Schnellauswahl
Randerscheinung

Im Jänner

(c) Carolina Frank
  • Drucken
  • Kommentieren

Im Jänner ist für mich alles ein wenig schwieriger.

Im Jänner ist für mich alles ein wenig schwieriger. Anders als sonst stört es mich zum Beispiel, dass die Einführung eines neuen Supermarkt-Stammkundenklubs, dem ich nicht angehöre und dem ich aufgrund des blöden Namens und aus Datenschutzbedenken auch weiterhin nicht angehören will, dazu führt, dass die armen Kassierinnen nicht mehr wissen, wie sie die hunderttausend verschiedenen Rabattmarken, Prozentpickerl, Sammelpässe, Monatsrabatte, Tagesaktionen, die da die Kunden mit großer Bestimmtheit einfordern, korrekt abrechnen sollen und deshalb die eine Kollegin, die das alles weiß, ständig von allen anderen quer über alle Schlangen hinweg rufend gefragt wird, wie das denn da abzurechen sei („Kann man den Monatsrabatt eigentlich auch mit dem Rabattmarkenprogramm und dem Prozentpickerl kombinieren, wenn die abgelaufene Ware bereits um 50 Prozent reduziert ist?"), weshalb ich, ohne davon zu profitieren, nicht nur urlang warten muss, sondern auch dieser Black-Friday-Stimmung an jedem stinknormalen Samstag ausgesetzt bin. Ebenfalls im Jänner halte ich es kaum aus, wenn meine beiden erwachsenen Söhne auf den ersten Schnee damit reagieren, dass sie die niedrigen Stoff-Converse anziehen, die ja nicht nur urdünn sind, sondern auch noch diese zwei Löcher knapp oberhalb der Sohle haben, also kaum besser vor Nässe schützen als ein Paar dickere Socken, und wenn ich dann besorgt sage, „da habt ihr ja schon nasse Füße, wenn ihr noch nicht einmal beim Gartentor draußen seid", zucken sie mit den Achseln und murmeln etwas von „Style". Und nicht nur, aber besonders im Jänner macht es mich fertig, wenn ich meine Schuhe extra draußen in der Kälte ausziehe, während der Hund ungerührt nass und saudreckig an mir vorbei ins Haus läuft.

("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 24.01.2020)