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Außenministerium

Schwerer Cyberangriff noch im Gang

(c) APA/dpa/Oliver Berg

Aufgrund der Schwere und der Art des Angriffs vermutet das Ressort einen staatlichen Akteur dahinter. Details werden nicht bekannt gegeben.

Wien. Es war ein schwerwiegender Cyberangriff, der auf die IT-Systeme des Außenministeriums am Wochenende gestartet wurde, und er war auch am Dreikönigstag noch nicht vorbei. Die Attacken würden laufen, ebenso die technischen Gegenmaßnahmen, in die auch Spezialisten des Innenministeriums eingebunden seien, sagte Außenamtssprecher Peter Guschelbauer am Montag. Die Dauer sei nicht abschätzbar.

Aufgrund der Schwere und der Art des Angriffs liege, wie das Außenministerium bereits in einer ersten Stellungnahme in der Nacht auf Sonntag sagte, „die Vermutung nahe, dass ein staatlicher Akteur“ dahinterstecke. Daraufhin wurde in Medien die Vermutung laut, dass es sich dabei um Russland handeln könnte. Das hat das Ministerium aber nicht bestätigt.

Überhaupt haben die Datenschutzexperten Zweifel an der schnellen Einschätzung des Ressorts. „Staaten wissen sehr genau – das sind ja Profis – was sie tun, und sie wollen natürlich nicht erwischt werden, das heißt, wenn es wirklich ein staatlicher Angriff war, dann würde er sich, sobald es bekannt und ruchbar wird, sofort zurückziehen“, sagte Georg Markus Kainz vom Datenschutzverein Quintessenz in der „ZiB 2“. Er würde nicht so schnell auf einen staatlichen Angriff tippen, sondern das Ganze in Ruhe analysieren.

Technische Details des Angriffs und der dadurch entstandenen Probleme teilte das Außenministerium aus taktischen Gründen nicht mit. Daher könne man noch nicht sagen, ob Daten gestohlen oder verändert worden seien.

 

Nicht der erste Angriff

Hackerangriffe sind international keine Seltenheit mehr. In der jüngeren Vergangenheit wurden auch öffentliche Institutionen und Firmen in einigen europäischen Ländern zum Ziel. Laut Experten werden sie teilweise durch Leichtsinn – wenn etwa gleiche Passwörter für mehrere Dienste oder unverschlüsselte Services verwendet werden – ermöglicht. Oft sind aber auch sensible Computernetzwerke unzureichend geschützt.

In vielen Fällen – wie nun auch im Fall des Außenamts – vermuten die betroffenen Staaten ausländische Geheimdienste bzw. staatliche Akteure hinter den Attacken, gern werden Russland und China genannt. Insbesondere vor Wahlen sind neben Cyberangriffen auch Fake News und Meinungskampagnen ein großes Thema. Auch hier ist Russland immer wieder unter den Verdächtigen.

Auch in Österreich ist das nicht der erste Cyberangriff. Im September vor der Nationalratswahl hatte die ÖVP einen „sehr gezielten Hackerangriff“ auf die Parteizentrale gemeldet. Im Jahr davor wurden die Websites des Parlaments und einiger Ministerien Opfer sogenannter DDoS-Attacken („Distributed Denial of Service“). Dabei werden Websites oder Programme mit so vielen Anfragen überschüttet, bis die Dienste schließlich ausfallen. Im Juli 2011 wurden die Homepages von SPÖ und FPÖ von Hackern attackiert. (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2020)