Gericht

Der Prozess zum Refco-Skandal – 15 Jahre danach

Ex-Bawag-General Johann Zwettler (Archivbild 2008).
Ex-Bawag-General Johann Zwettler (Archivbild 2008).(c) APA (GEORG HOCHMUTH)

Ex-Bawag-General Johann Zwettler muss/müsste (erneut) vor Gericht. Da er als nicht verhandlungsfähig gilt, dürfte ihm ein Urteil erspart bleiben. Die Vorwürfe drehen sich um Kredite der Bawag an den Broker Refco.

Wien/Wiener Neustadt. Wie immer dieser Prozess ausgeht, eines steht schon fest: Die am Dienstag in Wiener Neustadt startende Verhandlung wird vor allem das Erinnerungsvermögen der Zeugen auf eine harte Probe stellen. Denn die Tatzeit liegt, je nach Vorwurf, bis zu 15 Jahre zurück. Es geht um Kredite, welche die frühere Gewerkschaftsbank Bawag an das US-Brokerhaus Refco vergeben hatte.

Angeklagt ist Ex-Bawag-Generaldirektor Johann Zwettler. Der 78-Jährige gilt allerdings als nicht verhandlungsfähig. Er hatte schon vor Jahren als Angeklagter im Bawag-Prozess, Stichwort Karibik-Geschäfte, wegen Untreue fünf Jahre Haft bekommen, musste aber wegen gesundheitlicher Probleme bisher nicht hinter Gitter. Apropos Bawag: Nach den nun von der Anklage umfassten Kreditvergaben an den Broker Refco ging dieser pleite. Die folgende Untersuchung in Wien förderte die Karibik-Deals der Bawag zutage.

Zurück zum Refco-Prozess: Außer Zwettler sind auch die früheren Bawag-Vorstände B. und N. sowie der frühere Bawag-Manager S. angeklagt. Allen vier wird Beteiligung am schweren Betrug und Untreue vorgeworfen. Alle vier bekennen sich nicht schuldig. Die Verteidigung sagt, die vier Männer seien Opfer, nicht Täter. Das Quartett sei selbst von Refco getäuscht worden. Die Bawag war früher an dem Brokerhaus beteiligt.

 

Per Video ins US-Gefängnis

Im Zentrum der 150 Seiten starken Anklageschrift steht ein „Blitzkredit“, Höhe: 350 Millionen Euro. Diesen hatten Zwettler, B. und N. (laut Anklage) am 10. Oktober 2005 genehmigt – „ohne eine Entscheidung des Gesamtvorstandes eingeholt zu haben“. Das Geld kam nie zurück. Refco-Boss Phillip Bennett wurde wegen Betruges zu 16 Jahren Haft verurteilt. Er sitzt derzeit die Strafe ab und soll per Videoschaltung als Zeuge befragt werden. Und ja: Auch der zu zehn Jahren Haft verurteilte Ex-Bawag-Boss Helmut Elsner (84) soll demnächst als Zeuge aussagen.

Der Prozess wurde übrigens deshalb von Wien nach Wiener Neustadt verlegt, weil Ex-Bawag-Vorstand B. (im Bawag-Prozess mitangeklagt und freigesprochen) mittlerweile mit jener Wiener Staatsanwältin verheiratet ist, die im Bawag-Prozess (gemeinsam mit Staatsanwalt Georg Krakow) die Anklage vertreten hatte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2019)

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