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Spektakulärer Einbruch in Dresdens Schatzkammer Grünes Gewölbe

Die historischen Gebäude in Dresden wurden großräumig abgesperrt.
Die historischen Gebäude in Dresden wurden großräumig abgesperrt.REUTERS
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Drei Juwelen-Garnituren wurden gestohlen, Überwachungskameras zeigen zwei Einbrecher. Ein in Brand gesetzter Stromkasten könnte die Stromversorgung beeinträchtigt haben.

Es könnte einer der größten Kunstdiebstähle in der deutschen Nachkriegsgeschichte sein. Bei einem spektakulären Einbruch in Dresdens berühmte Schatzkammer Grünes Gewölbe ist ein Schaden in noch unbekannter Höhe entstanden. Der Einbruch betrifft den historischen Teil der Sammlung mit Juwelengarnituren und anderen wertvollen Kunstobjekten. Die Räume des Museums sind eigentlich streng gesichert.

Die Diebe dürften aus einem der Schutzgitter eines der Fenster ein Stück entfernt haben und zielgerichtet eine Vitrine eingeschlagen haben., bestätigte der Chef der Dresdner Kriminalpolizei, Volker Lange. Dabei seien drei Edelsteingarnituren entwendet worden - eine aus Diamanten, eine aus Diemantrauten und eine mit Brillanten, sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, Marion Ackermann, am Montag vor Journalisten. Mindestens zwei Täter sind noch auf der Flucht. Sie sind auf Aufzeichnungen der Überwachungskameras zu sehen.

Ein genauer finanzieller Schaden lasse sich nicht beziffern, sagte Ackermann. "Wir können es gar nicht in einem Wert auflösen, da es unverkäuflich ist - es gibt keinen finanziellen Wert, mit dem wir arbeiten." Ackermann sagte, der Materialwert der Schmuckstücke sei an sich nicht so hoch zu bewerten. Nach Polizeiangaben gingen die Täter "zielgerichtet" auf die Vitrine mit den Schmuckstücken zu und zertrümmerten diese.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wollte den Tatort aufsuchen. Sachsens Regierungschef zeigte sich entsetzt: "Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen!", sagte Kretschmer. "Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden", betonte Kretschmer. "Man kann die Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens."

Stromzufuhr unterbrochen?

Laut Zeitungsberichten brannte am Montagmorgen ein Stromkasten unter der Augustusbrücke, mit dem möglicherweise die Stromzufuhr zu den Staatlichen Kunstsammlungen unterbrochen wurde. Eine Sprecherin des Energieversorgers Drewag bestätigte den Vorfall: "Die Drewag musste den Schaltkasten außer Betrieb setzen." Ob es einen Zusammenhang mit dem Einbruch gibt, ist noch unklar. Die Polizei war für Nachfragen zunächst nicht zu erreichen. Über ein Eckfenster sollen die Diebe dann in das Gebäude gelangt sein. Vor allem auf Schmuck hatten sie es abgesehen. Größere Gegenstände wie Vasen oder Gemälde ließen die Einbrecher zurück.

Am Vormittag war die Spurensicherung am Tatort, die Polizei hatte sowohl einen Teil der Schatzkammer als auch die gegenüberliegende Schinkelwache - die Kasse der Semperoper - abgesperrt. Äußerlich wirkte die Schatzkammer unversehrt, die Fenster sind durch historische gusseiserne Gitter geschützt.

Einer der Räume des Grünen Gewölbes in Dresden.
Einer der Räume des Grünen Gewölbes in Dresden.APA/AFP/dpa/SEBASTIAN KAHNERT

„Bitterer Tag"

Sachsens Landesregierung hat nach dem Einbruch in das Historische Grüne Gewölbe von einem "bitteren Tag" für das kulturelle Erbe im Freistaat gesprochen. Es seien "Kunstschätze von unermesslichem Wert" gestohlen worden, sagte Landesinnenminister Roland Wöller (CDU) am Montag in Dresden. Es gehe dabei nicht nur um den materiellen Wert, sondern auch um die immaterielle Bedeutung der Kunstschätze.

Wöller sprach von einem "Anschlag auf die kulturelle Identität aller Sachsen". Polizei und Ermittlungsbehörden arbeiteten mit Hochdruck an der Ermittlung des Falls. Es sei eine Sonderkommission gebildet worden. "Wir werden alles daran setzen, nicht nur die Kulturgüter zurückzubringen, sondern auch die Tatverdächtigen zu fassen", sagte Wöller.

Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) sagte, es könne noch nicht zum Umfang des Schadens gesagt werden, weil die Spurensicherung noch andaure. Für Sachsen sei es aber "ein großer kulturpolitischer Schaden, wenn es nicht gelingt, diese Kunstgegenstände zurückzubekommen".

Historischer Teil im Erdgeschoß

Sachsens Kurfürst August der Starke (1670-1733) ließ die Schatzkammer zwischen 1723 und 1730 anlegen. Heute wird sie in zwei Abteilungen präsentiert. Der historische Teil befindet sich im Erdgeschoß des Residenzschlosses in den authentisch wiederhergestellten Räume der Sammlung. Eine Etage weiter oben zeigt das Neue Grüne Gewölbe besondere Einzelstücke.

Eines der wertvollsten Stücke des Grünen Gewölbes wird derzeit im Metropolitan Museum of Art in New York ausstellt - der Grüne Diamant. Das Hut-Schmuckstück mit dem einzigartigen Stein von 41 Karat und natürlicher Färbung gilt als spektakulärste Leihgabe der Ausstellung "Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe" des Metropolitan Museum of Art.

(APA/dpa)