Syrien

Trump will die Kurden nicht im Stich gelassen haben

Donald Trump bei einem Treffen mit seinen Militärchefs im Weißen Haus.
Donald Trump bei einem Treffen mit seinen Militärchefs im Weißen Haus.APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI

Der US-Präsident setzt seine Rückwärtsgang-Rhetorik fort. Der Rückzug aus der kurdisch-syrischen Region betreffe nur 50 US-Soldaten, die Kurden seien „wunderbare Kämpfer“, der Türkei wird gedroht.

Weiß Donald Trump, was Donald Trump will? Diese Frage stellen sich viele Kommentatoren seit gestern, als der US-Präsident angekündigt hatte, die US-Truppen aus der türkisch-syrischen Grenzregion abzuziehen und der Türkei einen Einmarsch in kurdisch-syrisches Gebiet zu ermöglichen. Nach heftiger Kritik an dieser Entscheidung aus den eigenen, republikanischen Reihen, ließ Trump Drohungen in Richtung Türkei folgen. Man solle ja keine roten Linien überschreiten, denn er, Trump, könne die Wirtschaft der Türkei zerstören.

Und am Dienstag erklärte der US-Präsident - im Gegensatz zur allgemeinen Deutung der Vorgänge - sein Land hate die Kurden in Nordsyrien nicht im Stich gelassen. Dies sei "keineswegs" der Fall, schrieb er auf Twitter. Die USA hätten in der Region, in die nun die Türkei einmarschieren will, lediglich 50 Soldaten gehabt. Den Kurden, die "besonders" und "wunderbare Kämpfer" seien, werde weiter mit Waffen und Geld geholfen, erklärte Trump.

Der US-Präsident bekräftigte zugleich seine Drohung gegen Ankara vom Vortag, das Land wirtschaftlich zu zerstören. "Jegliche unerzwungenen oder unnötigen Kämpfe der Türkei" würden "verheerende" Konsequenzen für die Wirtschaft des Landes nach sich ziehen.

Die Türkei zeigte sich von den Tweets unbeeindruckt. "Unsere Botschaft an die internationale Gemeinschaft ist klar - die Türkei ist kein Land, das sich von Drohungen bewegen lässt", sagte Vizepräsident Fuat Oktay am Dienstagvormittag während einer Rede an einer Universität in Ankara. Oktay bekräftigte, dass die Türkei zu dem Plan stehe, in Nordsyrien gegen Kurdenmilizen vorzugehen. Die Türkei werde niemals zulassen, dass unmittelbar an ihrer Grenze "ein Terrorkorridor, ein Terrorstaat" entstehe, was auch immer die Kosten seien. Es sei an der Zeit eine "Sicherheitszone östlich des Euphrat"-Flusses zu schaffen.

Erdogan: Türkei bereit für Invasion

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Montag erklärt, die Militäroffensive auf das von den Kurden kontrollierte Gebiet in Nordsyrien könne jederzeit beginnen. Alle Vorbereitungen für den Einsatz sind abgeschlossen", teilte das türkische Verteidigungsministerium am Dienstag im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Wenige Stunden zuvor hatten die USA Soldaten aus Stellungen in Nordsyrien abgezogen und damit das Feld für eine türkische Militäroffensive geräumt.

Der erwartete Einsatz der Türkei richtet sich gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die für die USA im Kampf gegen die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) einer der wichtigsten Verbündeten waren. Ankara stuft die YPG-Miliz wegen ihrer Nähe zur kurdischen Arbeiterpartei (PKK) hingegen als "Terrororganisation" ein. Seit 2016 ist die Türkei bereits zwei Mal gegen die YPG-Miliz in Nordsyrien vorgegangen.

(APA/AFP)