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Messerattacken in Oberösterreich: Schließung des Heimes fix

OBEROeSTERREICH: ASYLWERBER SOLL BETREUER VERLETZT UND BAUERN GETOeTET HABEN
Die Flüchtlingsunterkunft in Wullowitz, Oberösterreich.APA/LAUMAT.AT / MARIO KIENBERGER
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Der attackierte Betreuer ist weiterhin in Lebensgefahr. Das Motiv für die Tat des Verdächtigen dürfte ein Streit um einen Job gewesen sein. Schon einige Monate zuvor war der Mann negativ aufgefallen.

Nach der Messerattacke in einem Asylwerberheim in Wullowitz in Oberösterreich wird die Unterkunft geschlossen. Dies ließ das Rote Kreuz am Dienstag wissen. Die verbleibenden Asylwerber sollten ursprünglich im ersten Quartal 2020 in andere Quartiere umgesiedelt werden. Dies werde nun vorgezogen und bereits in der kommenden Woche erfolgen, so das Rote Kreuz. Die Polizei will das Quartier bis dahin besonders im Auge behalten.

Zuvor hatte Bürgermeister Hubert Koller (ÖVP) die Schließung der Unterkunft gefordert. Darin sehe er die einzige Möglichkeit, dass in dem Ortsteil von Leopoldschlag wieder "Ruhe einkehrt und die Sicherheit hergestellt" werde. Derzeit seien in dem Heim 20 Flüchtlinge untergebracht, in dem Ortsteil leben 60 Einwohner, schilderte der Bürgermeister. Das Haus direkt an der tschechischen Grenze hält er auch deshalb nicht für ideal, da es nur eine schlechte Anbindung an den öffentlichen Verkehr gebe. An Wochenenden gebe es überhaupt keine Busverbindung. Sein Wunsch nach Schließung der Unterkunft habe er bereits dem Betreiber, dem Roten Kreuz, sowie Integrationslandesrat Rudi Anschober (Grüne) mitgeteilt. Eine erste Unterredung soll es Dienstagnachmittag geben.

Betreuer in Lebensgefahr

Der 32-Jährige Flüchtlingsbetreuer, der von dem verdächtigen Afghanen angegriffen worden sein soll, schwebte Dienstagmorgen in "akuter Lebensgefahr". Der Betreuer warm am Montag mit schwersten Verletzungen in die Linzer Uniklinik geflogen und dort notoperiert worden.

Als Motiv des mutmaßlichen Täters, ein 33-jähriger Asylwerber, hat die Polizei "Differenzen bei der Vermittlung eines Arbeitsplatzes" mit dem Opfer angegeben. Gegen 14.30 Uhr kam der Afghane, der mit seiner Lebensgefährtin und zwei kleinen Kindern in einer privaten Wohnung lebt, mit dem Fahrrad in die Asylunterkunft in Wullowitz. Dort geriet er mit einem Betreuer wegen eines Jobs in Streit. Laut Zeugen versuchte der 33-Jährige daraufhin dem 32-Jährigen die Kehle durchzuschneiden. Andere Asylwerber zerrten ihn vorerst von seinem Opfer weg. Der Angreifer konnte sich jedoch losreißen und stach dem Betreuer in die Brust. Anschließend flüchtete er mit einem gestohlenen Fahrrad. Von den zu Hilfe eilenden Asylwerbern wurden ebenfalls mindestens zwei Personen verletzt.

Landwirt tot gefunden

Zwei Stunden nach der Attacke fanden Beamte der Einsatzeinheit Cobra in einer geöffneten Garage eines Bauernhofs unweit des Tatortes die Leiche eines 63-jährigen Mannes. Er war mit einem Messerstich in die Brust getötet worden, so die Polizei. Wie sich herausstellte, fehlte das Auto des Landwirts. Beim Haus wurde ein Fahrrad mit Blutspuren gefunden. Daher gingen die Beamten davon aus, dass der Verdächtige mit dem Pkw seine Flucht fortgesetzt hatte. Nach stundenlanger Fahndung wurde der Afghane schließlich in dem Auto im Stadtgebiet von Linz gesichtet und um 21.42 Uhr festgenommen. Er wurde in das Polizeianhaltezentrum Linz eingeliefert und soll am Dienstag einvernommen werden. Bei einer ersten kurzen Befragung unmittelbar nach der Verhaftung habe er sich zu den Vorwürfen nicht geäußert, vermeldete ein Polizeisprecher.

Rennfahrt bei Führerscheinprüfung

Der Verdächtige war, wie Bürgermeister Koller im Interview mit dem ORF sagte, seit 2015 in dem Heim untergebracht gewesen. Die letzten eineinhalb Jahre bewohnte er mit seiner Familie eine Wohnung in Leopoldschlag. Der Mann, der laut Koller einige Zeit sogar bei der Gemeinde gearbeitet hatte, war schon einmal negativ aufgefallen. Bei seiner Führerscheinprüfung im Juli hatte der Afghane offenbar überreagiert. Er war mit dem Auto über den Übungsplatz gerast, mit quietschenden Reifen durch den Prüfungsparcours gedriftet und  hatte schlussendlich das Auto demoliert. 

Rauferei und strenge Religiosität

Es war, wie Staatsanwalt Philip Christl sagt, einer von zwei Fällen, bei denen der Afghane bisher aufgefallen ist: Gegen den Beschuldigten gab es bisher zwei Anzeigen, einmal wegen des Deliktes der Sachbeschädigung bei der Führerscheinprüfung. Ein weiteres Mal wurde der Mann angezeigt, weil er bei einem Kurs in einer Volkshochschule an einer Rauferei beteiligt war. Dabei wurde sein Kontrahent leicht, er schwer verletzt - er war offenbar im Zug des Raufhandels mit dem Fuß umgeknickt und brach sich das Sprunggelenk, wie Christl sagt. Zur Rauferei gekommen war es offenbar, so Oberösterreichs Landespolizeidirektor Andreas Pilsl, wegen dem Thema Alkohol im Islam.

Der Afghane dürfte da strenge Ansichten vertreten haben - wie er überhaupt durch strenge Religiösität aufgefallen sei, so Pilsl. Der Mann sei etwa „dauernd mit dem Koran herumgerannt“, sagte Pilsl am Dienstag. Aus diesem Grund wurde der Mann überprüft, sein Handy wurde etwa kontrolliert, auch das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) wurde damals aktiv. Hinweise auf Islamismus oder Radikalisierung gab es aber nicht.

Anlass, um den Mann abzuschieben oder zu inhaftieren, hätten die vorherigen Anzeigen keinen geboten, sagt Staatsanwalt Christl. Schließlich wurde zuvor oft die Frage gestellt, warum der Afghane trotz des Ausrasters bei der Fahrschule auf freiem Fuß war. „Es handelte sich um eine Sachbeschädigung." Selbst bei „viel gutem Willen" hätte das rechtlich keinen Grund für eine Festnahme geboten, so der Staatsanwalt. Zu Gerüchten, in der Asylwerberunterunft (in der der Mann nicht mehr gelebt hat) sei es besonders an Wochenenden öfters zu Raufereien und Polizeieinsätzen gekommen, wollten die Behörden am Dienstag noch keine Stellungnahme abgeben.

Stelzer: Flüchtlinge nicht pauschal verurteilen

Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) hat inzwischen noch für diese Woche die Einberufung des Landessicherheitsrats angekündigt. Sein blauer Stellvertreter Manfred Haimbuchner hatte dies bereits Montagabend gefordert.

Stelzer meinte, er sei "zornig und erschüttert, weil ein Mann, dem unser Land Schutz und Sicherheit bietet, so etwas Bestialisches verbrochen haben soll". Im Zuge des Asylverfahrens gegen den verdächtigen Afghanen erhoffe sich Stelzer die "zweitinstanzliche Entscheidung beim Bundesverwaltungsgericht aufgrund von 'Gefahr im Verzug' vorzuziehen". Dennoch appellierte an "uns als Gesellschaft, Flüchtlinge nicht pauschal und undifferenziert zu verdächtigen oder gar zu verurteilen". Haimbuchner wünschte sich, dass "die seit Jahren stattfindenden Messerattacken und die Gewalt gegenüber der heimischen Bevölkerung ein Ende finden muss".

Hat Oberösterreich ein Problem mit Afghanen?

Zum Problem der Gewalt durch Afghanen befragt, bestätigte Polizeidirektor Pils am Dienstag: „Jeder, der das mitverfolgt, weiß, dass Afghanen natürlich ein Thema sind. Aber der Kriminalitätsanfall ist rückläufig, auch was Delikte mit Messern angeht.“ Auch, wenn man wisse, dass es in dieser Bevölkerungsgruppe, vor allem wenn es um Taten innerhalb dieser, also „Afghane gegen Afghane“ eine „Vielzahl“ von Delikten, bei denen auch Messer involviert sind, gebe. „Das ist für uns nichts Ungewöhnliches.“ Hat speziell Oberösterreich ein Problem mit gewalttätigen Afghanen? „Ja. Weil jedes Delikt eines zu viel ist. Aber wir hatten schon mehr. Und, Gott sei Dank, das ist das erste vollendete Tötungsdelikt dieses Jahres in Oberösterreich. Die Zahlen sind rückläufig, es besteht kein Grund zur Panik“, so Pilsl. 

 

(APA/red.)