54.000 Euro pro Kopf: Österreicher sind reicher geworden

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Global ist das Vermögen in Industrie- und Schwellenländern laut dem Allianz-Vermögensreport im Vorjahr erstmals leicht gefallen. Das ist dem Handelskonflikt, globalen Spannungen, dem Brexit-Chaos und der Geldpolitik der Notenbanken geschuldet , die alle den Börsen zusetzen.

Die Börsen – und damit die Anleger durchleben seit vielen Monaten ein Stahlbad: Auf der einen Seite stehen der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und China, das Brexit-Chaos und geopolitische Spannungen, auf der anderen Seite verschärfen sich die monetären Bedingungen und die Notenbanken lockern – nach der noch Ende des Vorjahres angekündigten Straffung – wieder die Geldpolitik. Das ging und geht an den Finanzmärkten nicht spurlos vorbei. Global gaben die Aktienkurse 2018 um etwa zwölf Prozent nach.

Diese Entwicklung schlug direkt auf die globale Vermögensentwicklung durch: Die Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte in Industrie- und Schwellenländern gingen um 0,1 Prozent zurück und stagnierten bei 172,5 Billionen Euro. Das ist laut dem Vermögensreport der Allianz eine traurige Premiere: Einen Rückgang gab es nicht einmal am Höhepunkt der Finanzkrise 2008.

„Die zunehmende Unsicherheit fordert ihren Tribut“, sagt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz: „Die Demontage der regel-basierten globalen Ordnung ist Gift für den Vermögensaufbau. In den Zahlen zur Vermögensentwicklung zeigt sich dabei deutlich: Handel ist kein Nullsummenspiel. Entweder gewinnen alle oder es verlieren alle wie im letzten Jahr. Ein aggressiver Protektionismus kennt keine Gewinner.“

Österreich koppelt sich ab

In den Schwellenländern sind die Brutto-Geldvermögen erstmals zurückgegangen und der Rückgang fiel mit -0,4 Prozent stärker aus als in den Industrieländern (-0,1 Prozent). Maßgeblich dazu beigetragen hat die schwache Entwicklung in China, wo die Vermögen um 3,4 Prozent fielen. Im Durchschnitt der letzten 20 Jahre lag der Wachstumsvorsprung der Schwellenländer bei 11,2 Prozentpunkten.

Der Allianz Global Wealth Report, der alljährlich Geldvermögen und Verschuldung der privaten Haushalte in über 50 Ländern analysiert, enthält auch eine gute Nachricht: In Österreich legte das Brutto-Geldvermögen der Haushalte entgegen dem weltweiten Trend um ein Prozent zu. Das sei zwar das schwächste Wachstum der letzten sieben Jahre, aber die Österreicher zählten immerhin zu den wenigen Europäern, die überhaupt einen Zuwachs erzielen konnten, erklärt Martin Bruckner, Chief Investment Officer der Allianz in Österreich.

Das Wachstum rührt allein von den Bankeinlagen, die mit 4,9 Prozent nicht nur kräftig stiegen, sondern auch knapp 90 Prozent aller frischen Anlagegelder anzogen. Damit wurden die Österreicher ihrem Ruf als ultra-vorsichtige Anleger erneut gerecht. Wertpapiere wie Aktien und Investmentfonds sowie Versicherungen und Pensionen fielen um 2,7 Prozent bzw. 0,9 Prozent.

Starker Dollar hilft Amerikanern

Die privaten Verbindlichkeiten stiegen mit drei Prozent wieder etwas stärker als 2017 (1,8 Prozent). Von einem Kreditboom ist Österreich dennoch so weit entfernt wie eh und je, heißt es in der Allianz-Studie: Mit 50,5 Prozent lag die Schuldenstandsquote so niedrig wie seit 15 Jahren nicht mehr. In Westeuropa sind nur die Iren disziplinierter, der westeuropäische Durchschnitt lag Ende 2018 bei 74,1 Prozent.
Netto erhöhte sich das Geldvermögen in Österreich 2018 minimal um 0,3 Prozent, was weit unter dem Durchschnitt der letzten sieben Jahre (3,8 Prozent) liegt. Mit einem Netto-Geldvermögen pro Kopf von 53.980 Euro belegt Österreich in der Rangliste der 20 reichsten Länder unverändert den 16. Platz, und liegt zwei Ränge vor Deutschland. Österreich gehört damit - neben den Niederlanden - zu den wenigen Euroländern, die ihre Position seit der Jahrtausendwende leicht verbessern konnten. Kräftig abgerutscht sind seit damals Italien (-zehn Plätze), Großbritannien (-sieben Plätze) oder Frankreich (-fünf Plätze), während Singapur (+13 Plätze) und Taiwan (+zehn Plätze) sowie Schweden (+ sechs Plätze), Australien (+fünf Plätze) und Südkorea (+ fünf Plätze) zu den großen Gewinnern der letzten beiden Jahrzehnte zählen. An der Spitze des Rankings haben die USA die Schweiz wieder abgelöst, nicht zuletzt dank des starken Dollars.

Paradoxes Sparverhalten

Die weltweiten Mittelzuflüsse stiegen um 22 Prozent auf einen neuen Rekordwert von über 2,7 Billionen Euro. Dafür zeichnete allerdings allein die Entwicklung in den USA verantwortlich: Dank der Steuerreform konnten die US-Haushalte ihre Sparanstrengungen um 46 Prozent steigern; damit entfallen etwa zwei Drittel aller Ersparnisse in den Industrieländern auf die Vereinigten Staaten. Die Analyse der Mittelzuflüsse 2018 offenbart eine weitere Besonderheit: Die Sparer wenden sich von der Vermögensklasse Versicherungen und Pensionen ab, auf diese entfielen nur noch 25 Prozent der frischen Spargelder. Die Präferenz für liquide und vermeintlich sichere Bankeinlagen kommt die Haushalte aber teuer zu stehen: Allein im letzten Jahr dürften sich die Vermögensverluste durch Inflation auf annähernd 600 Mrd. Euro summiert haben.

„Es herrscht ein paradoxes Sparverhalten", betont Martin Bruckner. Viele sparen mehr, weil sie einen längeren und aktiveren Lebensabend erwarten. Gleichzeitig aber lassen sie die Produkte, die eine wirksame Absicherung im Alter versprechen, wie etwa Lebensversicherungen, links liegen. Offensichtlich würde der Niedrigzins die Bereitschaft zu langfristig orientiertem Sparen weiter untergraben. Dabei brauche die Weltwirtschaft nichts dringender als Langfristsparer und -investoren, um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen, so Bruckner.

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