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Wintereinbruch

Lawine rollt durch Ort: Weiterhin starke Niederschläge und Wetterwarnungen

APA/EXPA/LUKAS HUTER

Die starken Niederschläge am Sonntag sorgten vor allem in Oberkärnten und in Osttirol, stellenweise auch im südlichen Salzburg sowie in Nordtirol für erhebliche Probleme, hier galten weiterhin rote und orange Wetterwarnungen.

Die starken Niederschläge am Sonntag sorgten vor allem in Oberkärnten und in Osttirol, stellenweise auch im südlichen Salzburg sowie in Nordtirol für erhebliche Probleme, hier galten laut ZAMG weiterhin rote und orange Wetterwarnungen. Positive Nachrichten gab es für Lavamünd, die Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen als ursprünglich vorhergesagt.

Lawinenabgänge und Straßensperren

Durch massive Neuschneemengen in Oberkärnten ist es am Samstag in den Tälern rund um Mallnitz (Bezirk Spittal/Drau) zu mehreren Lawinenabgängen gekommen. Aufgrund der extremen Lawinengefahr und der Gefahr von durch Schneelast umstürzenden Bäumen wurden das Seebachtal, Tauerntal und Dösental gesperrt und die Bevölkerung aufgerufen, zu Hause zu bleiben, teilte die Landespolizeidirektion Kärnten mit.

In den gesperrten Tälern waren "Hunderte Haushalte" betroffen, wie es vonseiten der Bezirksleitzentrale in Spittal/Drau hieß, wo Samstagnachmittag Starkregen niederprasselte, der in einer Seehöhe von rund 800 Metern in Schneefall überging. Personenschäden aufgrund der Elementarereignisse habe es glücklicherweise nicht gegeben.

Erst in der Nacht auf Samstag war der Mast einer 110 KV-Leitung in Mallnitz eingeknickt, wodurch es zu einem Zählerkastenbrand bei einem Wohnhaus kam. In der benachbarten Gemeinde Obervellach gab es am Samstag in der Kirche und dem Pfarrhaus von Flattach einen massiven Wassereintritt, den die örtliche Feuerwehr auspumpen musste.

In den frühen Morgenstunden war in der Gemeinde Krems im Liesertal oberhalb der Katschberg Bundesstraße (B99) ein Hang abgerutscht. Zwar blieb das meiste Material in den Sicherungsgittern hängen, da weitere Abrutschungen befürchtet wurden, wurde laut Polizei eine Sperre der Straße zwischen Kremsbrücke und Leoben veranlasst. Eine weitere Sperre gab es zwischen Lieserbrücke und Trebesing.

Laut ÖAMTC waren von umgestürzten Bäumen, Muren- und Lawinenabgängen nach wie vor auch die Straßen durch das Mölltal und Lesachtal betroffen: Gesperrt waren u.a die Kleinkirchheimer Straße (B88) zwischen Bad Kleinkirchheim und Radenthein, die Großglockner Straße zwischen Heiligenblut - Glocknerstraße, Döllach, zur Landesgrenze Kärnten/ Osttirol und Winklern sowie die Nassfeld Straße (B90) zur Staatsgrenze Nassfeld und die B111, Gailtal Straße von Kötschach in Richtung Osttirol. Eine Entspannung der Situation war nicht in Sicht. Es bestand höchste Warnstufe für weitere Unwetter.

In Villach ist seit Samstagfrüh aufgrund eines drohenden Hochwassers der Drau an der Draulände der Rad- und Gehweg sowie die Fußgängerbrücke über die Schütt gesperrt worden: Für den Nachmittag wurde mit einem erhöhten Durchfluss von Drau und Gail gerechnet, prognostiziert wurde eine Durchflusstärke von rund 1.000 Kubikmetern pro Sekunden. Eine Entspannung wurde für Mitternacht, bzw. die frühen Morgenstunden am Montag erwartet, teilte die Stadt Villach mit.

Wassermenge dürften geringer ausfallen

Die Prognosen für Lavamünd (Bezirk Wolfsberg) haben sich verbessert, teilte der Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner (SPÖ) nach der Sitzung des Landeskrisenstabes am Samstag mit. Mit einer maximalen Absenkung der Staubecken versuchte man, so viel Wasser wie möglich vorab abzufangen. Die für die Nachtstunden angekündigte Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen, als befürchtet. "Es ist jetzt von einem zehn- bis 30-jährigen Hochwasser (HQ 10 - HQ 30; Anm.) auszugehen", konkretisierte der Kärntner Katastrophenschutzbeauftragte Markus Hudobnik.

Aufgrund der bisherigen und für den Samstag vorhergesagten Niederschläge seien die Abflussmengen neu berechnet worden und zeichneten nun ein etwas günstigeres Bild: Anstatt eines prognostizierten Spitzenabflusses von 1.900 Kubikmetern pro Sekunde werden jetzt Werte von 1.600 (plus/minus 250) Kubikmeter pro Sekunde erwartet. Das sei weniger als bei den großen Hochwasserereignissen im Vorjahr (prognostizierte 2.900 und 2.700 Kubikmeter pro Sekunde). Große Mengen des angekündigte Wassers sollen in den zuvor großzügig abgesenkten Stauseen abgefangen werden.

Stausee-Niveau abgesenkt

Laut Verbund wurde - der entlang der Drau zehn Kraftwerke betreibt - in den vergangenen 24 Stunden der größte Stausee an der Drau, der Völkermarkter Stausee, bis Samstagmittag um 4,5 Meter unter das Normalniveau abgesenkt. "Die für die Nachtstunden angekündigte Hochwasserwelle soll im entleerten Stausee aufgefangen werden", sagte Verbund-Sprecher Robert Zechner. Bereits am Freitag habe man auch die Pegel bei den Stauseen Rosegg/St.Jakob und Feistritz-Ludmannsdorf 2,5 Meter unter das Normalniveau abgesenkt.

Im Völkermarkter Stausee wurde mit der Absenkung der technisch mögliche Maximalwert erreicht. Nachdem große Flächen des Stausees derzeit freiliegen, wurde vonseiten des Verbunds eindringlich vor einem Betreten gewarnt: "Obwohl mit dem Eintreffen der Hochwasserwelle erst in den Nachtstunden zu rechnen ist, kann sich der Wasserstand im flachen Uferbereich aufgrund der Wasserführung der Drau in kürzester Zeit erhöhen", warnte Zechner. An den Uferbegleitdämmen beim Stausee fanden seit 3.00 Uhr laufend Kontrollbegehungen mit Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren des Bezirks Völkermarkt statt.

An der Gurk und Glan wurden Spitzenabflüsse der Kategorie HQ 5 bis 10 erwartet, an der Oberen Gurk könnte es aber laut Mitteilung des Katastrophenschutzreferenten auch Abflüsse von über HQ 10 bis HQ 30 geben. Hier wurden laut Landesrat Fellner am Samstag mobile Hochwasserschutzmaßnahmen aufgebaut. An kleineren Gewässern in den Bezirken Feldkirchen, Villach, St. Veit und Klagenfurt-Land könnten nach wie vor lokal kleinräumig Überflutungen auftreten.

Der Landesrat betonte, dass man die Situation in ganz Kärnten weiter genau im Blick habe. "Wir stehen aber auch in engem Kontakt mit dem Nachbarland Slowenien, das wir laufend über die von uns gesetzten Maßnahmen informieren", so Fellner. Er dankte den Einsatzkräften, Fachleuten, Firmen, Behörden und Organisationen für ihre "großartige und perfekt aufeinander abgestimmte Arbeit".

Anhaltende Schneefälle in Osttirol

Nachdem die Nacht in Osttirol weitgehend ruhig verlaufen war, führten die anhaltenden Schneefälle am Sonntag wieder vermehrt zu Problemen. Rund 2.000 Haushalte waren Sonntagmittag ohne Stromversorgung. Die schweren Niederschläge würden laufend zu Baumstürzen und Seilrissen führen, hieß es seitens der Tinetz-Stromnetz Tirol AG. Der Stromversorger sprach von einer Situation, "wie wir sie noch nie hatten". Die Bildungsdirektion Tirol empfahl allen Schulleitern, auch am Montag die Schulen in Osttirol noch geschlossen zu halten.

Aus Sicherheitsgründen mussten auch am Sonntag noch zahlreiche Straßen gesperrt bleiben, darunter etwa die Felbertauernstraße, die Gailtalstraße (B111), die Defereggentalstraße (L25) und die Kalser Straße (L26). Auch am Sonntag herrschte Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala. "Der Aufenthalt abseits gesicherter Pisten ist demnach unbedingt zu vermeiden", betonte Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol.

Lawinen in Südtiroler und Osttiroler Ort abgegangen

Im Südtiroler Martelltal ging am Sonntag eine Lawine in ein Dorf ab. Verletzt wurde niemand. Ein Video des Lawinenabgangs kursierte im Internet. Die Lawine hatte zwei Häuser teilweise beschädigt, teilte der Marteller Bürgermeister Georg Altstätter mit. Mehrere Häuser wurden im Einzugsgebiet der Lawine und aus weiteren Gefahrenbereichen vorsorglich evakuiert und in der Turnhalle des Gemeinschaftshauses untergebracht. Auch hier gab es keine Verletzten. Zudem war bei Mauls eine Hochspannungsleitung auf die Brennerautobahn, die Eisenbahngleise und die Staatsstraße gestürzt. Jeglicher Verkehr zwischen Brixen und Sterzing war damit unterbrochen. Auch in Südtirol waren zahlreiche Straßen gesperrt und rund 12.500 Haushalte ohne Strom. Das Mobilfunknetz war ebenfalls teilweise ausgefallen.

Im Ortsteil Bobojach von Prägraten in Osttirol ist es am Sonntag gegen Mittag zu einem Lawinenabgang gekommen. "Der Lawinenabgang verlief glimpflich. Es wurde niemand verletzt", teilte Bezirkshauptfrau Olga Reisner mit. Die 70 Bewohner von Bobojach seien als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend im Gemeindezentrum untergebracht worden.

Die starken Niederschläge bereiteten auch im Bundesland Salzburg weiter Probleme. Besonders betroffen waren die südlichen Landesteile. In Taxenbach, Bruck, Fusch und Rauris seien rund 200 Personen ohne Straßenverbindung, 13 Gebäude wurden im Pinzgau vorsorglich evakuiert, teilte der Pinzgauer Bezirkshauptmann Bernhard Gratz mit.

Im Bereich der Tauern erwarteten die Meteorologen innerhalb von 24 Stunden 90 Millimeter Niederschlag. Dazu herrschte starker Südföhn. Die ansteigende Schneefallgrenze verringerte zwar die Gefahr umstürzender Bäume, gleichzeitig erhöhte sich aber die Gefahr, dass es durch den anhaltenden Regen zu lokalen Überflutungen kommt. In Zell am See drohte beispielsweise der Thumersbach über die Ufer zu treten, die Thumersbacher Landesstraße war gesperrt. Die Lawinengefahr in den Hohen Tauern war groß, in den Niederen Tauern und in den Lungauer Nockbergen erheblich.

Der Katastrophenschutz des Landes empfahl, in den betroffenen Gebieten nicht notwendige Autofahren zu vermeiden und die Gefahr von Dachlawinen zu beachten.

(APA)