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Kommentar

Masernimpfpflicht? Erleichtern statt drohen

Masernimpfung
Die Einführung der Masernimpfpflicht in deutschen Kindergärten und Schulen hat auch in Österreich die Debatte über eine Masernimpflicht neu entfacht.imago images/blickwinkel
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Angesichts der steigenden Zahl der Masernerkrankungen könnte eine Impfpflicht irgendwann unvermeidlich sein. Aber zuvor sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um der Bevölkerung eine Impfung schmackhaft zu machen.

148 Masernfälle wurden 2019 bisher gemeldet. Im vergangenen Jahr waren es 77, im Jahr zuvor 64 und im Jahr davor 21. Sollte sich also die Durchimpfungsrate nicht bald deutlich erhöhen, wird an einer Masernimpfpflicht in Österreich, wie sie die ÖVP-Landeshauptleute von Niederösterreich und der Steiermark fordern,  irgendwann kein Weg vorbeiführen. Aber soweit muss es nicht kommen.

Denn Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge sind die meisten Ungeimpften keine überzeugten Impfgegner, sondern verzichten zumeist aus Unwissenheit, Nachlässigkeit, Selbstzufriedenheit und wegen des schwierigen Zugangs zu Impfstoffen auf die Impfung.

Vor allem der letzte Punkt ist einer, an dem man hätte längst ansetzen können. Um die 3-Fach-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln zu bekommen, muss man beispielsweise in Wien entweder eines der Bezirksgesundheitsämter oder einen niedergelassenen Arzt aufsuchen, nachdem man zuvor den Impfstoff in einer Apotheke gekauft hat. Alles verbunden mit Anmeldung, Wartezeiten und (beim Arzt) zusätzlichen Kosten.

Ohne Termin, ohne Kosten, ohne Umstände

Warum kann man nicht in die nächstgelegene Apotheke gehen, um sich umfassend beraten und impfen zu lassen? Von 8 bis 18 Uhr. Von einer der dort tätigen Fachkräfte, die nicht länger als einen Nachmittag brauchten, um die nötige Ausbildung zum Impfen zu erwerben. Ohne Termin, ohne Wartezeiten, ohne Kosten, ohne Umstände.

Liegt die Durchimpfungsrate dann immer noch unter den – für den sogenannten Herdenschutz erforderlichen – 95 Prozent, kann man die Menschen immer noch unter Androhung von Sanktionen zwingen, sich und ihren Kindern eine Nadel in den Arm stechen zu lassen. Und damit riskieren, dass sich auch Impfbefürworter reflexartig auf die Seite der Impfgegner schlagen – nur, um sich nichts vorschreiben zu lassen.

Hat es im Ausland alles schon gegeben. Ist es das wert, um den einfacheren Weg zu gehen und auf Zwang zu setzen statt Aufklärung, Erleichterung und Selbstbestimmung zu fördern?

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