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Kurz nach Beginn des türkischen Feldzugs in Nordsyrien vergangene Woche schlugen in Nusaybin Geschosse ein.
Reportage

Nusaybin, Geisterstadt an der syrischen Grenze

Unter dem Einmarsch in Nordsyrien haben auch die Bewohner auf türkischer Seite zu leiden. Erdoğans Feldzug macht viele zu Flüchtlinge im eigenen Land.

Nusaybin. Die Straßen von Nusaybin sind still und menschenleer; durch eine Einkaufsstraße, an der alle Rollläden heruntergelassen sind, bummelt eine Kuh. Selbst im Zentrum, wo ein paar Läden geöffnet haben, ist Vogelgezwitscher zu hören statt des üblichen Trubels und Verkehrslärms. Kurz nach Beginn des türkischen Feldzugs in Nordsyrien vergangene Woche schlugen hier Geschosse ein, die von der syrischen Seite der Grenze abgefeuert wurden – ein Dutzend tote Zivilisten und mehr als 70 Verletzte hat Nusaybin zu beklagen, viele davon Kinder. Was sich die türkische Regierung dabei dachte, als sie ihre Armee nach Syrien schickte, ohne vorher die Ortschaften an der Grenze zu räumen, bleibt vorläufig ihr Geheimnis. Die Bewohner haben inzwischen selbst gehandelt, Nusaybin ist zur Geisterstadt geworden.

„Sie sind alle fort“, klagt ein älterer Mann, der in einer Gasse alleine ausharrt und in seinem Leben offenbar schon einiges erlitten hat – ihm fehlt ein Ohr. Ein jüngerer Mann erzählt, er habe seine Familie zu Verwandten aufs Dorf gebracht. Die Schulen in Nusaybin und anderen Orten an der Grenze sind inzwischen geschlossen. Verlassen liegen auch die bunten Spielplätze im Neubauviertel am Ostrand der Stadt, das nach den Grabenkämpfen zwischen PKK und türkischer Armee 2015/16 errichtet wurde. Die von den damaligen Kämpfen vertriebenen Bewohner waren kaum eingezogen, nun sind sie wieder auf der Flucht.

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