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Ein Plädoyer für analoge Kommunikation

Gregor Withalm
Gregor Withalm(c) Marija Kanizaj

Der steirische Moderator und Kommunikationsprofi Gregor Withalm will wieder Mut zum „einfachen Gespräch“ machen.

Graz. Der Grazer Lendplatz mit seinem Markt und seinen Lokalen ist ein Ort, an dem man sich trifft. Dort findet Kommunikation statt – oder auch nicht. Amüsiert, wenn auch immer noch etwas staunend, berichtet Gregor Withalm (der hier gern im Macello sitzt und beobachtet) von einem „sich offenbar liebenden Pärchen“, das Hand in Hand zum Essen kam – und dessen einzige verbale Kommunikation aus jener mit dem Kellner bestand. Den Rest der Zeit widmeten die beiden jeweils ihrem Handy.

Es ist eine „analoge Sprachlosigkeit“, die Gregor Withalm konstatiert. Und nein, sagt der bekannte steirische Moderator, Kommunikationsprofi und Chefredakteur der Styria-Nachrichtenagentur RCA, er klage das nicht an – er nutze die digitalen Kanäle ja auch selbst. „Aber ich versuche, einen Bewusstmachungsprozess einzuleiten.“ Immer wieder nach seinen Seminaren nach Unterlagen zur Nachlese gefragt, hat Withalm nun auch ein Buch herausgebracht, mit dem er dazu anregen will, sich wieder mehr (und besser) „in echt“ auszutauschen.

„Aktive Kommunikation“ heißt sein „Lesebuch“, im Keiper Verlag erschienen, das weder therapeutische noch manipulative Ansprüche verfolge, sondern „im Idealfall zu ein paar Aha-Effekten“ führen soll. Er wolle bewusst machen, „was kommunikativ in unserem Alltag passiert“, sagt Withalm, „um Lust zu machen, aktiver auf die eigenen kommunikativen Bühnen zu gehen und sich nicht immer unter der selbst gesteckten Schamgrenze zu bewegen“.

Dazu empfiehlt er, zunächst alles zu vergessen, was mit möglichen Gefahren zu tun hat. Dann, den eigenen „Krautgarten, in dem man sich sicher fühlt“, zu verlassen, um „sich groß zu machen und zu spüren, wie andere Menschen mich wahrnehmen“. Withalm: „Ich plädiere für Mut zum einfachen Gespräch mit einem anderen. Inhalt egal, aber signalisierend: Ich hab echtes Interesse an dir und am Gespräch und lasse mich darauf ein.“ Üben könne man das schon mit einem ernst gemeinten „Wie geht's?“ Wobei: „Manchmal sorgt sogar das schon für Irritationen, weil es die Leute gar nicht mehr gewohnt sind.“ (tes)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2019)