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Akquisition

AMS scheitert im Übernahmekrimi um Osram

Auf den letzten Metern wackelt die Osram-Übernahme durch AMS.
Auf den letzten Metern wackelt die Osram-Übernahme durch AMS.(c) REUTERS (ANDREAS GEBERT)
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Es hätte die größte Übernahme der heimischen Wirtschaftsgeschichte werden sollen. Dennoch kam alles anders. Der deutsche Lichtkonzern Osram geht nicht an AMS.

Es war die Zitterpartie des Jahres für AMS. Dem steirischen Chip- und Sensor-Hersteller blies viel Gegenwind bei der Übernahme des angeschlagenen deutschen Lichtkonzerns entgegen. Der Osram-Vorstand und die IG Metall hatten sich kräftig zur Wehr gesetzt. Schließlich nahm der Übernahmekrimi für AMS ein enttäuschendes Ende. AMS schaffte es nicht, sich die nach Umsatz dreimal so große Firma einzuverleiben.
Bis zuletzt hielten alle Beteiligten den Atem an. Die Steirer hatten sich selbst eine Schwelle gesetzt: Wenn nicht die Eigentümer von mindestens 62,5 Prozent der Osram-Aktien zustimmen, ist der Plan gescheitert. Insgesamt wurden dem heimische Sensor-Spezialisten nur 51,6 Prozent der Aktien angedient.

Das wochenlange Hin und Her um Osram hatte viele Privatanleger verunsichert, die knapp ein Viertel der Osram-Aktien gehalten hatten. Um sicherzugehen, dass alle Kleinaktionäre ihre Anteile an AMS abtreten, wurde mit Plakaten und sogar Radiospots geworben.

Zusätzlich hatte der iPhone-Zulieferer über die Börse selbst fleißig eingekauft. Schon vor dem Ablauf der Angebotsfrist wurde AMS mit etwa zwanzig Prozent zum größten Aktionär. Für die Aktien dürfte AMS mindestens 674 Millionen Euro ausgegeben haben. Ein teures Unterfangen. Allerdings kommt nun kein weiterer Interessent an den Steirern vorbei. Sie halten die Mehrheit am Lichtspezialisten.
Bei einer erfolgreichen Übernahme aller Aktien wäre der Deal 4,5 Milliarden Euro schwer gewesen. Damit hätte AMS Wirtschaftsgeschichte geschrieben, denn es wäre die größte Übernahme eines heimischen Unternehmens gewesen.

Rekord bleibt bei Erste Group

Spitzenreiter bei Übernahmen bleibt damit die Erste Group 2005 mit dem Kauf der Banca Comerciala Romana für 3,7 Milliarden Euro. Auf Platz zwei rangiert Voestalpine mit der Übernahme von Böhler-Uddeholm 2007 für 2,6 Milliarden Euro.

Die Nachricht nach Börsenschluss dürfte auch die Anleger kalt erwischen. Denn der Markt reagierte am Freitag äußerst positiv auf die erwartete Übernahme. Die AMS-Aktien gingen um etwa zwei Prozent und die Osram-Titel um etwa mehr als ein Prozent höher aus dem Handel.
Eine Ankündigung eines höheren Angebots vom Mitstreiter Bain Capital und Advent entpuppte sich als Bluff. Dennoch setzte sie AMS unter Druck, am gebotenen Preis von 38,5 Euro zu schrauben. Das Angebot zu erhöhen, hätte aber die Annahmefrist verlängert und womöglich einen weiteren Bieterkampf ausgelöst. Also bediente man sich eines Kniffs. Es wurde eine Aktie zum Preis von 41 Euro gekauft. Dadurch ist AMS verpflichtet, allen Aktionären diesen Preis zu zahlen – de facto eine Erhöhung des Angebots.

Der Osram-Chef Olaf Berlien hatte bis zuletzt auf ein Scheitern der Übernahme gehofft. Er bot seine Aktien nicht zum Kauf an – und behält nun die Karten weiter in der Hand. Nach einer Übernahme hätte man zwei Chefs wahrscheinlich nicht gebraucht. Für Berlien geht es auch um seinen persönlichen Erfolg. Er dürfte vom Übernahmeversuch persönlich gekränkt gewesen sein. Dass Osram heute Weltmarktführer bei sichtbaren und unsichtbaren Lichtquellen ist und sein Portfolio bis zur Virtual-Reality-Anwendung reicht, ist zum Teil sein Verdienst.

Als er 2015 nach München wechselte, war die Stimmung bei der einstigen Siemens-Tochter mies. Seine Vorgänger hatten ein Sparprogramm nach dem anderen durchgepeitscht, technologisch stand Osram vor einem großen Umbruch: weg von Glühbirnen, Leuchtstoffröhren und Halogenlampen, hin zu stromarmen Leuchtmitteln auf Halbleiterbasis. Berlien hat vor allem die Digitalsparte ausgebaut.
Diese sowie wie die Produktion von Standard-LEDs hätte AMS-Chef Alexander Everke aber loswerden wollen. Eine „Zerschlagung mit großem Stellenabbau“ befürchtete die IG Metall. Die einflussreiche Gewerkschaft mobilisierte gegen das Angebot.

AMS hält an Übernahme fest

Doch so leicht unterkriegen lässt sich AMS nicht. Dort hält man einen Zusammenschluss der beiden Firmen für „strategisch überzeugend“, da er die Schaffung eines weltweit führenden Anbieters von Sensoriklösungen und Photonik ermöglichen würde. Deswegen prüft AMS „strategische Optionen, um die Akquisition von Osram“ weiter zu verfolgen. „Unsere Vision mit Osram ist es, einen global führenden Anbieter von Sensoriklösungen und Photonik zu schaffen, der auf europäischer Technologie basiert und damit sicherstellt, dass Europa seine weltweite Spitzenstellung bei optischen Technologien beibehält“, sagt AMS-Chef Alexander Everke. Das in die Tat umzusetzen, ist nun deutlich schwieriger geworden.