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Bitcoin schafft es ins Finanz-Establishment

Für die Kryptowährung Bitcoin beginnt eine neue Ära.
Für die Kryptowährung Bitcoin beginnt eine neue Ära.REUTERS
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New Yorker Börsenbetreiber ICE gibt Bitcoin-Futures aus. Bitcoin könnte zur etablierten Anlage werden.

New York/Wien. Für die Kryptowährung Bitcoin beginnt eine neue Ära. Nach einer turbulenten Geschichte von zehn Jahren, wird die digitale Währung erstmals über einen staatlich regulierten Markt verkauft und gekauft. Schafft es der Währungsfrischling mit einem noch etwas anrüchigen Ruf damit in die Portfolios etablierter Investoren?

Das Interesse ist zumindest da. Am Montag startete die ICE (Intercontinental Exchange), der Börsenbetreiber hinter der New Yorker Börse, den Handel mit Terminkontrakten (Future Contracts) auf Bitcoins. Bisher wurde die digitale Währung vor allem für anonyme Bezahlungen im Internet geschätzt. Nun haben konservative Anleger, die Möglichkeit in Bitcoin zu investieren und der Blockchain-Währung einen ernsthaften Charakter zu verleihen.

 

ICE besichert mit Tokens

Der Wandel zur Zentralisierung und Schaffung einer skalierbaren Infrastruktur für Investitionen in Kryptoanlagen sei ein guter Schritt, sagte James Putra, Leiter der Produktstrategie bei TradeStation Crypto. Die ICE besichert ihre Kontrakte mit „physischen“ Bitcoins. Daher könne ein Investor potenziell zuerst vom Anstieg des Futures-Preises profitieren und dann die Tokens in Besitz nehmen, sagt er.

 

Kurs stieg um 177 Prozent

Unattraktiv ist das Geschäft nicht. Heuer stieg der Bitcoin-Kurs um 177 Prozent und damit stärker als jede andere Vermögensanlage weltweit. Schon der Start der bar abgerechneten Futures an der CME, der größten Terminbörse der Welt, im Dezember 2017 hatte den Bitcoin-Kurs beflügelt. Dieser stieg um neun Prozent auf sein damaliges Rekordhoch von 19.511 Dollar. Allerdings schwankt der Bitcoin-Kurs heftig. Derzeit ist ein Bitcoin etwa 10.000 Dollar wert. Ganz ohne Hindernisse konnte die ICE ihr Vorhaben nicht durchsetzen. Der Börsenbetreiber sah sich mit einer monatelangen Verzögerung konfrontiert. Eigentlich hätten die Bitcoin-Futures schon 2018 starten sollen.

Doch die „Commodity Futures Trading Commission“ kritisierte die Aufbewahrung von Kunden-Token, um sie vor Diebstahl und Manipulation zu schützen. Die unabhängige US-Behörde reguliert die Futures- und Optionsmärkte. Daher besorgte sich die ICE bei der New Yorker Finanzbehörde eine Lizenz, die es seiner Depotbank Bakkt erlaubt, Kunden-Tokens zu halten. Damit konnten sich Benutzer schon seit Beginn des Monats vertraut machen und die Funktionsweise testen.

Der Hauptkonkurrent der ICE für Bitcoin-Futures werden die Kontrakte der CME sein.

 

Optionen auf Futures kommen

Im kommenden Jahr will die CME den Handel mit Optionen auf ihre Bitcoin-Futures-Kontrakte starten, wenn die Aufsichtsbehörden grünes Licht geben. Wann der Handel mit Bitcoin-Futures für Privatkunden möglich sein wird, bleibt offen. Auch die Nutzung von Bitcoin im Einzelhandel hat sich bisher noch nicht durchgesetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2019)