Wer nicht die zigste Wiederholung von „Home Alone“ sehen will, kann stattdessen einen Film oder eine Serie seiner Wahl anschauen. Streaming macht es möglich.
Binge Watching

Der Kampf der Tech-Riesen um die Wohnzimmer

Mit ihren Streaming-Angeboten bringen die großen Technologiekonzerne das klassische Fernsehen und auch das Kino in Zugzwang. Doch auch innerhalb der Branche wird der Konkurrenzkampf härter.

21 Jahre ist es her, da wollte der eben erst an die Börse gegangene Buchhändler Amazon eine kleine Versand-Videothek namens Netflix übernehmen. So berichtet es der ehemalige Netflix-Chef Marc Randolph in seinem Buch „That Will Never Work“. 14 bis 16 Millionen Dollar soll Amazon-Chef Jeff Bezos geboten haben. Die Netflix-Gründer lehnten ab. Netflix verschickte damals Videokassetten und DVDs per Post an seine Kunden, verlangte keine Gebühren für die verspätete Rückgabe und schrieb Verluste.

Heute hat Netflix 156 Millionen zahlende Abonnenten und ist an der Börse 130 Milliarden Dollar wert. Seit dem Börsengang im Jahr 2002 ist der Aktienkurs um durchschnittlich fast 40 Prozent pro Jahr gestiegen. Netflix ist eine der ertragreichsten Aktien der vergangenen Jahre. Auslöser für diesen Erfolg war eine Änderung des Geschäftsmodells: Seit 2007 bietet das Unternehmen Filme via Streaming an. Kunden müssen sich keine Videos mehr per Post zusenden lassen, sondern können sich bei Netflix anmelden und dann die Filme direkt über das Internet auf ihren Computern oder anderen Abspielgeräten anschauen.

Und sie sind nicht auf die Angebote des linearen Fernsehens angewiesen, sondern können sich jederzeit anschauen, was sie wollen und das auch noch werbefrei. Für das neue Verhalten der Konsumenten brauchte man neue Begriffe: „Binge Watching“ bezeichnet etwa das stundenlange Schauen mehrerer Folgen einer Serie am Stück.