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Kosovos Traum von der ersten EM-Teilnahme

Politikum, Sensation oder bloß Fußball? Jetzt will der Außenseiter England ärgern.

Priština. Der Kosovo zählt nicht einmal zwei Millionen Einwohner. Der Balkanstaat ist erst 2016 Mitglied bei Fifa und UEFA – und träumt schon jetzt vom ersten Großereignis. Denn das Team ist in der EM-Qualifikation kaum zu schlagen: 1:1 in Montenegro, 3:2 in Bulgarien und 2:1 gegen Tschechien.

Seit 15 Länderspielen sind die Kosovaren ungeschlagen. Und vor dem Spitzenspiel der Gruppe A am Dienstag gegen England ist Kosovo Tabellenzweiter. Doch die Geschichte dieser Mannschaft ist weit mehr als nur die eines sportlichen Außenseiters wie Lettland (2004) oder Albanien (2016), die es schon einmal überraschend zur EM-Endrunde geschafft haben. Die Kosovaren bestechen mit ihrem Willen. Der Schweizer Trainer, Bernard Challandes, setzt alles Glück auf die bedingungslose Offensive. „Nur verteidigen, das können wir nicht. Das entspricht nicht meinem Naturell.“

Die seit 2008 unabhängige Republik wird bis heute nicht von allen Mitgliedern der Vereinten Nationen anerkannt. Auf dem Spielfeld aber sind der Ex-Salzburger Berisha, der Ex-Rapidler Nuhiu, Muriqi (Fenerbahçe) oder Vojvoda (Lüttich) nicht aufzuhalten. Eine EM-Teilnahme würde dem Kosovo viel Aufmerksamkeit bescheren. Ob das auch für ein politisches Hoch sorgt? (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2019)