Song der Woche

Michael Kiwanuka: Soul, das Allroundmedikament

Michael Kiwanuka.
Michael Kiwanuka.

Wer braucht ein wenig heitere Gelassenheit? Michael Kiwanukas „You Ain't The Problem“ bringt sie uns näher.

Michael Kiwanuka: „You Ain't The Problem“. Zu den Eigenheiten des klassischen Siebzigerjahre-Souls – dem sich Michael Kiwanuka wohl gern zuordnen lässt – zählt, dass Persönliches und Politisches, Soziales, Sexuelles und Spirituelles oft so innig verschmelzen, dass man nicht mehr weiß: Worum geht es eigentlich? Und daraufkommt: Man muss das gar nicht wissen. Hauptsache, die Musik brodelt und ruht dennoch in sich. So auch hier: „Don't hesitate“, singt Kiwanuka im Refrain, „time heals the pain, you ain't the problem.“

Was ist/war das Problem? Die Liebe, gewiss, sie macht blind, wie's schon in der ersten Zeile heißt. Die Gewalt, natürlich: „They shoot for fun“, beklagt Kiwanuka. Aber das Hauptmotiv scheint hier doch Selbstzweifel zu sein: „I used to hate myself.“ Das ist überwunden: Der Gesang strahlt heitere Gelassenheit aus, die Musik ist wild und sanft, präzise und üppig zugleich. Soul nennt man das, und es wirkt. Heilsam.

Michael Kiwanuka, geb. 1987 in London, stammt aus Uganda. Er arbeitete als Studiomusiker, bis er 2012 mit „Home Again“ entdeckt wurde.

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Christoph Sepin (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4. Weitere Infos auf www.diepresse.com/songderwoche und www.fm4.ORF.at.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2019)