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Großinsolvenz

Thomas Cook Austria geht in Konkurs

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Eine Sanierung der Österreich-Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook ist nicht möglich. Von der Pleite sind bis zu 15.000 Gläubiger betroffen. Rund 350 heimische Spitzenhotels bangen um Wintergäste.

Der drittgrößte heimische Reiseveranstalter Thomas Cook Austria AG hat Mittwochnachmittag beim Handelsgericht Wien Insolvenz beantragt. Eine Sanierung scheint unmöglich. Masseverwalter Günther Hödl empfiehlt betroffenen Pauschalreisenden, sich unbedingt an den Abwickler AWP P&C S.A zu wenden. Denn im Konkursverfahren werde es am Ende womöglich keine Quote geben und Reisende könnten mit einer Anmeldung draufzahlen.

Das Unternehmen hat inzwischen alle Reisen bis inklusive 4. Oktober abgesagt, die Zeit danach legt es in die Hände des Masseverwalters, der dazu noch keine Stellungnahme abgegeben hat.

"Aufgrund der Pauschalreiseverordnung sind zumindest die geschädigten Pauschalreisenden abgesichert", sagt Hödl, der schon mehrmals Reiseveranstalter abgewickelt hat. Meldeten sich Pauschalreisende im Konkursverfahren an, entstünden womöglich nur Spesen, sollte es keine oder auch eine kleine Quote geben. Also empfiehlt Hödl Pauschalreisenden "zumindest auf den ersten Blick", sich vorerst einmal beim Abwickler Allianz Partners zu melden.

"Schön wäre es, Teile verkaufen zu können. Aber ich befürchte, da wird sich nicht viel machen lassen", so der Jurist unter Verweis auf seine bisherigen Informationen. "Ich lasse mich aber gerne überraschen." Grundsätzlich wäre womöglich auch das ganze Unternehmen verkaufbar, Hödl gibt aber zu bedenken, dass der Name womöglich zu beschädigt sei und potenzielle Interessenten daher die Finger davon lassen könnten.

Deckungssumme sollte ausreichen

Sollte der Abwickler wider Erwarten nicht alles auszahlen können, könne man sich immer noch im Konkursverfahren anmelden. Die genannten 20 Mio. Euro Deckungssumme beim Abwickler sollten aber jedenfalls reichen. Den Hotels sei womöglich nicht geholfen, "aber wenigstens den Pauschalreisenden", sagte Hödl.

"Eine Unternehmensfortführung wird nicht angestrebt", hatte der Kreditschutzverband AKV Donnerstagfrüh mitgeteilt. Das Konkursverfahren ist bereits eröffnet.  Die Aktiva betragen rund 41 Millionen Euro und bestehen fast ausschließlich aus Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen, die nun wertzuberichtigen sind. Die Passiva belaufen sich auf 33 Millionen Euro. Von der Pleite sind 57 Arbeitnehmer betroffen, berichteten zu Mittag die  Gläubigerschutzverbände KSV1870 und Creditreform. Forderungen können bis 2. Dezember angemeldet werden. Die erste Gläubigerversammlung ist für 16. Dezember angesetzt.

Das gesamte unternehmerische Vermögen solle liquidiert werden. "Im Hinblick auf die hohen Haftungen für die verbundenen Gesellschaften ist derzeit nicht davon auszugehen, dass eine Sanierung des Unternehmens wirtschaftlich möglich sein wird", hieß es vonseiten der Gläubigerschützer.

 

Bis zu 15.000 Gläubiger

In der letzten Bilanz der Thomas Cook Austria AG sind für 2018 laut AKV Verbindlichkeiten in Höhe von 36 Millionen Euro angegeben worden. Zum Aktivvermögen gehörten insbesondere Forderungen gegen verbundene Konzerngesellschaften, denen aber ebenfalls Verbindlichkeiten und Haftungen gegenüberstünden.

"Es ist davon auszugehen, dass eine große Anzahl von ausländischen Gläubigern betroffen sein wird", so der AKV. Dabei soll es um rund 15.000 Gläubiger gehen - hauptsächlich ausländische Hoteliers, wie Brancheninsider der APA sagten.

Der Konkurs der österreichischen Thomas Cook Austria AG wird auf die Pleite der britischen Konzernmutter Thomas Cook Group plc und den daraus resultierenden Problemen für die Tochtergesellschaften zurückgeführt. Die börsennotierten Briten hatten am Montag bekanntgegeben, den Geschäftsbetrieb einzustellen, da die Verhandlungen zur geplanten Rekapitalisierung gescheitert sind. In Summe bestand ein Kapitalbedarf von 1,1 Milliarden Pfund (rund 1,2 Milliarden Euro).

Die heimische Thomas Cook ist eine 100-Prozent-Tochter der deutschen Thomas Cook Touristik GmbH mit Sitz in Oberursel, die gestern ebenfalls Konkurs beantragt hat, dabei jedoch eine Sanierung und somit Fortführung des Unternehmens anstrebt.

Die Geschäfte in Ungarn und der Slowakei sind der österreichischen Gesellschaft unterstellt: An der slowakischen Neckermann Slovakia s.r.o. hält die Thomas Cook Austria AG laut Alpenländischem Kreditschutzverband 60 Prozent der Unternehmensanteile, an der N-U-R Neckermann Utazas Szolgaltato 100 Prozent.

350 Spitzenhotels bangen um Wintergäste

30 Prozent der rund 1500 heimischen Spitzenhotels, vornehmlich aus der Vier- und Fünf-Sterne-Kategorie, haben Verträge mit dem pleitegegangenen Reiseveranstalter Thomas Cook und verbundenen Firmen wie beispielsweise Neckermann. Sie rechnen mit Schäden bis in den sechsstelligen Eurobereich, wie die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) auf Basis einer aktuellen Umfrage am Donnerstag mitteilte.

Bei mehr als drei Viertel dieser 30 Prozent - rund 350 Häusern - ist die Sorge demnach besonders groß. Denn sie haben auch für den kommenden Winter im Vertrieb auf Thomas Cook gesetzt. Der noch einzusetzende Masseverwalter müsse rasch klarstellen, dass die Hoteliers über diese Kontingente frei verfügen können, so die Interessenvertretung.

"Wir müssen verhindern, dass gute Betriebe ins Straucheln kommen, weil ein anderer schlecht gewirtschaftet hat. Es kann nicht sein, dass diese Betten im Winter leerstehen oder die Hotels kein Geld dafür sehen", warnt ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer vor weniger Umsatz und damit weniger Mitarbeitern in den Hotels. "Da geht es um viele Arbeitsplätze."

Der Gesamtschaden der Hotels ist offen. Laut Tourismusobfrau in der Wirtschaftskammer, Petra Nocker-Schwarzenbacher, liegt dieser aber pro betroffenem Hotel bei 10.000 bis 70.000 Euro, sagte sie zu "Ö1". Es könnte auch einzelne, weit höhere Summen geben.

Thomas Cook habe stets sechs Wochen zum Begleichen der Rechnungen Zeit gehabt - die Gäste seien abgereist, ihre Rechnungen seien nicht bezahlt. Bisher hätten sich rund 250 Hoteliers an die Wirtschaftskammer gewendet. "Wir sind uns sicher, dass da noch einiges daherkommen wird", sagte Nocker-Schwarzenbacher im Radiobericht. Der Gesamtschaden lasse sich noch nicht nennen. 

Der Thomas-Cook-Kooperationspartner Verkehrsbüro hat mit seiner Tochter Eurotours indes Thomas-Cook-Kontingente storniert und vertreibt diese nun über andere Kunden bzw. in anderen Märkten, hieß es weiters. Dort ist man zuversichtlich, dass die Betten im Winter nicht leerbleiben würden.

Nach der Insolvenz drohen auch Österreicher im Ausland hängen zu bleiben. An die 5000 Österreicher könnten zurückgeholt werden müssen. Daher trafen sich gestern laut Medienberichten Vertreter von Reisebüros, Fluglinien und mehreren Ministerien im Außenministerium in Wien. Das vereinbarte Prozedere lautet nun laut "Standard", dass verschiedene Airlines Urlauber mit nach Hause nehmen und eine Garantie des Abwicklers Allianz bekommen, dass sie nicht auf den Kosten sitzenbleiben. Der Bund werde nicht für den Heimtransport zahlen, diesen müsse die Allianz organisieren, hieß es demnach. Eine staatliche Heimholaktion sei nicht notwendig.

Kein Urlaub mehr mit Thomas Cook Austria
Kein Urlaub mehr mit Thomas Cook Austria

Thomas Cook Austria AG hat sämtliche Reisen mit Antrittsdatum bis einschließlich 4. Oktober 2019 gestrichen, gab der Abwickler für die Insolvenzversicherung, Allianz Partners (AWP), Donnerstagmittag unter Berufung auf das Tourismusunternehmen bekannt. Zu den späteren Urlauben (mit Abreisedatum ab dem 5. Oktober) stehe die Vorgehensweise aktuell noch nicht fest. Dazu werde aber "in Kürze" eine Entscheidung des zuständigen Masseverwalters Günther Hödl erwartet.

Insolvenzverwalter  in Deutschland sehen Zukunft

Trotz der schwierigen Situation bei Thomas Cook Deutschland nach der Pleite des britischen Mutterkonzerns sehen die vorläufigen Insolvenzverwalter Perspektiven für die deutschen Touristik-Tochtergesellschaften. Es werde alles unternommen, um "eine Zukunftslösung zu finden", kündigte Rechtsanwalt Ottmar Hermann am Mittwoch an.

Die insgesamt drei vorläufigen Insolvenzverwalter haben sich vor Ort einen ersten Überblick verschafft. "Wir haben heute eine hoch motivierte und engagierte Belegschaft erlebt, die für den Erhalt der Unternehmen aus vollem Herzen kämpft", erklärte Hermann.

Nachdem die Thomas Cook GmbH am Mittwoch einen Insolvenzantrag gestellt hatte, um sich aus den "finanziellen Verflechtungen und Haftungsverhältnissen" mit dem britischen Mutterkonzern zu lösen, bestellte das Amtsgericht Bad Homburg neben Hermann auch die Insolvenzrechtler Fabio Algari und Julia Kappel-Gnirs zu vorläufigen Insolvenzverwaltern für die deutschen Töchter. Kappel-Gnirs soll dabei für die Bucher & Öger Tours GmbH zuständig sein, Algari für die Thomas Cook GmbH.

Hermann, zuständig für die deutsche Thomas Cook Touristik GmbH, gilt der "Wirtschaftswoche" zufolge als einer der renommiertesten deutschen Insolvenzexperten. Er war in der Vergangenheit bei zahlreichen Großverfahren wie etwa der Insolvenz der Kaufhaus-Kette Woolworth im Einsatz.

Im hessischen Oberursel, Sitz der deutschen Thomas Cook, führten die drei vorläufigen Insolvenzverwalter am Mittwoch nach eigenen Angaben bereits erste Gespräche mit den Betriebsräten und hielten gemeinsam mit der Geschäftsführung eine Mitarbeiterversammlung ab. Dort wurde die Belegschaft demnach auch darüber informiert, dass die Löhne und Gehälter der rund 2000 Mitarbeiter durch das Insolvenzgeld bis Ende November 2019 gesichert sind.

Für das Ziel, die deutschen Touristik-Tochtergesellschaften zu erhalten, sollen nun Schritt für Schritt geeignete Maßnahmen ausgearbeitet werden. Das Hauptaugenmerk soll neben der Stabilisierung der drei Unternehmen aber auch auf den betroffenen Kunden liegen.

Derzeit befinden sich noch rund 97.000 deutsche Touristen, die über Thomas Cook eine Pauschalreise gebucht haben, an ihren Urlaubszielen. Der Urlaub sowie die Rückreise dieser Kunden sind nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalter über den Sicherungsschein des Insolvenzversicherers Zurich abgesichert und können wie geplant ablaufen.

Allerdings: Reisen, die für den Zeitraum von diesem Freitag, dem 27. September, bis einschließlich 13. Oktober 2019 gebucht wurden, können demnach aus insolvenzrechtlichen Gründen derzeit nicht angetreten werden - auch wenn sie teilweise oder sogar ganz bezahlt wurden.

(APA/dpa/AFP)