar: Die Welt hat nicht nur eine „Lunge"

Militär kämpft gegen Feuer: „Nicht außer Kontrolle"

Die verheerenden Waldbrände in Brasilien sind nach Einschätzung des Militärs jedenfalls noch nicht außer Kontrolle geraten. "Ist es schwer? Ja, aber es ist nicht außer Kontrolle geraten", sagte Verteidigungsminister Fernando Azevedo am Montagabend (Ortszeit) nach einem Treffen mit Präsident Jair Bolsonaro und Kabinettskollegen.

Die Regierung habe schnell reagiert und die Brände in der betroffenen Region gingen bereits zurück. Am Dienstag wollte sich Bolsonaro mit den Gouverneuren der neun Bundesstaaten des Amazonasgebiets treffen und über das weitere Vorgehen beraten.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Viele Feuer wurden offenbar von Bauern auf abgeholzten Flächen gelegt, um neue Weideflächen zu schaffen. Weil es derzeit sehr trocken ist, greifen die Brände auch auf noch intakte Waldgebiete über. Zuletzt hatte Bolsonaro per Dekret genehmigt, dass die Streitkräfte bei den Löscharbeiten helfen und Brandstifter verfolgen. Eine Finanzhilfe der G7-Staaten lehnte er vehement ab.

>> Die Feuerkarte der Nasa

>> Der Artikel über Grasfeuer im „Spiegel Online"

(Red./Ag.)