Schnellauswahl
Terror

"Jack wäre wütend": Vater von London-Opfer schreibt berührenden Brief

Jack Merritt starb am Freitag bei einem Terroranschlag in London.
Jack Merritt starb am Freitag bei einem Terroranschlag in London.APA/AFP/BEN STANSALL

Der jüngste Anschlag in London werde benutzt, um eine Weltsicht zu untermauern, gegen die sein Sohn stets gekämpft hatte, schreibt der Vater des getöteten Jack Merritt.

„Jack war stolz. Jack war unglaublich intelligent. Jack war äußerst loyal. Jack liebte Musik, Kunst, gutes Essen mit seiner Familie und das Trinken von mehr als einem Bier mit seinen Freunden. Oh, und falls Sie es jetzt noch nicht realisiert haben sollten... er war außerdem teuflisch gutaussehend.“ Jack Merritt ist eines der Opfer von Terrorist Usman Khan, der am Freitag in London Menschen mit einem Messer attackierte.

Der 28 Jahre alte Attentäter hatte an einer Konferenz der Universität Cambridge über Resozialisierung teilgenommen. Beide Todesopfer waren über die Universität an dem Programm beteiligt. Der Anschlag wurde sofort zum Wahlkampfthema, was Angehörige der Opfer kritisierten. Die Briten wählen kommende Woche ein neues Parlament. Wie mit dem tragischen Ereignis nun öffentlich umgegangen wird, das widerspreche dem Weltbild, für das Jack Merritt gekämpft habe, schreibt dessen Vater Dave in einem Text für die englische Zeitung „The Guardian“.

Jacks Streben nach einer besseren Welt

Sein Sohn sei wütend auf die Zustände in Großbritannien gewesen, da die Gesellschaft es nicht schaffe, jenen zu helfen, die Hilfe dringend benötigten. „Er war frustriert, weil die politische Elite vergessen hat, warum es wichtig ist, fair zu sein.“ Jack Merritt arbeitete in einem Programm, das Studenten und Gefängnisinsassen zusammenbringt, um ihre Perspektive des Begriffs Gerechtigkeit zu teilen. „Im Gegensatz zu vielen von uns ist Jack nicht einfach nur in die Arbeit gegangen. Er lebte und atmete Feuer in seinem Streben nach einer besseren Welt für die ganze Menschheit, besonders für die Bedürftigsten.“ Seine Arbeit war auch der Grund, weshalb er an der Veranstaltung am Anschlagsort teilgenommen hatte.

Jacks Vater teilt in dem Text nicht nur die Weltsicht seines Sohnes mit, er erklärt auch, warum die Folgen des Anschlags seinen Sohn wütend machen würden. „Jack würde das politische Timing mit instinktiver Klarheit verstehen.“ Sein Sohn würde sich im Grabe umdrehen, wenn er dazu benützt werde, eine Agenda des Hasses aufrechtzuerhalten, gegen die er sein Bestes gab. „Das sollten wir niemals vergessen. Was Jack von uns erwarten würde, ist, dass wir alle durch die Tür gehen, die er aufgebrochen hat in seinen schwarzen Doc Martens“. Die Welt für die sein Sohn gekämpft hätte, sei eine, in der man keine unbestimmten Strafen verhänge, in der man auf Wiedereingliederung in die Gesellschaft und nicht auf Rache fokussiere. „Wo wir nicht dauerhaft unseren Öffentlichen Dienst unterminieren, die Lebenslinie unserer Nation. Jack glaubte an das grundlegend Gute der Menschheit und er fühlte eine tiefe soziale Verantwortung, es zu schützen. Durch uns alle wird Jack weiterleben“.

Anschlag in der Gilde-Halle der Fischhändler

Terrorist Usman Khan hatte am Freitag zwei Menschen erstochen, bevor er auf der London Bridge von Zivilisten überwältigt werden konnte. Sie hielten ihn mit einem Narwalzahn aus der Gildehalle, einem Feuerlöscher und ihren bloßen Händen in Schach. Die Polizei erschoss den Täter anschließend. Er trug eine Sprengstoffgürtel-Attrappe.

Der wegen Anschlagsplänen verurteilte Terrorist war vor einem Jahr auf Bewährung routinemäßig vorzeitig entlassen worden. Drei weitere Menschen, ein Mann und zwei Frauen, wurden bei dem Angriff verletzt.

>> Der ungekürzte Original-Text in englischer Sprache von Dave Merritt ist online im „Guardian“ nachzulesen

(Red.)