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Rennen um die Stichwahl

Ex-Premier Milanović bei Kroatiens Präsidentenwahl vorn

Ex-Premier Milanović bei der Stimmabgabe.REUTERS
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Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarovic muss um die Wiederwahl bangen. Am 5. Jänner kommt es zur Stichwahl um das Präsidentenamt.

Belgrad/Zagreb. Kroatiens Präsidentenkür geht in die Verlängerung. Nach Auszählung von 66,75 Prozent der Stimmen lag am Sonntagabend der von den oppositionellen Sozialdemokraten (SDP) unterstützte Ex-Premier Zoran Milanovic mit 30,35 Prozent der Stimmen überraschend klar vorn. Die vorab favorisierte Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarovic ist im ersten Wahlgang mit 27,43 Prozent der Stimmen zwar der Einzug in die Stichwahl am 5.Januar geglückt. Doch im Duell mit Milanovic wird die seit 2015 amtierende Staatschefin um ihre Wiederwahl kämpfen und bangen müssen.

Mit 23,52 Prozent hat der rechtsnationale Sänger Miroslav Skoro sein Wahlziel vorzeitig verfehlt: Bei einem Einzug in die Stichwahl hatten die Meinungsforscher dem 57jährigen Außenseiter vorab das größte Wählerpotenzial bescheinigt. Auf 5,9 Prozent der Stimmen kam der rechtspopulistische Ex-Richter Mislav Kolakusic, dem im Mai der Einzug ins Europaparlament gelungen war. Der Rest des 11-köpfigen Kandidatenfelds konnte nur marginale Stimmenanteile erzielen.

Nicht nur der Popularitätsverlust der regierenden HDZ und der auch um traditionelle HDZ-Wähler buhlende Rechtskonkurrent Skoro, sondern auch eine Kette peinlicher Ausrutscher hatten der lange in den Umfragen einsam führenden Staatschefin in den letzten Wochen merklich an Zustimmung gekostet: Mehrere fahrig wirkende Wahlkampfauftritte ließen regierungskritische Medien und ihre Rivalen gar über den Gesundheitszustand und den Alkoholkonsum der Wahlfavoritin spekulieren.

Rennen ist komplett offen

Für das Stichwahl-Duell gegen Milanovic sagten ihr die Umfragen bis vor kurzem zwar einen knappen Sieg voraus. Doch die meisten Meinungsforscher hatten der Präsidentin auch den Sieg im ersten Wahlgang vorhergesagt – und sich getäuscht. Sicher ist, dass die meisten der nun ausgeschiedenen Kandidaten eher der Rechten zugeneigt sind. Doch neben ihren seit Wochen fallenden Umfragewerten bleibt ein Unsicherheitsfaktor für die Staatschefin, ob sich die ausgeschiedenen Rechtskandidaten und vor allem ihr Rivale Skoro sich zu einer Wahlempfehlung für die angeschlagene HDZ-Hoffnungsträgerin durchringen können – und wollen.

Im Stimmenstreit hatte der 57jährige Sänger die volkstümliche Metzgertochter besonders hart attackiert – und angedeutet, bei einem Ausscheiden ihr die Unterstützung zu versagen. Vom erbitterten Streit im rechten Lager hat vorläufig als lachender Dritter Sozialdemokrat Milanovic profitiert: Mit seinem Wahlsieg ist dem 53jährigen Ex-Premier ein erfolgreiches Comeback geglückt.

Der spannende Dreikampf um das höchste Amt im Adriastaat hatte am Sonntag zu einem verstärkten Andrang an den Urnen geführt: Bereits am Nachmittag lag die Wahlbeteiligung laut Angaben der staatlichen Wahlkommission (DIP) 2,5 Prozent über dem Wählerzuspruch beim ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen 2014. Wegen wiederholter Verstöße gegen die Wahlstille verwarnte die DIP am Sonntag mehrfach Miroslav Skoro. Der Sänger hatte er mit humoristisch verschlüsselten Botschaften per Facebook am Wahltag wiederholt für seine Kandidatennummer 11 geworben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2019)

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