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Emma Braslavsky: Ein Roboter als Romanheldin

Braslavsky will in ihrem Roman warnen.
Braslavsky will in ihrem Roman warnen.(c) Imago
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Sind Informatiker die besseren Hirnforscher? Emma Braslavsky wagt ein literarisches Experiment. „Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten“ oder: Auf der Suche nach der verlorenen Menschlichkeit.

Müsste ich in der Welt leben, die in der schwedischen Fernsehserie „Real Humans“ gezeigt wird, ich würde mich auch lieber mit einem Hubot (humanoide Roboter) zusammentun als mit einem Menschen. Diese Welt, in der Hubots den Menschen als Sklaven dienen, ist nicht mehr fern. In Japan sind bereits „Pflegeroboter“ im Einsatz, weil die alten Menschen dort lieber zu Hause von Robotern betreut werden als in einem Heim von richtigen Menschen. Aber auch in der Schweiz ist das Projekt „Roboy“ (a robot as good as a human body) weit gediehen.

Die Welt der „Real Humans“ ist auch die Welt Emma Braslavskys im Roman „Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten“. Darin findet sich der Leser in Berlin-Kreuzberg in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts wieder. Wer sich jetzt einen typischen Sci-Fi-Plot erwartet, wird aber enttäuscht sein. Die 1971 in Erfurt geborene Autorin hat ihren vierten Roman als eine Art Parabel angelegt – oder, wenn man so will, als eine Art Lehrstück. Sie will darin vor Augen führen, was aus uns Menschen wird, wenn wir mit der Entmenschlichung so weitermachen wie bisher. Denn die echten Menschen in diesem Buch verhalten sich ekelig, nicht nur zueinander, noch viel mehr zu den Hubots. Die Maschinenmenschen sind für die natürlichen nur Sklaven zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse, selbstverständlich auch der sexuellen; und des Weiteren Elektroschrott. Kein Wunder, dass die echten Menschen lieber mit programmierbaren Humanoiden zusammenleben: Benehmen sie sich untereinander doch so entmenschlicht, dass sie vereinsamen und die Selbstmordrate steigt.